Zwei Kreuzzügler verschlägt es ins Reich der Westlichen Xia-Dynastie, um dort einem geschassten Kaiserkind zum rechtmäßigen Thronsitz zu verhelfen. So erzählt es „Outcast – Die letzten Tempelritter“, und dass das historisch ebenso ballaballa wie kein bisschen für großes Kino geeignet ist, kann einem Nicolas Cage herzlich egal sein: Dem Abbau seiner Privatschulden zuliebe spielt er eben auch einen White Savior im China des 12. Jahrhunderts. An Kino, erst recht großem, ist er wohl ohnehin nicht mehr interessiert.

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Erlöser und Prinzessin

Freie Fahrt also für Crazy-Cage, dessen Karriereweg nach Absurdistan allenfalls ins Stocken gerät, wenn ihm hinderliche Qualitätsproduktionen wie „Joe“ dazwischenfunken. Spätestens seit dem christlichen Trash-Spektakel „Left Behind“ scheint klar, dass der Oscarpreisträger noch eine ziemlich lange, von immer neuen unerwartet grausamen Filmen gesäumte Strecke zu bewältigen hat. Doch Fan kann eben nur sein, wer ihm eisern folgt. Und es ist ja nicht so, als würden diese Anstrengungen nicht immer mal wieder auch entlohnt.

Outcast - Die letzten Tempelritter - Nicolas Cage im chinesischen Kaiserreich

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Es steht ein Pferd in der Prärie: Jacob (Hayden Christensen) reitet, Jacob denkt. Nur das mit dem Undercut klappt nicht recht. Gibt vielleicht keine guten Scheren im Kaiserreich.
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Outcast“ (dessen deutscher Verleihtitel natürlich ein peinlich durchschaubarer Versuch ist, das Cage-Publikum zu ködern) vereint durchaus Material, das für ein ganzes „Losing His Shit“-Video auf YouTube reichen würde. Nur beschränken sich die Auftritte des Mega-Acting-Maestros hier auf gerade einmal 20 Minuten. Den großen Rest der Spielzeit muss ausgerechnet Hayden Christensen bestreiten, der sich im Schutzmantel eines vermeintlichen Cage-Vehikels sichtlich unwohl fühlt. Und daher umso mehr auf die emotionale Monotonie jener Rolle zurückgreift, die ihn einst weltbekannt machte.

Sein Vagabund Jacob ist gar nicht so weit entfernt vom adoleszenten Anakin Skywalker. Eigensinnig, racherfüllt und bald auch schrecklich verliebt, beschützt der heimatlose Ritter eine Prinzessin (Liu Yifei) und deren thronberechtigten Bruder, die ihn während ihrer Flucht vor der kaiserlichen Leibgarde um Hilfe ersuchten. Der kriegsmüde Jacob also muss die dynastische Ordnung des Fernen Ostens wieder herstellen, weil die chinesischen Figuren das nicht allein hinbekommen (oder anders: der Film es ihnen nicht zutraut).

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Zugekniffenes Auge = Trauma: Kreuzzügler Gallain hat alles verloren, aber die Perücke sitzt. Einen schönen Urlaub wird er sich in China wohl gegönnt haben, der Nicolas Cage.
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So weit, so doof. Eine geschlagene Stunde lang stolpern der Held und seine Schützlinge nun durch einen Plot, der sich keine einzige dramaturgische Verschlingung, aber ausreichend Langeweile gönnt. Zum Beispiel mit sehr vielen, sehr albernen Kalenderspruchdialogen („Wir alle haben unsere Gewichte zu tragen“). Oder einer zaghaften Romanze zwischen Erlöser und Prinzessin, die zwar nicht an den himmelschreienden Kitsch aus „Star Wars: Episode II“ heranreicht, aber dennoch bizarr-überflüssig ist.

Matschauge als Method-Acting

Derweil wird auch mal ein wenig gekämpft, mit Schwertern, mit Pfeil und Bogen, mit einer heillos umherwackelnden Kamera. Über ausnahmslos alle Actionszenen hat Regiedebütant und Ex-Stuntman Nick Powell jenen Shutter-Effekt gelegt, der zu Zeiten von Steven Spielbergs „James Ryan“ ästhetisch originell gewesen sein mag, dank eines inflationären Einsatzes in zahllosen Billigproduktionen aber längst zum abgegriffenen Klischee geronnen ist. Der konfuse Schnitt erledigt den unansehnlichen Rest.

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Prinzessin Lian (Liu Yifei), zuständig für Liebe und Romantik. Sie darf Hayden Christensen eine gute Padmé Amidala sein, spielt sonst aber natürlich keine Rolle.
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Dann jedoch – endlich – findet Nicolas Cage in den Film zurück, nachdem er bis dato lediglich in einigen Rückblenden zu sehen war. Als Jacobs früherer Trainingsmeister und Kreuzritter-Kumpan (kurz: als mittelalterlicher Obi-Wan Kenobi) war Gallain dem Helden einst ein wichtiger Begleiter, ehe sich die gemeinsamen Wege trennten. Schwer verletzt landet Jacob nun in einer Waldhöhle, die vom mittlerweile arg runtergerobbt dreinschauenden Gallain bewohnt wird.

Während der nachfolgenden 20 Minuten ist „Outcast“ tatsächlich so etwas wie ein Meisterwerk des Wahnsinns. In der ihm eigenen „Hoppla, hier komm ich“-Manier reißt Nicolas Cage das Geschehen zumindest für einen kurzen Moment vollständig an sich. Er tritt auf als „Weißer Geist“ – die Arme von Schlangen umwickelt, das Haupthaar mit Zauselperücke überdeckt – und lacht, kreischt, flucht sich aus unerfindlichen Gründen durch eine Rolle, die nicht den geringsten Sinn ergibt, aber doch pure Crazy-Cage-Essenz ist.

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Wenigstens einer, der abliefert: Nicolas Cage hat nur magere 20 Minuten Screentime, aber die nutzt er vorzüglich. Material für viele neue YouTube-Supercuts garantiert.
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Weil Mentor Gallain zudem einseitig erblindete, darf Cage seine Kinski-Performance noch durch ein besonders albernes schauspielerisches Detail abrunden. Um dieses Handicap nämlich so darstellen zu können, dass es selbst unaufmerksamsten Zuschauern keinesfalls entgeht, setzt Cage auch noch ein Piratengesicht auf: Er verzieht und –renkt die Miene derart demonstrativ, als handele es sich hierbei nicht etwa um groteskes Bauerntheater, sondern – also doch! – ganz großes Kino.

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Vielleicht aber ist diese Gesichtsdisco auch als ironischer Wink zu verstehen. Das man eben schon mindestens ein Auge zukneifen müsse, um wieder einmal einen weiteren ziemlich schrecklichen Cage-Film ertragen zu können. Und dass ein Ende noch lange nicht in Sicht ist: An der Seite von Veronica Ferres (!) und unter der Regie des konsequent unberechenbaren Uli Edel („Zeiten ändern Dich“, ja, der Bushido-Film) hat Nicolas Cage kürzlich den Thriller „Pay the Ghost“ abgedreht. Es ist einfach toll, sein Fan zu sein.