Seit „Paranormal Activity“ zum riesigen Erfolg geworden ist, haben sich zahlreiche Filmemacher und noch mehr hiesige Filmverleiher an eben diesen herangehängt. In den Regalen der Videotheken und Kaufhäuser liegen allerhand Gruselfilme aus, die mit Titeln und Covern einhergehen, die klar an „Paranormal Activity“ angelegt sind. Manche sind auch Vertreter des Found-Footage-Formats, aber noch nicht mal das ist zwingend notwendig. Der Titel macht’s.

Wir haben uns für euch in die Niederungen des Genres gestürzt, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Was ist hopp oder top im paranormalen Horror-Gedöns? Lest weiter und findet es raus.

Paranormal ... Calling, Movie & Experience

Paranormal Calling

Ehemaliger deutscher Titel: Seven Deadly Demons

Worum geht’s?

Ein Gefängnis wird abgerissen, wobei man eine grausige Entdeckung macht. Im Kellergewölbe werden Skelette gefunden. Ein CSI-Team nimmt sich des Tatorts an, erweckt dabei aber dämonische Ausgeburten, die ihnen ans Leder wollen.

Was taugt er?

Durchwachsen, aber ansehbar, auch wenn die Geschichte derart verquast ist, dass man oftmals das Gefühl hat, Szenen wären nur eingebaut worden, weil man ein paar Horrorstar-Cameos einbringen wollte (Reggie Bannister aus „Phantasm“, Kane Hodder aus „Hatchet“ oder Michael Berryman aus „Hügel der blutigen Augen“). Immerhin sind die Hauptrollen auch gut besetzt. „Worf“ Michael Dorn und Bill Moseley („The Devils‘ Rejects“) agieren hier.

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Paranormal Movie

Mit Kevin P. Farley und Carly Craig.

Worum geht’s?

In Larrys Haus spukt es. Um den Spuk zu dokumentieren, bringt Larry Dutzende Kameras in seinem Haus an und entdeckt alsbald irre Clowns, kiffende Dämonen und andere fiese Gestalten. Geisterjäger und Medien sollen ihm helfen, dem Monstertreiben ein Ende zu setzen.

Was taugt er?

Lustig ist, wenn man trotzdem lacht? Das dachten wir uns auch schon bei „Paranormal Whacktivity“, aber da gab es nichts zu lachen. Unlustig, anstrengend, zeitraubend, so könnte man diesen Film auch beschreiben. Dass alles unglaubwürdig ist, nimmt man hin, nur eines geht ja mal gar nicht: Dass ein hässlicher Typ wie der Hauptdarsteller eine Freundin haben soll, die wie ein Model aussieht. Klar, wie im echten Leben …

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Paranormal Experience

Mit Amaia Salamanca und Maxi Iglesias

Worum geht’s?

Studenten sollen in einer alten, verlassenen Minenstadt nach paranormalen Ereignissen suchen. Hier trieb einst ein sadistischer Killer sein Unwesen – und so wie es aussieht, ist er immer noch hier.

Was taugt er?

Titel hin oder her, mit „Paranormal Activity“ hat das Ganze überhaupt nichts zu tun. Diese spanische Produktion ist eher ein typischer Slasher-Film. Das funktioniert passabel, wenn auch nicht überragend. Immerhin werden die Figuren ein wenig ausgearbeitet und sind nicht reines Kanonenfutter. Ein klassischer Zeittotschläger. Das ist nicht viel, aber zumindest ein bisschen.

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Paranormal ... Visitors, Phenomena & Ghosts

Paranormal Visitors

Ehemaliger deutscher Titel: The Visitors – Besucher im Haus

Worum geht’s?

Frank zieht mit seiner Familie in ein neues Haus auf dem Land ein. Doch in diesem Haus ist nichts, wie es scheint. Es hat unsichtbare Mitbewohner, die für die Familie bald zum Albtraum werden. Ein Exorzist muss her.

Was taugt er?

Diese schwedische Produktion ist ordentlich umgesetzt, einigermaßen spannend, gut gespielt. Der Film ist dennoch die größte Mogelpackung, die sich deutsche Verleiher einfallen ließen. Das Werk ist aus dem Jahr 1988! Mit dem „Paranormal“-Stempel und einem entsprechenden Cover gaukelt man jedoch vor, einen aktuellen Film zu haben.

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Paranomal Phenomena

Mit Christopher Chacon.

Worum geht’s?

Die Kleinstadt Roscoe wird von einem Gewitter heimgesucht. Wieder und wieder attackieren Blitze die Menschen. Etwas Böses verbirgt sich in diesem Gewitter. Ein Sheriff erkennt, dass dies kein Naturphänomen ist und nimmt den Kampf auf.

Was taugt er?

Eher ein Katastrophen-, denn ein Horrorfilm, wobei man den Blitzen immerhin noch einen übernatürlichen Unterbau gibt. Der in Bulgarien gedrehte Fernsehfilm ist routinierte B-Filmkost, in der „Hercules“ Kevin Sorbo den Sheriff mimt. Dem Titel zum Trotz hat das Ganze aber natürlich keinerlei Ähnlichkeiten mit „Paranormal Activity“. Wenigstens hat der neudeutsche Titel einen Bezug zur Handlung.

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Paranormal Ghosts

Mit Kellan Lutz und Marnette Patterson.

Worum geht’s?

Julie und ihre Freunde wollen in einem Hotel der Geisterstadt Goldfield das geisterhafte Erscheinen von Elisabeth Walker dokumentieren. Das Zimmermädchen wurde gefoltert und ermordet. Seitdem geht ihr Geist um. Was Julie nicht ahnt: Sie hat eine persönliche Verbindung zu Elisabeth.

Was taugt er?

Der Film hätte ursprünglich Teil der „Düstere Legenden“-Reihe werden sollen, nun hat man sich titelmäßig an „Paranormal Activity“ herangehängt. Jede Menge Logiklöcher plagen diesen Film, bei dem man nie so genau weiß, ob „Twilight“-Mime Kellan Lutz oder Wrestler Roddy „Rowdy“ Piper nun die Hauptattraktionen sind. Wie dem auch sei, wenn man alle Augen und Hühneraugen zudrückt, kann man sich den Film schon ansehen.

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Paranormal ... Vitality, Cellar & Entity

Paranormal Vitality

Mit Mercè Montalà und Clàudia Pons.

Worum geht’s?

Ein Experiment soll zeigen, dass paranormale Ereignisse durch Schizophrenie ausgelöst werden. Zu diesem Zweck bringt man fünf schwer gestörte Patienten an einem Ort, an dem Kinder starben. Schon bald tut sich Geisterhaftes.

Was taugt er?

Eine Mixtur aus normaler Narrative und Found Footage wird hier zu einer nicht plakativen, aber mit Effekten versehenen Gruselmär, die von gut gezeichneten Figuren lebt. Im Grunde hätte man die eingestreuten „realen“ Videos aber nicht gebraucht. Sie stören sogar. Dennoch: Im paranormalen Irrsinn einer der besseren Vertreter der Spezies.

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Paranormal Cellar

Mit Mattias Ohlsson und Sandra Tordardottir.

Worum geht’s?

Vier Studenten mieten sich für ein Wochenende ein Ferienhaus. Feiern ist angesagt, doch im Haus angekommen, werden sie von Visionen geplagt. Sie fragen sich, ob hier ein Fluch aktiv ist oder sie ihrer eigenen Einbildung erliegen.

Was taugt er?

Du bist der einzige Mensch, dem du nicht vertrauen kannst“ tönt es vom Cover. Das klingt cool, die schwedische Produktion aus dem Jahr 2003 ist aber ein zweischneidiges Schwert. Zwar einigermaßen spannend, aber trotz kurzer Laufzeit sehr wirr. Den Weg nach Deutschland hat der Film auch nur unlängst gefunden, weil man glaubte, den paranormalen Trend damit melken zu können.

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Paranormal Entity

Ehemaliger deutscher Titel: „Paranormal Investigations 3“

Worum geht’s?

Bei Familie Finley gibt es einen geisterhaften Spuk, der Nachts aktiv ist und speziell Töchterchen Samantha heimsucht. Die Eltern heuern einen Profi an, was paranormale Erscheinungen betrifft. Er soll Samantha helfen.

Was taugt er?

Für eine Asylum-Produktion ist dieser Film, der titelmäßig auch gleich noch den alten Geistergrusler „The Entity“ abfrühstückt, erstaunlich gut geworden. Gut gespielt und mit ein paar richtig schönen Schreckmomenten versehen, kann dieser Film fast mit den „Paranormal Activity“-Streifen mithalten. In mancherlei Hinsicht ist er sogar besser, da er weniger statisch daherkommt.

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Paranormal ... Devil Inside, Entrance & Ghost Story

30 Nights of Paranormal Activity with the Devil Inside

Mit Kathryn Fiore und Flip Schultz.

Worum geht’s?

Dana und Aaron ziehen mit ihrer Familie in ein Haus, in dem einst die Besetzung von “The Artist” ums Leben gekommen ist. Deren Geister machen der Familie nun das Leben schwer.

Was taugt er?

Gar nichts! Weniger als nichts! Absoluter Unfug. Dumm, unlustig, nervig, banal, sinnfrei, einschläfernd, langweilig, fad, bemüht – im Grunde passt jedes negative Adjektiv auf diesen Film. Meidet ihn, was auch immer ihr sonst tut, die 90 Minuten sind besser verbracht!

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Paranormal Entrance

Ehemaliger deutscher Titel: „The Entrance“

Worum geht’s?

Eine Polizistin soll einem Junkie helfen, der davon berichtet, dass ein Dämon in einem Parkhaus sein Unwesen treibt.

Was taugt er?

Zurückhaltend, was die Effekte betrifft, lebt dieser Film von seiner Atmosphäre. Die Handlung ist ein wenig wirr geraten, die Stimmung des Films kann dem aber einiges entgegensetzen. Es gibt überraschende Wendungen und echte Schockmomente, wobei der Film nicht auf Splatter oder Gore setzt. Mit „Paranormal Activity“ hat er natürlich auch rein gar nichts gemein.

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Paranormal Ghost Story

Mit Jason Connery und Stephanie Buttle.

Worum geht’s?

Die zwölfjährige Lizzie ist nach einem Autounfall drei Minuten klinisch tot und wird dann wiederbelebt. Wieder zuhause, manifestiert sich ein Poltergeist. Lizzie ist sich sicher, dass dies der Geist ihres Freundes ist, der statt ihrer gestorben ist.

Was taugt er?

Eine alte Kamelle aus dem Jahr 1998 – also aus einer Zeit, als man an „Paranormal Activity“ noch gar nicht dachte. Den Bezug des deutschen Titels sollte man auch ganz schnell vergessen, der Film erweist sich im Gegenzug aber als wirklich schöner Streifen, der sein kleines Budget beeindruckend einsetzt und eine zu Tränen rührende Geschichte zu erzählen hat.

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Paranormal Investigations I - V

Paranormal Investigations 1

Mit Patti Tindall.

Worum geht’s?

Vor 20 Jahren wurde ein Pfarrer zuhause ermordet, nun verbringen Geisterjäger Carter Simms und sein Team drei Tage in dem Spukhaus. Sie dokumentieren, was in diesen drei Tagen passiert. Das Filmmaterial ist erhalten geblieben.

Was taugt er?

Durchwachsen, aber anschaubar. Die Inszenierung kann sich sehen lassen und muss sich vor besseren Found-Footage-Filmen nicht verstecken, die darstellerischen Leistungen sind jedoch nicht auf gleichbleibend hohem Niveau. Für einen B-Horror-Film mit besonders kleinem Budget ist „Paranormal Investigations“ aber durchaus überraschend gut.

Für den deutschen Verleih war dies der Auftakt einer Reihe, die in klassischer Manier der VHS-Zeiten (mit unzusammenhängenden „Reihen“ wie „Karate Tiger“) verschiedene Filme unter gleichem Titel und mit fortlaufender Nummerierung veröffentlicht wurde.

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Paranormal Investigations 2

Mit James Arthur Lewis.

Worum geht’s?

Im Haus des Serienkillers John Wayne Gacy sah sich im März 2004 ein Team paranormaler Ermittler um und nahm auf Video auf, was man erlebte. Keiner hat überlebt. Das gefilmte Material zeigt, was in dieser Nacht im Haus vor sich ging.

Was taugt er?

Eine schwachbrüstige Asylum-Produktion, die das Found-Footage-Format nur nutzt, weil man einen Film dieser Machart für weniger als 100.000 Dollar produzieren kann. So sieht das Ganze aber auch aus. Dass die Bude, die als Gacy-Haus herhalten muss, mit dem echten Haus des Killers nichts gemein hat, lassen wir dabei gleich mal außen vor.

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Paranormal Investigations 4

Mit Oliver Rayon und Chelsea Vincent.

Worum geht’s?

In einem Sanatorium, das vor Jahren geschlossen wurde, soll es spuken. Hier gab es zuvor einen Massenselbstmord, der der Auslöser für die Geistererscheinungen sein soll. Eine Gruppe selbsternannter Geisterjäger will der Sache auf den Grund gehen und macht sich mit Kameras bewaffnet auf, das Paranormale zu suchen und zu dokumentieren. Nicht alle überleben diese Erfahrung.

Was taugt er?

Ein Mischmasch aus echtem Film und Found Footage, da der Überlebende verhört wird und das im Spuk-Sanatorium gedrehte Filmmaterial dann betrachtet wird. Ambitionierter, als es die Umsetzung erlebt, ist dieser Film weder Fisch noch Fleisch. Bisweilen mit ein paar gruseligen Momenten ausgestattet, merkt man dem Film doch die Unerfahrenheit der Macher und das kleine Budget an.

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Paranormal Investigations 5

Mit Thomas Cassell.

Worum geht’s?

Für eine Reality-TV-Show, bei der man eine Million Dollar gewinnen kann, ziehen mehrere Leute in ein Geisterhaus ein. Sie müssen es dort sieben Tage aushalten, unter den Gewinnern wird das Geld verteilt. Aber sie alle verschwanden. Kann das Filmmaterial Aufschluss geben, was passiert ist?

Was taugt er?

Überraschend gut. Mit dem Reality-TV-Setting gibt es zudem mal einen echten Grund, warum jeder Moment auf Video gebannt wird. Was die Geschichte, aber auch die Erzählweise betrifft, ist dies eine starke Variation zu „Paranormal Activity“, aber dafür lebt der Streifen von einigen Gruselmomenten und einer generell unheimlichen Atmosphäre. Mit nur 5.000 Dollar produziert, zeigt dieser Streifen, dass man auch mit kleinem Geld Genre-Perlen produzieren kann.

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