Einhundertprozentig ausgeschöpfte Hirnkapazität: maximale Lernerfolge binnen kürzester Zeit, komplexe Sachverhalte, die wie Fingerübungen erscheinen, ungeahnte Karrierechancen. Ein Leben wie aus dem Vollen geschöpft, auf der absoluten Überholspur.

NZT macht es möglich, die leistungssteigernde Droge verschafft dem menschlichen Gehirn neue Möglichkeiten. Wer sie nimmt, kann es in wenigen Stunden zum Bestsellerautor bringen, hochkomplizierte Pianopartituren erlernen oder durch außergewöhnliches Geschick Millionen an der Börse umsetzen.

Mit dieser faszinierenden und ebenso attraktiven wie unheilvollen Idee spielte Alan Glynns 2001 erschienener Erstlingsroman „Stoff“, den Regisseur Neil Burger jetzt zu einem fiebrigen visuellen Wahrnehmungsrausch verarbeitet hat.

Ohne Limit - Alles beginnt mit einer Pille

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Vom erfolglosen Künstler zum Energiebündel: Bradley Cooper.
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Alles beginnt mit einer Pille

„Ohne Limit“ erzählt zunächst einmal die alte Geschichte vom erfolglosen Künstler. Eddie Morras (Bradley Cooper) ist Schriftsteller, er lebt in einer heruntergekommenen Bruchbude und verzweifelt an seinem noch nicht einmal begonnenen Buch. Seine Freundin hat ihn abserviert und sowohl Verleger als auch Vermieter sitzen ihm im Nacken - so weit die übliche unglückliche Autorenchose. Als Eddie zufällig auf seinen Ex-Schwager trifft, gibt dieser ihm eine neue Droge, die noch nicht auf dem Markt erhältlich sein und anders als alle bisherigen Rauschmittel wirken soll. Wenig beeindruckt und eher skeptisch nimmt Eddie die Pille in einer unüberlegten Situation ein.

Von einem Moment auf den nächsten macht der Schriftsteller eine enorme Wandlung durch. Er fühlt sich schlagartig energetisch, selbstbewusst, potent. Voller Tatendrang bringt er seine Wohnung auf Vordermann, beendet in wenigen Stunden seinen Roman und verwandelt sich vom erfolglosen Loser zum smarten Dandy. Als Eddie Nachschub benötigt, findet er seinen Freund in dessen Wohnung ermordet vor.

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Ungeachtet der möglichen Hintergründe lässt er eine ganze Tüte NZT mitgehen und setzt seinen Dauerrausch hemmungslos fort. Doch die Droge erzeugt Black-outs und Erinnerungslücken: Auf seinem plötzlichen Erfolgsweg zum Wall-Street-Ass hat Eddie es mit undurchsichtigen Firmenchefs, einer gefährlichen Gangsterbande und schließlich rätselhaften Mordfällen zu tun.

Ein Film wie ein Rausch

Was erst einmal einen nur allzu konventionellen und moralischen Eindruck macht, schlägt im Verlauf der Handlung ein Dutzend unerwarteter Haken. Die zunächst noch geradlinige Geschichte des Films löst sich mehr und mehr in eine streng subjektive Erzählperspektive auf. So, wie Eddie unvermittelt in sein vollkommen absurdes Drogenleben stürzt, muss ihn der Zuschauer auf diesem Weg begleiten.

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Mithilfe der Droge startet der Schriftsteller richtig durch.
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Seine privaten und beruflichen Erfolge durchleben wir gemeinsam mit ihm, die Wahrnehmungslücken gerinnen auch für uns zu unerklärlichen Auslassungen. „Ohne Limit“ zwingt sein Publikum zur Co-Abhängigkeit: Einem Trip gleich inszeniert Burger den Film als intensiven Fiebertraum, dem man kaum vertrauen und dennoch nur erliegen kann.

Dies ist einer der verrücktesten, originellsten und wagemutigsten Hollywood-Filme seit Jahren. Irgendwo zwischen „American Psycho“ und „Fight Club“ ist er Satire auf den Modern Way of Life, überdehnte Gesellschaftsutopie oder auch hemmungsloser Kommentar zur Wirtschaftskrise. Er karikiert den Erfolgsdruck der Managerwelt und die Klischees einer sogenannten schnelllebigen Zeit, er ist der ironische Ausdruck eines geistigen Stillstands.

Das alles sind Plattitüden, aber „Ohne Limit“ erklärt sie fast radikal heruntergebrochen zum unwirklichen Rauschzustand und stellt sie zugleich implizit infrage. Unbekümmert schickt er seinen Protagonisten und den Zuschauer auf einen (Ego-)Trip, der keine Grenzen kennt. Man kommt aus diesem Film getorkelt, als sei man zwei Stunden lang unbemerkt auf NZT gesetzt worden.

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Und einen schicken Anzug gibt's obendrauf.
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Neil Burger spielt für die Erschaffung eines subjektiven Amphetaminrauschs alle handwerklichen Karten aus. Eddies Blick bestimmt den Film, sein Empfinden wird zur übergeordneten ästhetischen Perspektive. Entsprechend energiegetrieben ist Burgers Regie, geradezu entschlossen folgt er seinem Konzept. Dazu zählen sowohl durchsichtige stilistische Merkmale, wie beschleunigte Zooms oder eine klare visuelle Unterscheidung zwischen nüchternem und bewusstseinserweiterten Zustand des Protagonisten, als auch subtile und diffizile Spielereien mit Schnittfolge und Sounddesign.

Meisterhafter Drogenthriller, der keine Konsequenzen scheut. Kino als unerbittlicher Rausch - Geheimtipp!Fazit lesen

Burger gelingt es, die zusehends bewusst unlogische Handlung zu kaschieren, indem er mehrere Ebenen überlagert und Objektivität negiert. Weil er damit letztlich eine eindringliche Drogenwahrnehmung simuliert, kommt es auch zu keiner Diskrepanz zwischen der vollgepumpten Erzählfigur und ihrer innerfilmischen Umwelt.