Es ist nur Paranoia, wenn es nicht stimmt, dass man auf Schritt und Tritt verfolgt wird. Zwar wird die Hauptfigur in „Paranoia“ vollzeitüberwacht, ein echtes Gefühl von Paranoia kommt aber kaum auf. Weder bei ihm noch beim Zuschauer. Selbst eine Szene, in der der Protagonist alle Kameras in seinem Appartement ausfindig macht und vernichtet, ist wenig effektiv.

Paranoia - Riskantes Spiel - Clip Gespräch6 weitere Videos

„Paranoia“ ist ein Thriller, der im Reich der Telekommunikation spielt. Er streift aber nur, was mit den technischen Möglichkeiten machbar ist, wie die dunkle Seite eines Smartphones aussieht, das zum Belauschen, aber auch zur Erstellung eines Bewegungsprofils oder einer Standortfeststellung genutzt werden kann. Das ist aber der eigentlich interessante Aspekt dieser Geschichte. Der Rest ist nur nach üblichen Handlungsmustern gestalteter Betriebsspionagethrill, was deutlich aufregender klingt, als es tatsächlich ist.

Adam Cassidy (Liam Hemsworth) arbeitet für Wyatt Corp. Eine Präsentation, von der er sich viel versprach, lief jedoch nicht gut. Da er danach auf Firmenkosten eine riesige Party schmeißt, droht ihm eine Strafanzeige. Aber Nicholas Wyatt (Gary Oldman) ist bereit, ihn nicht anzuzeigen. Dafür muss Cassidy allerdings als sein Spion beim großen Konkurrenten Eikon fungieren.

Man arrangiert, dass Cassidy bei Eikon angestellt wird und sich dort profilieren kann. Er soll eine Beziehung zum Betreiber Jock Goddard (Harrison Ford) aufbauen und Betriebsspionage betreiben. Das Ziel: ein neuartiges Smartphone, das verändert, wie Menschen miteinander kommunizieren.

Das Unterfangen wird für Adam immer gefährlicher, denn nicht nur verrät er eine Frau, in die er sich verliebt hat, plötzlich stehen auch Leben auf dem Spiel.

Paranoia - Riskantes Spiel - Brisant wie nie: Die Welt der totalen Überwachung

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 9/111/11
Großartige Besetzung: Gary Oldman, Liam Hemsworth und Harrison Ford.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Routine schleicht sich ein

„Paranoia“ ist die Art Film, die eigentlich nichts falsch macht. Namhafte Besetzung mit Altstars, aufstrebender Jungstar, mit Amber Heard was fürs Auge, ein bisschen Gefühl, ein bisschen Spannung, ein paar Twists und ein Drehen an der erzählerischen Schraube, um Geschwindigkeit aufzunehmen. Es ist einem Routinier wie Regisseur Robert Luketic („Natürlich blond“, „Kiss & Kill“) zu verdanken, dass es keine Totalaussetzer gibt.

Packshot zu Paranoia - Riskantes SpielParanoia - Riskantes Spiel

Ihm muss man es aber auch zuschreiben, dass es nichts wirklich Überraschendes gibt. Er gibt sich, das hat Luketic schon mit seinen früheren Werken bewiesen, mit Mittelmaß zufrieden. Wohl auch deswegen, weil Mittelmaß oft reicht, um an der Kinokasse doch noch punkten zu können.

Aber man vermisst beim Regisseur das, was die Hauptfigur Adam auszeichnet: der absolute Hunger, nach oben kommen zu wollen. Stattdessen wagt „Paranoia“ nichts, bleibt immer in der sicheren Bequemlichkeitszone seiner groß anmutenden, aber eigentlich furchtbar kleinen Geschichte.

Die Definition von Durchschnitt. Nicht besonders schlecht, nicht besonders gut. Ansehbar, aber auch nicht mehr.Fazit lesen

In einem Spiel der Könige kann ein Bauer entscheidend sein
Der Bauer ist in diesem Fall Adam Cassidy, der von Liam Hemsworth sympathisch gespielt wird. Dem kleineren Bruder von Chris fehlt es jedoch noch an Männlichkeit. Er spielt älter, als er eigentlich ist, was man ihm in mehr als nur einer Szene anmerkt. Mitunter hat man den Eindruck eines Kükens, das in die Welt der Erwachsenen geraten ist.

Paranoia - Riskantes Spiel - Brisant wie nie: Die Welt der totalen Überwachung

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden2 Bilder
Harrison Ford mal mit etwas anderem Look.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Die Könige sind Goddard und Wyatt, beide formidabel von Harrison Ford und Gary Oldman gespielt. Die zwei waren schon einmal Gegner, damals, bei „Air Force One“, aber das ist lange her. Wirklich zündend ist in „Paranoia“ nur eine Szene, in der sich die beiden mittags in einem Country Club treffen. Hier wird die Kunst zelebriert, Nettigkeiten auszusprechen, aber bösartig das Gegenüber treffen zu wollen, und das alles unter dem Schleier eines breiten Lächelns.

Das ist im Grunde die einzige Szene, die Ford, der gerade in dem Baseball-Drama „42“ eine großartige Leistung abgeliefert hat, und Oldman ein bisschen was abverlangt. Ansonsten sind ihre Rollen nicht dergestalt, dass sie Mimen ihres Formats fordern würden. Die Nebenrollen sind mit Josh Holloway („Lost“) und Julian McMahon („Nip/Tuck“) ganz gut besetzt, allerdings verkaufen sich beide angesichts dieser Parts deutlich unter Wert.

Wirtschaftsspionage

Das Thema von Wirtschaftsspionage ließe sich eigentlich deutlich spannender gestalten. Aber auch eine Sequenz wie jene, in der die Hauptfigur in einen streng gesicherten Bereich des Gebäudes muss, um etwas zu stehlen, funktioniert nur als kurzer Oberflächenreiz. Wie man die permanente Gefahr des Entdecktwerdens stärker betont, hat vor vielen Jahren ein Film wie „Die Firma“ deutlich wirkungsvoller dargestellt.

Filmen wie diesem gelingt es in der Regel aber auch besser zu zeigen, welchen Druck Spione aushalten müssen, spielen sie doch ständig ein doppeltes Spiel. In Ansätzen wird hier gezeigt, wie die moralische Komponente die Hauptfigur bedrückt, aber das wird bei weitem nicht genug ausgereizt. Schade, hätte sich doch gerade dadurch noch sehr viel mehr Spannung aus der konventionellen Geschichte herauspressen lassen.