Schon im Vorfeld des Kinostarts seines zweiteiligen Films gab Lars von Trier bekannt, dass es später auch noch einen Director’s Cut geben würde. Was im Kino lief, war nur eine autorisierte Fassung. Der Director’s Cut liegt nun auf DVD und Blu-ray vor. Im Vergleich zur Kinofassung hat er annähernd 90 Minuten neues Material zu bieten. Das erste Volume wird um etwa 30 Minuten erweitert, das zweite Volume um etwa eine Stunde.

Nymphomaniac - Director's cut - US Release Trailer

Einiges des neuen Materials ist sofort erkennbar, anderes erst bei genauerem Hinsehen, aber auch das ist ein Indiz dafür, dass der Film schon in seiner Kinofassung eine Aussage hatte. Sie ändert sich durch die längere Herangehensweise nicht, sie wird nur ausführlicher dargeboten.

An der grundsätzlichen Geschichte ändert dies nichts. Der Film beginnt immer noch mit der älteren Joe, die auf der Straße von Seligman gefunden und mit nach Hause genommen wird. Dort beginnt sie, ihm von ihren sexuellen Ausschweifungen zu erzählen. Sie will ihn überzeugen, dass sie ein schlechter Mensch ist, was anhand ihrer Geschichte geschehen soll, aber Seligman bietet eine andere Lesart der von ihr dargebotenen sexuellen Ausschweifungen.

Nymphomaniac - Director's cut - In der Langfassung deutlich pornographischer – aber auch besser?

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Die Heimkino-Version des Films kommt ab dem 20.11.2014 auf den Markt.
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Volume I

Die neuen Elemente des ersten Volumes fallen nicht so sehr ins Auge. Viele fallen gar nicht auf, wenn man nicht direkt beide Fassungen vergleicht, ein paar aber schon. So wie der Moment, als Joes Vater von den Bäumen erzählt und man Odin an die Esche gebunden sieht. Generell hat Christian Slater profitiert, denn das Sterben seiner Figur wird hier weit stärker ausgebaut, was den Film emotional eindringlicher werden lässt. Nicht, weil das Sterben so hässlich zum Beobachten ist, sondern weil die bedingungslose Liebe zwischen Vater und Tochter in diesem schwarzweißen Kapitel noch stärker herausgearbeitet wird.

Die augenscheinlichsten Unterschiede beider Fassungen sind aber zweifelsohne die erhöhte Menge an expliziten Szenen. Der Film beinhaltet nun das pornographische Material, das in der Kinoversion nur angedeutet worden ist.

Runder kommen die Gespräche zwischen Joe und Seligman daher, die nun weniger grob erscheinen. Ihr Inhalt, das philosophische, aber auch soziokulturelle Abschweifen in den Gesprächen, ist ein guter Kontrastpunkt zu den teils frivoleren Geschichten, die Joe hier zum Besten gibt.

Nymphomaniac - Director's cut - In der Langfassung deutlich pornographischer – aber auch besser?

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In der Heimkino-Variante gewinnt der Film deutlich an Tiefe - Wird aber auch sehr viel pornografischer.
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Volume II

Das zweite Volume ist deutlich mehr erweitert worden, auch und gerade in expliziter Form. Die Szene mit dem Sandwich – Joe mit den beiden farbigen Männern – ist deutlich länger, und vor allem auch sehr viel eindeutiger. Mehr noch als im ersten Volume kommt hier eine Szene, die tatsächlich pornographisch ist. Was in der Kinofassung nur angedeutet wurde, ist hier nun zu sehen.

Völlig fehlend in der Kinofassung ist auch eine nur schwer erträgliche Abtreibungsszene, bei der man kaum hinschauen kann. Man muss miterleben, wie Joe an sich selbst eine Abtreibung vornimmt. Die Vorbereitung, das Präparieren der Werkzeuge, die Tat selbst - diese Szene ist lang. Oder wirkt unendlich lang. Sie bringt den Film zum sofortigen Halt, weil man sich selbst nur wünscht, dass dieser Moment so schnell als möglich vorbeigeht.

Damit dreht von Trier den Zuschauer auch durch den Fleischwolf. Weil er ihm Dinge zeigt, die er willentlich nicht wirklich sehen will. Weil er auf die abgrundtief hässlichen Seiten des Lebens draufhält – und das ganz und gar gnadenlos.

Die Langfassung ist kein neuer Film, er erweitert nur, was schon vorhanden war. Aber er ist deutlich expliziterFazit lesen

Wer sich dies ersparen will, der ist bei der Kinofassung von „Nymph()maniac“ deutlich besser aufgehoben.