Ein Mann kommt aus dem Gefängnis. Sein Bruder hat derweil in Übersee gedient und Dinge gesehen, die ihn gebrochen haben. Um über die Runden zu kommen, nimmt er an Bare-Knuckle-Fights teil. Als er getötet wird, macht sich sein Bruder daran, den Täter zu suchen, um ihn zur Rechenschaft zu ziehen.

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Das klingt nach einem knackigen Actionfilm, Güteklasse B, gerne mit alten Genre-Stars oder frischem Blut besetzt. Das hört sich an wie ein Film, der „Out of the Furnace“ auf jeden Fall nicht ist. Obwohl er genau diese Geschichte erzählt, aber er legt die Gewichtung gänzlich anders.

Out of the Furnace - Auge um Auge - Christian Bale auf Mörderjagd

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'Out of the Furnace' heißt in Deutschland 'Auge um Auge'.
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Christian Bale ist Russell, der Mann, der ins Gefängnis kam. Ein guter Mann, der dadurch alles verliert, was letzten Endes auch für seinen Bruder, den von Casey Affleck gespielten Rodney gilt. Während Russell versucht, sein Leben auf die Reihe zu bekommen, aber damit zu kämpfen hat, dass ihn seine Freundin verlassen hat und nun mit einem Polizisten zusammen ist, rutscht Rodney immer tiefer ab. Er drängt einen Kumpel, einen Kampf zu arrangieren, bei dem sich mehr Geld machen lässt. Doch der Kampf läuft nicht gut, zwischen den Veranstaltern kommt es zum Knatsch. Am Ende sind Rodney und sein Kumpel tot.

Als Russell davon erfährt, kann er das nicht der Polizei überlassen. Weil er weiß, wie die Menschen in den Bergen sind. Die reden nicht mit der Polizei. Wenn er Gerechtigkeit – Vergeltung – will, muss er selbst dafür sorgen.

Mehr Drama als Thriller

Scott Coopers Film ist sehr langsam erzählt. Besonders in der ersten Stunde gestaltet er sich mehr wie die Milieustudie einer Gesellschaft, die mal Mittelstand war, aber den wirtschaftlichen Verwerfungen im Land zum Opfer gefallen ist. Das ist es vermutlich auch, was Christian Bale angesprochen hat. Er darf hier einen Menschen porträtieren, dessen Schicksal sich in Sekundenbruchteilen entscheidet.

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Zoe Saldana als Lena Taylor.
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Es ist eine Schlüsselszene am Anfang, als Bales Figur mit dem Auto fährt, ein Unfall unvermeidlich ist, und dramatisch endet. Er bringt Russell ins Gefängnis. Wie lange er dort ist, kann man nur spekulieren. Weswegen er genau verurteilt wurde, ist auch diffus. Denn Cooper gestaltet den Unfall so, dass er nicht vermeidbar gewesen wäre. Der Bremsweg ist schlichtweg zu kurz.

Eher auslaugendes Drama als aufregender Thriller. Dieser Film ist betont langsam erzählt, lebt dafür jedoch von seinen exzellenten Darstellern.Fazit lesen

Es ist ein Schicksalsmoment, nach dem nichts ist, wie es mal war. Das ist die Quintessenz dessen, was einen Unfall auszeichnet. Wenn man Pech hat, wirft er jedes Leben, das er berührt, aus der Bahn. Man könnte ihn angesichts des rauen, authentischen Films auch metaphorisch sehen. Der Unfall ist das, was den Amerikanern im Zuge der Finanzkrise zugestoßen ist. Sehenden Auges konnten sie nichts mehr tun. Nur doch aufschlagen und danach die Scherben zusammenfegen, wohlwissend, dass nichts mehr ist, wie es war.

Vielleicht würde man damit zu viel in den Film hineindeuten, aber dadurch eröffnet sich zumindest eine weitere Erzählebene, die durchaus zu gefallen weiß. Zudem hilft die Lesart über die sprunghaften ersten Minuten hinweg. Denn Cooper erklärt ein bisschen zu wenig. Es ist okay, sich darauf zu verlassen, dass der Zuschauer intuitiv erkennt, was passiert, aber ein zeitlicher Rahmen wäre schon ganz gut gewesen.

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Regie führte Scott Cooper (Crazy Heart).
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Die Rache ist mein

Auch in der zweiten Hälfte des Films entwickelt sich dieser nicht zum Actionstreifen mit kompromisslosem Rächer, der dem Übeltäter (mal wieder schön widerlich: Woody Harrelson) den Garaus machen will. Cooper denkt gar nicht daran, das Tempo seines langsam erzählten Films anzuziehen. Langsamkeit ist eine Zier, sie täuscht Bedeutungsschwere vor, wirkt hier aber bisweilen erdrückend. Denn einerseits hat man einen Film, der versucht, authentische Milieuschilderung zu sein, andererseits verlässt er den Bereich der Authentizität, wenn er Vigilantentum zeigt. Das mag zwar hier und da auch im wahren Leben passieren, wirkt im Film aber dennoch nicht völlig organisch.

Dementsprechend ist das Finale erstaunlich ungewöhnlich. Man muss es nicht verraten, die meisten werden sich aber sicherlich denken können, wer die Oberhand gewinnt. Bemerkenswert ist dabei nur, dass der Film es schafft, diese potenziell dramatische Szene einer Arthaus-Kur zu unterziehen. Aber eines muss man dem Film lassen: Diese letzten Minuten sind kraftvoll inszeniert.

Nur das Schlussbild lässt dann wieder rätseln. Cooper erwartet erneut, dass der Zuschauer den Zwischenraum auffüllt und sich selbst erklärt, was zwischen diesen beiden Szenen passiert. Es mag auf dem Papier gut ausgesehen haben, als Film wirkt es jedoch unentschlossen.