Über Jahre hinweg haben verschiedene Filmemacher in den USA versucht, ein Remake von Park Chan-wooks „Oldboy“ zu stemmen. Verschiedene Stars waren interessiert, zum Zug kamen nun Spike Lee und Josh Brolin. Nach Sichtung bleibt vor allem eine Frage: Wozu?

Oldboy - Teaser Trailer2 weitere Videos

Nichts am Remake kann dem Original das Wasser reichen, in keiner Weise sind die kleinen Veränderungen irgendwie bedeutsam oder würden die Geschichte vertiefen. Wenn überhaupt, dann ist die einzige Existenzberechtigung von Spike Lees „Oldboy“, dass er Zuschauer, die noch nichts davon gehört haben, auf das weitaus bessere südkoreanische Original aufmerksam macht.

Oldboy - Hier gibt’s nichts zu sehen. Weitergehen! Weitergehen!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 5/81/8
Das Remake hält sich nah ans Original, kann aber in keinem Punkt mit ihm mithalten.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Joe Doucett (Josh Brolin) wird auf offener Straße entführt. Er findet sich in einem Gefängnisraum wieder, der wie ein Motelzimmer gestaltet ist. Niemand spricht mit ihm, keiner sagt ihm, warum er hier ist. Jeden Tag erhält er das gleiche chinesische Essen. Sein einziger Ausblick in die Welt ist das Fernsehprogramm.

20 Jahre verbringt Joe in dieser Isolationshaft. Er versucht, sich umzubringen, hat jedoch keinen Erfolg. Schließlich schwört er dem Alkohol ab und stählt seinen Körper. Er will überleben und denjenigen zur Rechenschaft ziehen, der ihm das angetan hat. Zugleich schreibt er Dutzende Briefe an seine Tochter, die er – so hofft er – ihr eines Tages geben kann, damit sie ihn versteht und ihm verzeiht, erfährt er doch durch das Fernsehen, dass seine Ex-Frau ermordet wurde und man ihn für den Täter hält.

Nach 20 Jahren wird Joe endlich freigelassen. Er findet Geld und ein Handy in seinen Sachen – und ein Ultimatum. Sein Feind erwartet, dass er innerhalb der nächsten 84 Stunden zwei Fragen beantworten kann: Wer bin ich, und warum habe ich dich eingesperrt?

Kaum was neu, aber schlecht

Mark Protosevich hält sich in seinem Drehbuch sehr nahe ans Original. Nur in Details weicht er von der Geschichte ab. Immer dann, wenn er es tut, verliert der Film an Substanz. Das zeigt sich besonders deutlich am weichgespülten Ende, das die bittere Konsequenz des Originals vermissen lässt. Stattdessen gibt es ein moralisches Ende, das zum Rest der Geschichte nicht passen mag.

Packshot zu OldboyOldboy

Damit nicht genug, auch die Begründung, wegen der an Joe Rache genommen wird, wurde verändert. Aber das nicht zum Vorteil. Eher wirkt es so, als hätte Protosevich nichts zu sagen, da er nur eine Variation des Bekannten liefert.

Oldboy - Hier gibt’s nichts zu sehen. Weitergehen! Weitergehen!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 5/81/8
Nach 20 Jahren in Isolationshaft wacht Joe in einer Kiste auf.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Dabei wären Veränderungen durchaus wichtig gewesen, aber sie hätten auch Bedeutung haben müssen. Die Schönheitskorrekturen, die im Grunde nur dazu da waren, die Brisanz des Originals ein wenig zu entschärfen, tragen nichts zur Wirkung des Films bei. Um ein erfolgreiches Remake zu gestalten, hätte man sich weiter von der Vorlage entfernen müssen, um so eine eigenständige Geschichte zu finden, die es wert ist, erzählt zu werden. So, wie es sich jetzt darstellt, ist der einzige Wert von „Oldboy“, dass ihn Amerikaner nun ansehen können, ohne Untertitel lesen zu müssen. In Deutschland gilt noch nicht mal das, da der südkoreanische Originalfilm eine exzellente Synchronisation besitzt.

Ein zahmer Kampf

Eines der Highlights des Originals ist der Kampf der Hauptfigur mit einem Hammer gegen Dutzende Angreifer. Diese Sequenz wird auch von Spike Lee kopiert, allerdings weit weniger intensiv und eindringlich. In der amerikanischen Version lässt diese Sequenz die Deutlichkeit vermissen. Josh Brolin gerät fast zum Superhelden, so leicht steckt er die Schläge mit Holzprügeln ein. Wenn er den Spieß jedoch umdreht, gehen seine Gegner in Nullkommanichts zu Boden. Im Original wirkt der ungleiche Kampf deutlich authentischer, grimmiger, bodenständiger.

Uninspiriertes Remake, das als fader Abklatsch des Originals Langeweile verbreitet.Fazit lesen

Aber das gilt letzten Endes für den gesamten Film. Denn Spike Lees Werk geht schon nach wenigen Minuten die Puste aus. Die ersten ein, zwei Akte sind überzeugend, danach verfällt der Film in Trott.

Oldboy - Hier gibt’s nichts zu sehen. Weitergehen! Weitergehen!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 5/81/8
Die Schauspieler sind allesamt unterfordert.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Auch die Darsteller können da nichts mehr retten. Josh Brolin müht sich und ist das Beste am Film, an die desolate Performance von Choi Min-sik reicht er nicht heran. Elisabeth Olsen, die mit „Martha Marcy May Marlene“ zeigte, dass sie mehr kann, ist hier schlichtweg verschwendet. Und Sharlto Copley als rachsüchtiger Drahtzieher des Ganzen erscheint vollkommen überzogen. Was Samuel L. Jackson an seiner Rolle gereizt hat? Vermutlich die Gage, denn schauspielerische Herausforderungen stellen sich ihm hier nicht.

Nicht einmal die Folterszene, die im Original so verstörend war, gerät hier eindringlich, was nicht nur an Jacksons überdrehtem Spiel, sondern auch Protosevichs lahmem Drehbuch liegt.