„On the Road“ – das ist nicht nur ein Roman, sondern auch verklausulierte Lebensgeschichte von Jack Kerouac. Er hat die Namen geändert, doch die Menschen aus seinem Leben beibehalten. Er hat Ortsbeschreibungen geändert, aber das ist nicht wirklich von Belang. Was er geschrieben hat, ist eine der großen Hymnen auf die Freiheit, aber auch eine Geschichte, die davor warnt, dass man durch eben diese Freiheit umkommen kann.

Der Film erzählt die Geschichte von „On the Road“ und zugleich auch die Geschichte, wie dieses Buch entstanden ist. Walter Salles‘ Film ist Biopic und Roman-Adaption zugleich. Ein großer Film, ein großes Drama, aber nicht ganz leicht verdaulich.

Es ist das Ende der 40er-Jahre. Der Krieg ist vorbei, die Beat-Generation reckt ihr Haupt und Amerika beginnt sich langsam zu verwandeln. Sal Paradise ist ein junger Mann, der bestens mit Carlo Marx befreundet ist. Letzterer möchte Poet werden, Ersterer einen großen Roman schreiben. Doch der Weg zum Ziel ist steinig, als beide den Freigeist Dean Moriarty kennen lernen, der weniger ein Poet als vielmehr eine Inspiration für sie alle ist, aber von seinen eigenen Dämonen gehörig auf Trab gehalten wird.

Dean ist charismatisch, ein Mann, in dessen Gesellschaft man gerne ist. Das gilt sowohl für Sal und Carlo als auch für Marylou, die ihn heiratet, und Camille, die von ihm ein Kind erwartet. Letzten Endes ist er aber auch ein Getriebener. Ein Mann, der die Langeweile des Lebens kaum erträgt, der ruhelos von einem Ort zum anderen zieht, eine Beziehung nach der anderen hat, in einem Job nach dem anderen arbeitet und immer, immer gelangweilt ist. Dann bricht er aus und lässt zurück, was ihm lieb ist.

Sal folgt Dean auf seinen Reisen, auf die Straße, quer durch den Kontinent, zu den unbekanntesten Ecken des Landes, doch auch dies ist eine Reise, die irgendwann enden muss – ob man will oder nicht.

On the Road - Unterwegs - Mit Kristen Stewart unterwegs

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Eine Geschichte mitten aus dem Leben.
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Schnurstracks mäandern

Für den brasilianischen Regisseur ist „On the Road“ ein Projekt aus Leidenschaft. Es zeichnet für ihn den absoluten Freiheitswillen aus – etwas, das es in der Militärdiktatur, in der er in den 70ern lebte, nicht gab. Vielleicht auch deswegen sprach Kerouacs Roman so sehr zu ihm. Und vielleicht macht ihn das auch zum perfekten Regisseur für diesen Stoff, der alles andere als leicht umzusetzen ist.

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Denn „On the Road“ folgt nicht wirklich einer stringenten Geschichte. Anders als die Straßen, auf denen Dean mit Karacho dahinheizt, sind die narrativen Wendungen des Films stark ineinander verschlungen. Was man erlebt, ist weniger eine Geschichte, wie sie Hollywood schreiben würde, sondern eine, wie sie das Leben geschrieben hat. Ohne echten Anfang, ohne echtes Ende, mit vielem, was dazwischen passiert.

Weniger eine Geschichte als vielmehr aus dem Leben gegriffen. Ansprechende Verfilmung von Jack Kerouacs berühmtestem Roman.Fazit lesen

Salles musste in langjähriger Zusammenarbeit mit seinem Autor Jose Rivera Erzählstränge, Momente, Details entfernen. Ein Film, auch einer mit 137 Minuten Laufzeit, kann einen Roman nicht zur Gänze wiedergeben. Was er jedoch kann, ist die Essenz aufnehmen und sie so zu wandeln, dass sie in einem neuen Medium authentisch ist. Das ist „On the Road“ gelungen.

Wie ein junger Marlon Brando

Die deftigste Rolle des Films ist die von Dean Moriarty. Gespielt wird sie von Garrett Hedlund, der bei „Tron: Legacy“ noch nicht erahnen ließ, dass er ein echtes schauspielerisches Schwergewicht ist. Er ist der Motor dieser Geschichte, die treibende Kraft und auch das traurige Beispiel dafür, dass ein Zustand der permanenten Langeweile und der Wunsch, Menschen und Umgebungen zu ändern, einen hohen Preis kosten können. Das Schlussbild seiner Figur, gleichbedeutend auch mit den letzten Worten des Romans, rührt zu Tränen.

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Es wartet ein nicht so leicht zu verdauendes Drama.
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Kerouacs Alter Ego Sal wird von Newcomer Sam Riley („Brighton Rock“) mit wortgewaltigen Monologen gespielt. Carlo – im wahren Leben Allen Ginsberg – ist Tom Sturridge („Radio Rock Revolution“), der selbst James Franco, der den wilde verbale Bilder malenden Poeten in „Howl“ gespielt hat, im direkten Vergleich alt aussehen lässt.

Gleiches gilt übrigens für die Filme, denn wo „Howl“ zwar interessantes, aber sperriges Experimentalkino ist, ist „On the Road“ in seiner Essenz Bild einer Generation, das erstaunlich aktuell ist. In Zeiten von Finanzkrisen und zerstörten Hoffnungen gebärdet sich „On the Road“ als Fanal einer jungen Generation, die frei von systemischen Hindernissen sein will.

Übrigens: Kristen Stewart zeigt als Deans junge Frau tatsächlich, dass sie mehr kann, als ihrem Beau im Kino schmachtende Blicke zuzuwerfen.