Liam Neeson und Julianne Moore, genug gesagt. Na ja, wenn auch mit dem Vermerk: So richtig krachen will der neue Neeson-Kracher eigentlich nicht. Und überhaupt handelt es sich bei „Non-Stop“ auch gar nicht um einen Actionfilm, gleichwohl Trailer und Vermarktung das mit Blick auf die späte Genrekarriere des Hauptdarstellers suggerieren. Dafür kann der Film allerdings wirklich nichts. Und wo Neeson draufsteht, ist schon trotzdem auch Neeson drin.

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Über den Wolken

Der irische Schauspieler, mittlerweile immerhin schon stolze 61, gilt seit einigen Jahren nicht nur als Garant für mittelhoch budgetierte, überaus einträgliche Action- und Thrillerstoffe, sondern auch für praktikables High-Concept-Kino. Ein Kino also, dessen Filme sich auf den Punkt genau pitchen lassen, die man auf ein bis zwei Sätze herunter brechen und entsprechend bewerben kann. Ein Kino, das eigentlich sehr unmittelbar, sehr aufrichtig ist – zumindest so lange einem der Trailer nichts anderes verkaufen will.

Non-Stop - 96 Hours über den Wolken?

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Und jetzt mal alle schön die Hände hoch nehmen! Es hat sich nämlich ein Killer an Bord geschlichen, der seine Rechnung ohne Air Marshall Liam Neeson gemacht hat.
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„Non-Stop“ ließe sich demnach schon mit wenigen Halbsätzen beschreiben: Liam Neeson an Bord eines Flugzeuges, erhält Terrordrohungen via Mobiltelefon, muss unbekannten Übeltäter unter den Passagieren ausfindig machen. Eine Prämisse, die ausreichend Zutaten für 100minütiges Spannungskino vereint. Das Produzentenkonzept steht, der Star ist besetzt, ein fähiger Handwerker wie Jaume Collet-Serra („Orphan – Das Waisenkind") verpflichtet. Ready to shoot und ab dafür.

Es ist natürlich den Filmemachern vorbehalten, wie viel sie aus der auf einem Bierdeckel Platz findenden Idee machen. Hinter „Non-Stop“ steht unter anderem Joel Silver, ein Produzentenschwergewicht insbesondere der 80er und 90er Jahre, verantwortlich für zahllose High-Concept-Hits wie „Stirb Langsam“ oder „Road House“. Und gleich drei Autoren teilen sich den Drehbuch-Credit, eigentlich per se ein Indiz für diverse Überarbeitungsstadien (was in solchen Fällen nicht das Schlechteste bedeutet).

Regisseur Collet-Serra, der mit Liam Neeson schon für den Berlin-Thriller „Unknown Identity“ zusammenarbeitete, muss die passgenaue Vorlage dann nur noch verwandeln. Mit hübschen Inszenierungseinfällen, die aus dem Kammerspiel in so und so vielen Metern über der Erde vor allem visuell das Maximum herausholen, und mit straffer Führung, die vergessen lässt, dass es eigentlich um gar nichts geht. Außer um ein bisschen oberflächlichen Drive und flotte Unterhaltung, im guten Sinne.

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Jen Summers (Julianne Moore) geht subtil vor: Sie lässt den Hacker Zack White (Nate Parker) das mutmaßliche Handy des Attentäters aufspüren.
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Hitchcocksche Verdopplungsstrategie

Betrachtet man „Non-Stop“ nun als entsprechend verdichtetes Spannungskino, so macht er vieles sehr richtig. Kurz und knapp lässt der Film das Publikum noch während der Exposition wissen, dass Bill Marks (Neeson) ein gebrochener Mann und dem Alkohol zugeneigt ist. Er identifiziert ihn nicht vor-, aber rechtzeitig als einen Air Marshall, nachdem die mit 150 Flugpassagieren besetzte Maschine abgehoben ist. Und er kommt zügig zur Sache, genau diesen Mann mit einer Bedrohung zu konfrontieren.

Recht höhepunktfreies, aber grundsolides Spannungskino. Nur den spoilerigen Trailer gilt es zu meiden – zumal er Action verspricht, die im Film gar nicht stattfindet.Fazit lesen

Die Rolle des vertrauenswürdigen Sidekicks haben die Verantwortlichen dabei sehr klug besetzt. Julianne Moore, eine der wenigen Hollywood-Schauspielerinnen, die offenbar alles spielen kann (und auch Mittelmaß enorm aufwertet), steht dem Helden bald als einziger Fluggast bei. Denn weil der anonyme Attentäter (per Handy verkündet er, dass alle 20 Minuten jemand an Bord sterben werde, wenn er nicht 150 Millionen US-Dollar erhält) den Terrorverdacht auf Bill Marks zu lenken versteht, muss dieser das Rätsel im Alleingang lösen.

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Lupita Nyong'o, frisch gekürte Oscargewinnerin für „12 Years a Slave“, in einer Minirolle als Flugbegleiterin. Drei Szenen und ein halber Satz, das wird künftig anders sein.
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Eine geschickte, wenn auch nicht unübliche (Hitchcocksche) Verdopplungsstrategie der Spannung, so der Air Marshall dadurch nicht nur zahlreiche Menschenleben retten, sondern auch seine Unschuld beweisen muss. Und eine Panik gilt es im Flugzeug selbstverständlich ebenso zu verhindern, weshalb die Mördersuche (ja, ein paar Opfer sind unvermeidlich) auch noch zur Geheimsache wird. Wären da nicht einige lästige Passagiere (NYPD-Cop, hysterischer Geschäftsmann, labiler Lehrer), die unseren Helden nach Kräften behindern.

Auf dem Weg zum Finish stoppt „Non-Stop“ dann allerdings doch das ein oder andere Mal. Noch vor Beginn des letzten Drittels ist die Idee bereits erschöpft, wird das Szenario nicht mehr wie zuvor durch kleine Wendungen und Zusatzinfos variiert. Wenn das Plotgerüst schließlich freigelegt ist, folgt sogar noch ein Moment der großen Ansprache: „Ich bin kein guter Vater, ich bin kein guter Mensch“, sagt Neeson dann – und im Kino wird leise gekichert. Aber was soll’s, Hauptsache er ist ein guter Air Marshall.