Hollywood goes Mecha vs. Kaiju. Guillermo del Toro, einer der wenigen visionären Filmemacher des gegenwärtigen phantastischen Kinos, frönt dem ganz großen Roboter- und Monsterkrawall. Den wenigsten Menschen ist es vergönnt, bunte Kindheitsträume als 180 Millionen US-Dollar teure Spektakel zu verwirklichen. Doch auch Herzblut kann einem die Sinne vernebeln: „Pacific Rim“ ist leider nur ansatzweise eine liebe- und geistvolle Alternative zu „Transformers“ und anderem Zerstörungsirrsinn.

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Neon Genesis Evangelion?

Fünf Jahre sind seit del Toros letztem Film, der wunderschönen Fortsetzung „Hellboy II - Die goldene Armee“, vergangen. Untätig war der mexikanische Regisseur indes nicht. Nach den kraft- und zeitraubenden Vorbreitungen des „Hobbit“-Großprojekts (und seiner schlussendlichen Kapitulation vor den Produktionsschwierigkeiten) sowie der gescheiterten Neuverfilmung von H. P. Lovecrafts „Berge des Wahnsinns“ investierte er alle Restenergie in eine US-Kinoadaption der traditionellen Mecha- und Kaiju-Duelle.

Pacific Rim - Roboter-Kloppe ohne Sinn und Verstand

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Riesenroboter gegen...
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Was augenscheinlich schon in den Trailern an „Neon Genesis Evangelion“ zu gemahnen schien, war ursprünglich als originäres, nicht nach bestimmten Vorbildern schielendes Roboter- und Monsterabenteuer gedacht. Ganz bewusst entschied sich del Toro, seine Jaeger (Kampfroboter mit vertrauter Namensherkunft) gegen gigantische Daikaiju, also Riesenmonster, antreten zu lassen, um konkrete Vergleiche zu Kaijin-Wesen (Humanoiden) und den damit assoziierten Gummianzügen zu vermeiden.

Das Resultat erinnert folglich weniger an NGE oder selige Creature-Action aus Kindheitstagen, als bedauerlicherweise an den üblichen lautstarken CGI-Bombast des aktuellen Blockbuster-Kinos. In dem Versuch eines japanischen Monsterspektakels auf „Hollywoodniveau“ bewegt sich Guillermo del Toro sogar gefährlich nahe am Emmerich-Debakel des 98er-Godzillas: aufgeplusterte Nerd- bzw. Otaku-Fantasien, eingebettet in die Konventionen des Sommerhit-Crowdpleasers. Oder: Wenn die Liebe zu B-Stoffen mit den Gepflogenheiten des A-Filmemachens kollidieren.

Die Jaeger-Roboter in „Pacific Rim“ werden von zwei menschlichen Piloten gesteuert, deren Gehirne aneinander gekoppelt sind (und die dadurch zwei Hirnhälften der gigantischen Kampfmaschine simulieren). Diesen Prozess nennt der Film Drifting, und nur zwischen zwei verwandten oder eng vertrauten Personen ist diese neurologische Bedienung möglich. Nachdem die aus den Tiefen des Pazifiks empor steigenden Riesenmonster von den Jaegern aber nicht länger problemlos bezwungen werden können, geht der Roboter- und Kaiju-Krieg in eine neue Phase.

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...Riesenmonster. Pacific Rim ist eine Mischung aus Godzilla und Transformers.
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Der zuständige Marschall (Idris „Stringer Bell“ Elba) lässt den einst dramatisch verunglückten Ex-Piloten Raleigh Becket (Charlie Hunnam, „Sons of Anarchy“) noch einmal an die Front beordern. Während der leicht verrückte Dr. Newton Geiszler (Charlie Day, „Kill the Boss“) für eine wissenschaftliche Lösung des Problems mit Monsterhirnen experimentiert, muss Raleigh gemeinsam mit der unerfahrenen, ebenfalls traumatisierten Rekrutin Mako (Rinko Kikuchi, „Naokos Lächeln“) gegen eine neue Generation zerstörungswütiger Kaijus antreten.

Enttäuschender Monsterentwurf

So mechanisch und blechern wie die Jaeger sind auch del Toros Ansatz, Erzählstruktur, Figuren. Erstes Battle-Action-Pulver verschießt der Film schon nach wenigen Sekunden, um seine Prämisse dann sogleich von einem redundanten Voice-over vollständig erklären zu lassen.

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Schade... Guillermo del Toro kann eigentlich viel mehr als stumpfsinnige Materialschlachten und flache Charaktere.
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Die Hoffnung, del Toro würde damit vorschnell weniger Interesse am Spektakel, als an einem möglichen anderen Fokus (oder etwa einem neuen Dreh) signalisieren, zerschlägt sich rasch. Emotional hohl, geradezu stereotyp werden Helden und Sidekicks (nervtötend auf Ulk getrimmt: die beiden Wissenschaftler) eingeführt und anschließend zum Abschuss freigegeben.

Nie zuvor, nicht einmal in der Funktion des Franchise-Erfüllungsgehilfen („Blade II“), inszenierte del Toro derart schablonenhafte, stupide menschliche Abziehbilder. Monster- und Metallgetöse dieser Größenordnung scheint interessante, zumindest ansatzweise komplexe Figuren aber offenbar schon kategorisch auszuschließen, um als dauerhafter Schauwert intakt bleiben zu können. Selbst ein so warmherziger Filmemacher wie del Toro mag dem Krawall-Paradigma keine Menschlichkeit zugestehen.

Der Titel ist porno, der Film ist es nicht. Planloser Krawall ohne Herz und Seele – und das ausgerechnet von Guillermo del Toro.Fazit lesen

Die Prämisse aber, sie ist selbst ein Fass ohne Boden. Aus der Idee der über einen Neuronenstrang vernetzten Roboterpiloten macht „Pacific Rim“ nichts, sie bleibt Behauptung und vordergründige Erklärung, um mit Flashbacks und kurzen Einblicken ins Innere der Protagonisten zumindest visuell überhastete Figurenentwicklung nachzureichen. Die Auswirkung dieser Verbindung auf die Fähigkeiten der Roboter bleibt so nebulös wie auch der gesamte Monsterentwurf, aus dem die Kreaturen (eigentlich del Toros Spezialität) fantasielos und einfältig hervorgehen.

Da ist dann die Rede von Kaijus der Kategorien 1 bis 5, aber konzeptionell unterscheiden sie sich allerhöchstens in Nuancen. Ihr grobschlächtiges Design enttäuscht insbesondere im Verweis auf dutzendfach gesehene Gestaltungsmittel wie fluoreszierendes Blut, banale Neon-Kontraste und ein handelsübliches Sounddesign.

Getrickst ist das zwar auf weitgehend ansehnlichem Niveau (Industrial Light and Magic), allerdings zu einem Großteil in die (gern auch schludrige) Unübersichtlichkeit von Nachtszenen und haufenweise digitalem Pyro- und Wassergetöse verlagert.

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Als wär's von Roland Emmerich...
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Game of Thrones“-Komponist Ramin Djawadi dudelt dazu einen austauschbaren, im Wesentlichen aus den üblichen Zimmer-Loops zusammengestückelten Musik-Score, der – wie nunmehr jeder Blockbuster – auch alle zwei Minuten fleißig den Inception-Button inception.davepedu.com/ drückt. Der trübselige Rest erstickt wieder einmal im orangeblauen Colorgrading, das selten so massiv zum Einsatz kam und den akustisch eintönigen Dauerbeschall visuell bestens abrundet. Leider, leider: „Pacific Rim“ ist Guillermo del Toros erster misslungener Film.