Vermutlich hielt sich jemand für sehr clever, Eddie Murphy das Skript zu „Noch tausend Worte“ zu schicken. Murphys Karriere ist darauf aufgebaut, dass er eine Schnodderschnauze ist. Er redet ohne Punkt und Komma. Was wäre also interessanter, als einen solchen Schauspieler zu zwingen, auf sein Mundwerk zu verzichten und sich stattdessen auf seine Mimik zu verlassen?

Noch tausend Worte - Trailer #1

Jack McCall (Eddie Murphy) lebt davon, dass er nie um ein Wort verlegen ist. Wenn er etwas kann, dann ist es reden. Er ist der Typ, der einem Eskimo einen Kühlschrank andrehen könnte. Mit dieser Fertigkeit ist er als Literaturagent ganz gut aufgestellt. Er zieht große Kunden an Land und den Verlagen das große Geld aus der Nase.

Nun möchte er für seine Firma den Guru und Autor Dr. Sinja (Cliff Curtis) rekrutieren. Eine schwierige Aufgabe, hat Sinja doch schon einige Agenten abblitzen lassen. So nimmt Jack an einem seiner Seminare teil, sorgt dafür, dass es zu einem Privatgespräch kommt, und beschwatzt den Doktor, indem er ihm vorschwärmt, wie viel ihm sein Buch bedeute und wie gerne er dessen Botschaft in der Welt verbreiten würde. Sinja wandert mit Jack durch den Garten, Letzterer verletzt sich an einem Baum, aber dann stimmt der Doktor zu. Ein Erfolg für Jack.

Wieder zu Hause passiert jedoch etwas Merkwürdiges: Der Baum, an dem er sich verletzt hat, taucht plötzlich in seinem Garten auf. Tags darauf spricht Jack mit Sinja, der sich schon gewundert hat, wohin der Baum verschwunden ist. Ihm fällt aber etwas anderes auf. Wann immer Jack spricht, verliert der Baum so viele Blätter, wie Jack ausgesprochen hat. Sinja ist klar, dass der Baum – und damit auch Jack – stirbt. Wenn kein Blatt mehr da ist, wenn das letzte Wort gesprochen wurde, ist Schicht im Schacht.

Noch tausend Worte - Einfach mal Fresse halten, Eddie!

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Ungewohnt: Eddy Murphy hält die Klappe.
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Nun muss Jack schweigen, so gut er kann (und das kann er mehr schlecht als recht, denn geschriebene Worte zählen auch als ausgesprochen). Nicht nur stößt er seine Frau vor den Kopf und vernachlässigt seinen Jungen, er verliert auch noch seinen Job – und die Blätter werden immer weniger.

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Wenn ein Studio einen Film jahrelang herumliegen – quasi verrotten! – lässt, ist das nie ein gutes Zeichen. Es heißt entweder, dass der Film hundsmiserabel ist. Oder dass er so ungewöhnlich ist, dass man nicht weiß, wie man ihn vermarkten soll. Die Wahrheit bei „Noch tausend Worte“, der Mitte 2008 gedreht wurde, liegt irgendwo dazwischen.

Eddie Murphy darf nichts mehr sagen. Für manche ein Traum, für andere ein Albtraum.Fazit lesen

Das esoterische Feeling macht es schwer, ihn dem Zuschauer schmackhaft zu machen. Im Kern ist der Film eine Komödie, aber manchmal möchte er auch einfach nur dramatisch sein. Am Ende ist er weder Fisch noch Fleisch – und hat zudem das Problem, dass der spirituelle Gehalt des Films auch nicht gerade jeden in Verzückung versetzen wird.

Mitunter beißt es sich, wie Eddie Murphy grimassiert, wenn ein paar Worte reichen würden, der ganzen Angelegenheit ein Ende zu bereiten. Es ist fast schmerzlich mitanzusehen, wie der Schauspieler in Hinblick auf den Kontrollverlust der eigenen Mimik hier Jim Carrey Konkurrenz macht. Eventuell wäre dem Stoff deutlich mehr gedient gewesen, wenn man die Situationskomik heruntergeschraubt und stattdessen auf dramatischen Kitsch gesetzt hätte.

Noch tausend Worte - Einfach mal Fresse halten, Eddie!

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Die Ruhe in Person.
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Betrachtet man die Entwicklung der Geschichte, so kann man fast davon ausgehen, dass die Urversion des Skripts noch nicht die typischen Murphy-Gags hatte, die es zu Beginn des Films gibt. Die wurden wohl erst integriert, als man ihn für die Hauptrolle gewonnen hatte. Sie stehen aber auch im krassen Kontrast zur übrigen Geschichte, die eine eigentlich interessante Thematik aufgreift: die Wichtigkeit von Worten.

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So wie es heißt, dass ein Bild mehr als tausend Worte sagt, ist es auch wahr, dass eine Tat größere Bedeutung hat als jedes Lippenbekenntnis, das man machen könnte. Das ist eine simple, nicht gerade umwerfende Botschaft, aber zumindest sie wird in „Noch tausend Worte“ ganz gut untergebracht. Ansonsten ist dies ein Film, der dem Zuschauer mit dem Holzhammer die wirklich wichtigen Dinge im Leben beizubringen versucht: Spiritualität ist gut, Kommunikation kann fehlinterpretiert werden, Vergeben ist wahrlich göttlich, sich selbst treu zu sein nicht minder wichtig, und auf keinen Fall sollte man in all der Hektik und dem Stress des normalen Lebens vergessen, auch die kleinen Momente des Glücks und die Schönheit des Lebens zu schätzen.

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Wer es noch nicht erraten hat: Ja, „Noch tausend Worte“ ist ein Film der großen sentimentalen Momente – immer dann, wenn Murphy nicht seine übliche Routine abzieht. Das Ende ist dann auch entsprechend rührselig und soll so happy sein, dass man gar nicht anders kann, als mit einem guten Gefühl aus dem Kino herauszugehen. So hätte man es sich wohl gewünscht, denn für den ganz großen Spaß hat „Noch tausend Worte“ dann halt doch nicht genug guter Gags zu bieten.