Wäre man zynisch, könnte man behaupten, dass hinter „Only Lovers Left Alive“ ein veritabler Plan stand. Arthaus-Legende Jim Jarmush wolle sich einen Hit zimmern, so könnte man meinen. Einerseits wird das populäre Vampirthema aufgegriffen, andererseits hat er mit Tom Hiddleston einen Hauptdarsteller, der als Loki die Fans in Verzückung versetzt.

Der Gedanke liegt also nahe: Mit Thema und Darsteller lassen sich Leute ins Kino locken, mehr als die Gruppe, die ohnehin für einen Jarmush-Film dorthin gehen würde. Ob das Kalkül aufgeht?

Vielleicht, aber eines ist auch klar: Dieser sperrige Film wird den Vampir- und Hiddleston-Fans alles abverlangen, denn „Only Lovers Left Alive“ ist alles andere als das, was man sich bei diesem Thema vorstellen würde.

Adam (Tom Hiddleston) und Eve (Tilda Swinton) sind uralte Vampire, die seit vielen Jahren einander lieben. Gerade leben sie wieder getrennt, er in Detroit, sie in Tanger. Doch da es ihm nicht gut geht und er sogar darüber nachdenkt, seiner Existenz ein Ende zu setzen, kommt Eve zu ihm.

Adam macht zu schaffen, dass er ein Musiker, ein Künstler ist, dessen Werk praktisch nicht gehört wird. Einst gab er Schubert eines seiner größten Werke, nur damit es auch endlich mal ein Publikum finden kann. Damit ist er längst nicht allein, auch der wahre Künstler hinter Shakespeares Werken konnte selbst nicht von seinem Ruhm zehren.

Im 21. Jahrhundert ist das Vampirdasein eine öde Angelegenheit. Sie leben zurückgezogen und trinken Blut, das Ärzten abgekauft wird. Nicht nur, weil das Jagen insofern problematisch ist, da man heutzutage nicht mehr so leicht Leichen entsorgen kann, sondern weil viele Menschen auch kontaminiert sind. Ihr verdrecktes Blut stellt eine Gefahr dar – und so leben Adam und Eve vor sich hin, bis Eves Schwester Ava (Mia Wasikowska) kommt und ihr Leben aus den Fugen gerät.

Am Thema vorbei: Dröges Vampirdrama ohne Biss. Eine blutleere Geduldsprobe für jeden, der sich hier ins Kino verirrt.Fazit lesen

Dem Gras beim Wachsen zusehen

Mehr als zwei Stunden Laufzeit hat dieses Epos, das für den Zuschauer eine Geduldsprobe darstellt. Jarmush ergeht sich in elendig langen und absolut nichtssagenden Dialogen, die Bedeutungsschwere vortäuschen sollen, aber einfach nur inhaltsleer sind. Er hat nichts zu sagen, weder zum Thema noch zu seinen Figuren.

Allenfalls könnte man die Hauptfigur Adam noch als Alter Ego für den Regisseur interpretieren, der es leid ist, sein Werk den Zombies – so nennen die Vampire die Menschen – vorzuführen, aber ein gutes Licht würde diese Lesart auch nicht auf den Filmemacher werfen.

„Only Lovers Left Alive“ zeigt, dass Zeit tatsächlich relativ ist. Diese zwei Stunden fühlen sich ewiglich an, sie scheinen nicht enden zu wollen. Bei anderen Filmen vergehen sie wie im Flug.

Null Chemie

Dass Adam und Eve sich lieben, wird zwar behauptet, spürbar ist es aber nicht. Das liegt zum Teil auch an der nicht vorhandenen Chemie zwischen Hiddleston und Swinton, die locker seine Mutter sein könnte. Erweitert gilt dies auch für Wasikowska, die im Zusammenspiel mit Swinton sehr blass bleibt. Ja, man möchte sogar sagen, dass die Figuren allesamt blutleer agieren.

Es liegt aber nicht nur an der mangelnden Chemie. Das Drehbuch, das so gerne etwas von Bedeutung ausdrücken würde, lässt die Figuren im Stich. Sie sind Schablonen, Vampire aus der Klischeekiste, noch jammervoller, als es Louis in „Interview mit einem Vampir“ je gewesen ist.

Leblos

Ein bisschen Leben in den Film kommt, als Mia Wasikowskas Figur auftaucht und für ein Minimum an Konflikt sorgt. Aber auch das ist schnell wieder vorbei, woraufhin noch eine lange Zeit elegischer Einstellungen (darunter Jarmushs so geliebtes Fahren durch die Nacht) kommt und alle Hoffnung, der Film möge bald enden, zerstreut.

Dass es inmitten von Detroit Gruben mit Säure gibt, in denen man bequem Leichen verschwinden lassen kann, ist nur ein Element des Skripts, das aufzeigt, wie hier gearbeitet wurde: Wenn es in den Kram passt, dann wird es eingebaut, ungeachtet dessen, ob es sinnvoll ist.

Zu viel erwarten sollte man aber ohnehin nicht, denn auch wenn es einen Toten gibt, in irgendeiner Form gruselig oder spannend ist das nicht. Was Jarmush hier präsentiert, ist das langweilige Leben Unsterblicher. Es ist fast so, als würde man einer Big-Brother-Version der Untoten zusehen.