Die Geschichte von Peter Pan kennt jeder, aber wie wurde der Junge eigentlich, was er ist? Das ist die Frage, die sich Autor Jason Fuchs stellte. Er ersann eine Geschichte, die der von J.M. Barrie erfundenen Figur würdig ist. Mehr noch, er fand eine Geschichte, die Barries Werk sogar bereichert, weil sie eine zusätzliche tragische Komponente erhält. Man sieht nun, wie Peter und James Hook einst als Freunde gemeinsam kämpften. Aber, so erklärt es auch schon der Off-Kommentar am Anfang, aus manchen Feinden werden Freunde – und aus manchen Freunden auch Feinde.

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Das hat man im Hinterkopf, wenn man Joe Wrights „Pan“ sieht. Der Regisseur hat sich mit großen Dramen wie „Stolz & Vorurteil“ oder „Abbitte“ einen guten Namen erarbeitet und nahtlos den Sprung zum Blockbuster geschafft. Bei „Pan“ bringt er nun seine eigene Sensibilität ein, die ungemein hilft, der nicht nur vordergründig prächtigen Geschichte Strahlkraft zu verleihen.

Auf nach Nimmerland

Der zwölfjährige Peter lebt in einem Waisenhaus, ist aber fest überzeugt, dass ihn seine Mutter irgendwann holen wird. Geholt werden in diesem Waisenhaus tatsächlich viele Kinder, denn die Piraten aus Nimmerland entführen sie, damit sie in den Minen von Captain Blackbeard arbeiten können. Dort sollen sie den seltenen Feenstaub abbauen, den der Piraten-Captain benötigt.

Einmal dort angekommen, gerät Peter sofort in Schwierigkeiten und soll über die Planke des Himmelsschiffes in den Tod gestürzt werden. Nur: Er fliegt! Der mitgefangene James Hook sieht seine Chance. Der Junge kann ihm endlich zur Flucht verhelfen, doch Peter hat ganz andere Pläne. Er will in Nimmerland seine Mutter finden, nichtsahnend, dass in diesem Land der Wunder seine Bestimmung auf ihn wartet.

Bombast fürs Auge

„Pan“ ist ein immens phantasievolles Werk, das bis zum Anschlag mit Ideen und Details vollgestopft sind. Schon von den ersten Minuten an kommt hier ein „Sense of Wonder“ zum Tragen, den man im zeitgenössischen Spektakel-Kino der Marke Hollywood nur noch selten sieht.

Ein Augenschmaus – Joe Wright erzählt seine Geschichte mit prachtvollen Bildern.Fazit lesen

Aber wenn das Schiff durch die Lüfte segelt, verfolgt von Flugzeugen der Royal Air Force, dann hat das nicht nur Dampf – das ist auch immens schön. Damit nicht genug, die Reise nach Nimmerland führt durch einen Himmel voller Meeresblasen, in denen allerhand Tiere herumschwimmen, und mündet im Unterschlupf der Piraten, der einen der größten Momente des Kinojahrs bereithält.

Als das Schiff anlegt, intonieren Hunderte Gefangene Nirvanas „Smells Like Teen Spirit“. Das ist Gänsehautfeeling pur. Umso mehr, weil Hugh Jackman als charismatischer Schurke Blackbeard seinen ersten, schlichtweg umwerfenden Auftritt hat. Die Bilder, die Joe Wright hier entwirft, vergisst man so schnell nicht wieder!

Mehr als eine Reise

„Pan“ ist aber nicht nur ein Augenschmaus, sondern verfügt über eine gut geschriebene Geschichte, bei der nicht nur die Hauptfigur, sondern auch viele andere Protagonisten eine echte Entwicklung durchleben. Am Ende ist keiner mehr so, wie er am Anfang gewesen ist. Lediglich Blackbeard bleibt ein wenig unterentwickelt, lebt dafür aber von Jackmans Ausstrahlung (noch dazu mit ungewöhnlicher Optik) und bietet zumindest ein paar kleine Hinweise, was die Herkunft und Lebensgeschichte dieser Figur betrifft.

Die größte Überraschung ist aber wohl Garrett Hedlund, den man nur selten im Blockbuster-Kino sieht, auch wenn er dort ideal aufgehoben ist. Als Schurke mit Herz ist er so etwas wie der Han Solo dieses Films – ein knurriger Typ, den man einfach lieben muss. Das wirkt insbesondere auch deswegen so gut, weil man weiß, welches Schicksal sowohl Hook als auch Peter Pan bevorsteht.