Filme. Filme sind die Möglichkeit, den Grenzen des eigenen Verstands zu entkommen. Die Fantasie mit Farben ausmalen und mit Tönen unterlegen. Neue Welten entdecken. Seien es fantastische Orte, unbekannte Dimensionen der vollen Gefühlspalette oder das harte, nackte, graue Leben selbst. Filme nehmen uns mit, lassen uns zurück und begleiten uns für immer. Und mittendrin in diesem Wirrwarr aus tausend und einem Genre, verstecken sich die Kiffer-Komödien. Und ich frage euch: hat die Filmkunst so etwas verdient?

Hier und da ein Schmunzler. Dort und sonstwo ein müdes Lächeln. Wer nicht selbst ein Freund von Marihuana und seiner Wirkung ist, versteht die satirischen Anspielungen nicht. Und wer sie versteht, verfällt oft dem Fremdschämen, weil die dargestellten Personen meist die unterste Stufe der Leiter darstellen, auf der man selber sitzt. Weiter oben. Verwundert... Und wer sich fredmschämt amüsiert sich nicht. Eine einfache Rechnung, der viele Filmemacher jedoch bis heute nicht viel Bedeutung zukommen lassen.

Und trotzdem fluten Komödien über „Menschen“ den Markt, die so weit neben dem Leben stehen, dass sich Mitleid und Ärger die Klinke in die Hand geben. Versager, über die wir lachen sollen. Die aber augenscheinlich glücklich sind und den Frust der Mitmenschen nicht verstehen. Immer drauf und immer noch einen Zug aus der Bong. Sie sind meist Mitte dreißig, vergessen vor dem Pinkeln, den Klodeckel hochzuklappen und können einen Kuhfladen nicht von einem Rührei unterscheiden. Aber sie sind happy. Und wir sind es auch. Weil wir so schön über sie lachen können... Oder?!

Oliver, Stoned. - Sind Kiffer die besseren Menschen?

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Der Film erscheint am 20.03.2015 auf Blu-ray und DVD.
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Oliver ist stoned. Mal wieder und immer noch

Einer dieser lustigen Menschen, die bereits aus Langweile zu kiffen scheinen und in ihrem eigenen Dreck leben, ist Oliver. Oliver arbeitet bei seinem Vater in der Autowäscherei und ist immer dicht. Er kifft zu Hause. Er kifft unterwegs. Er kifft in den Autos seiner Kunden. Wahrscheinlich kifft er auch unter der Dusche, auf dem Klo und bei der Beerdigung seiner Großmutter. Und natürlich wird er von seinen Mitmenschen völlig falsch verstanden.

Zum Glück ist das aber nicht weiter wichtig. Denn jeder Charakter, der ihn und seine ebenfalls kiffenden Kumpels anprangernd, wird sowieso als völlige Fehlzündung der menschlichen Schöpfung dargestellt. Sein Vater ist in den 80ern hängen geblieben und wäre lieber 'cool' und 'hip'. Seine Stiefmutter ist ein geldgeiles Miststück und die weibliche Hauptrolle nervt bis zur Unendlichkeit. Bis sie mit dem Kiffen anfängt, danach ist sie ein netter Mensch.

Packshot zu Oliver, Stoned.Oliver, Stoned.

Ihr seht vielleicht worauf das hinausläuft. Liebenswerte Kiffer mit dem Herz am rechten Fleck und eine Gesellschaft, die es niemals lernen will. Dazwischen ein Haufen von Leuten, die den Kopf schütteln und sich quasi mit keiner Seite identifizieren können. Und ganz weit hinten, quasi am Rand, die Kritiker, die versuchen einen Film zu bewerten, der etwas sein will, was er eindeutig nicht ist und etwas sagen will, dass ihm eindeutig nicht über die Lippen kommt.

Oliver, Stoned. - Sind Kiffer die besseren Menschen?

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Kiffer sind Versager. Nicht-Kiffer sind Versager. ALLE sind Versager.
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Kiffen, Kiffen, nyamm, nyamm, nyamm

Projekt: „Kiffer sympathisch darstellen“: error. Projekt: „Kiffer unsympathisch darstellen“: error. Projekt: „Irgendeine Aussage treffen, ob nun pro oder contra oder halt irgendwas“ error“. Projekt: „Dann doch wenigstens witzig sein“: error.

Es hilft leider nichts. Die Witze in „Oliver Stoned“ sind nicht witzig und die Aussage, die der Film treffen möchte, ist nicht aussagekräftig. Die Figuren sind Schablonen, die aus zwei verschiedenen Kästen stammen. Die „Kiffer“ werden so dargestellt, wie der gemeine Bürger sie sich vorstellt. Und alle anderen so, wie sich der gemeine Kiffer ein Bild zu machen glaubt. Was in Sachen Bezug noch übrig bleibt, ist der einzige Wunsch, der uns alle vereint: lachen.

Weitestgehend unlustig und hauptsächlich ein Grund zum Fremdschämen.Fazit lesen

Aber auch hier – wir haben es bereits angeschnitten – wurde nicht einmal halbe Arbeit geleistet. Die Odyssee eines Kiffers, der einen gestohlenen Wagen zu finden versucht und dabei die Liebe seines Lebens und jede Menge schräger Vögel kennen lernt, besteht hauptsächlich aus abstrusen Begegnungen und flachen Gras-Witzen. Wenn das der Humor ist, den man durch Marihuanakonsum bekommt, dann haben wir soeben den wahren Grund für die Illegalisierung des Rauschmittels gefunden...

Seth Cassell ist auch stoned

Die Schauspieler machen im Grunde ganze Arbeit. Sie sind nämlich so hölzern und neben der Spur, dass man tatsächlich das Gefühl bekommt, sie wären breit wie ein Fahrradweg. Ob das nun auf der Pro- oder auf der Contra-Seite zu verbuchen ist, entzieht sich unserer Kenntnis. Auf jeden Fall ist es über weite Strecken eine traurige Angelegenheit und weckt im Zuschauer den Wunsch, genauso weggetreten zu sein, wie die Figuren im Film. Weniger realisieren bedeutet in diesem Fall glücklich sein.

So ist auch dieser Film genau das, was in der Einleitung angesprochen wurde. Ein Streifen, der im Grunde anmutet wie „Von Kiffer, für Kiffer“ aber nicht sympathisch genug ist, um das auch zu unterschreiben. Alle anderen formen aus ihren Gesichtszügen ein Fragezeichen und greifen zur Flasche. Meine Drogen, deine Drogen. Aber wir gucken uns auch keine Trinker-Komödie an, wo der betrunkene, verplante und durchweg nervige Hauptcharakter, von Freaks und Ausschuss der Gesellschaft umgeben ist, um selbst wie der einzig vernünftige Mensch zu wirken, während er lallend gegen eine Kirche pinkelt und in sein Mittagessen würgt...