Offenbar kommen sowohl die Verschiebung der Dreharbeiten zu Pacific Rim 2 als auch der Wechsel von Kong: Skull Island von Universal zu Warner Bros. nicht von ungefähr: Es heißt, interne Streitigkeiten zwischen Universal Pictures und Legendary Pictures gefährden die Zusammenarbeit und zahlreiche Projekte.

Pacific Rim 2 - Streit zwischen Universal und Legendary: Pacific Rim 2 steht vor dem Aus

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Der Streit schlägt gleich zwei Fliegen mit einer Klatsche
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Man hat sich schon denken können, dass da irgendwas im Argen liegt, als Legendary Pictures' CEO und Produzent Thomas Tull den neuen King Kong-Film Kong: Skull Island von Universal Pictures zu Warner Bros. schaffte. Offiziell hieß es, das sei ein notwendiger Zug, um beide Lizenzen unter einem Dach zu firmieren, dabei ist King Kong schon lange öffentliches Gut. Und erst 2014 ist Legendary Pictures eine Partnerschaft mit Universal Pictures eingegangen, nachdem der Vertrag mit Warner Bros. auslief.

Als es dann noch hieß, die Dreharbeiten zu Guillermo del Toros Pacific Rim 2: Maelstrom seien von November dieses Jahres auf einen unbestimmten Zeitraum im nächsten Jahr verschoben worden, ohne einen trifftigen Grund zu nennen, wurde man hellhörig. Gleich zwei derartige Geschehnisse in kurzer Zeit? Da kann irgendwas nicht in Ordnung sein. Nur was? Das ist jetzt offenbar klar. Universal Pictures und Legendary Pictures befinden sich "im Krieg".

Genauer gesagt, Legendary Pictures CEO Thomas Tull und die Verantwortlichen bei Universal Pictures befinden sich "im Krieg". Hierbei gehe es um zwei Punkte: Tull habe einige marode Filmprojekte mit zu Universal Pictures geschafft, die das Studio dann veröffentlichte und die sich als Flops erwiesen. Darunter Michael Manns Blackhat (70 Millionen Dollar Budget und 17 Millionen Dollar Einspiel) und The Seventh Son (95 Millionen Dollar Budget und 111 Millionen Dollar Einspiel). Gerade letzteres darbte zuvor jahrelang vor sich hin, bevor der Vertrag zwischen Legendary Pictures und Universal Pictures vorsah, dass Universal beide Filme ebenfalls veröffentlichen müsse. Die Flops taten dem Studio nicht allzu weh, schließlich war man hier nur der Publisher und hat nicht in die Produktion investiert.

Dafür investierte Universal in drei weitere Legendary-Produktionen, bei denen man nun befürchtet, dass sie ebenfalls nicht die Gewinnzone, geschweige denn "break even" erreichen werden, also die Kosten wieder einspielen können. Das wären der Weihnachtshorror Krampus, Zhang Yimous Sci-Fi-Actionfilm The Great Wall mit Matt Damon (erinnert sich hier jemand an Neill Blomkamps Elysium mit Damon?) sowie Duncan Jones' Warcraft. Besonders Warcraft und The Great Wall sehe Universal als Problemfilme an, bei denen man sich nicht sicher sei, ob sie überhaupt Erfolg haben werden.

Lukrativ war der Vertrag bislang nur für Legendary Pictures. Denn durch den Vertrag stieg Tulls Produktionsfirma mit 25 Prozent bei Jurassic World und mit 50 Prozent bei Straight Outta Compton ein. Beides Filme, die alle Erwartungen übertrafen und Legendary große Einnahmen und Studio-Credit einbrachten. Tull konnte sich also quasi mit fremden Lorbeeren schmücken, eine Sache, die bereits Warner Bros. sauer aufstieß, als Tull Legendary als das Studio bezeichnete, das The Dark Knight produziert habe. Zudem hat Legendary auch in Danny Boyles gefeierte Steve Jobs-Biopic mit Michael Fassbender investiert.

Pacific Rim 2 - Streit zwischen Universal und Legendary: Pacific Rim 2 steht vor dem Aus

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Tull wird mit Warner Bros. an Godzilla vs. King Kong arbeiten
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Universal hat sich dagegen geweigert, in Legendarys Crimson Peak, Guillermo del Toros neuem Horrorfilm zu investieren. Es wollte nur einsteigen, wenn sichergestellt sei, dass Crimson Peak eine PG-13-Freigabe erhält. Doch Tull ist bekannt dafür, dass er seinen Regisseuren den Rücken freihält und ihnen große kreative Freiheiten gewährt. Immerhin bezeichnet er sich bei jeder Gelegenheit als Film- und Gaming-Freak. Crimson Peak hat nun ein R-Rating und keinerlei Unterstützung von Universal. Hier konnte Legendary das Budget aus eigener Tasche bezahlen. Doch das ist weder bei Kong: Skull Island noch bei Pacific Rim 2: Maelstrom möglich. Beide Filme gehen in Sachen Budget weit über die 100 Millionen Dollar hinaus.

Universal war nicht überzeugt, dass Legendary den King Kong-Film in sicheren Tüchern hatte. Auch die Idee eines Godzilla vs. King Kong erschien den Verantwortlichen bei Universal wie ein Hirngespinst. Insidern zufolge machte man sich über die offensichtliche Diskrepanz in der Größe beider Ungeheuer lustig. Um ein glaubhaftes Duell zu ermöglichen, müsse King Kong ja so groß sein wie der Empire State Building statt von ihm zu baumeln. Auch hieß es, dass Warner Bros. nicht gewillt war, Godzillas Rechte abzutreten. Die Entscheidung, Kong: Skull Island und damit auch Godzilla vs. King Kong zu Warner Bros. zu schaffen, war die richtige für Tull und Legendary.

Nicht so gut sieht es dagegen bei Pacific Rim 2: Maelstrom aus. Hier wird Warner Bros. nicht aushelfen. Immerhin hat sich das Studio bereits nach Pacific Rim dazu entschieden, kein Sequel zu produzieren. Universal Pictures hat ebenfalls kein Interesse an Pacific Rim 2, da hier kein Gewinn zu holen sei. Und für Tulls Produktionsfirma Legendary ist der erforderliche Betrag zur Finanzierung zu hoch, um ihn selbst zu stemmen. Damit dürfte auch Hellboy 3 Geschichte sein.

Als Universal im vergangenen Jahr den Deal mit Legendary eingegangen ist, bestand die Hoffnung, mit Legendarys Hilfe wieder große Hits zu produzieren, da das Studio ziemlich in der Miese stand. Doch dieses Jahr ist das Jahr Universals, mit Rekordeinnahmen in Höhe von über 6 Milliarden Dollar. Es scheint so, als habe Universal die Hilfe von Tull und Legendary nicht mehr nötig.