Filmemacher träumen besonders oft und gerne davon, Filme innerhalb eines sehr beengten Raums spielen zu lassen. Auch Steven Knight, der das Drehbuch zum dieser Tage startenden Thriller „Unter Beobachtung“ geschrieben hat, findet das reizvoll. Er packt seine Hauptfigur in einen Wagen, womit er das Beste zweier Welten erhält. Einerseits hat er die Enge eines Autos, andererseits die Freiheit der Straße, als Hauptfigur Ivan Locke von Brighton nach Croydon fährt.

No Turning Back - Deutscher TrailerEin weiteres Video

Ivan Locke (Tom Hardy) hat ein gutes Leben: Er ist ein fürsorglicher Ehemann, ein liebevoller Vater und ein harter Arbeiter, aber dann droht sein Leben ganz und gar aus den Fugen zu geraten. Denn ein kleiner, für den pflichtbewussten Ivan im Grunde völlig untypischer Fehltritt hat fatale Konsequenzen für seine Familie, seine Arbeit und ihn selbst.

No Turning Back - Für Tom Hardy gibt es kein Zurück!

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Der Film läuft bei uns am 19.06.2014 in den Kinos an.
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Um einen Fehler der Vergangenheit wiedergutzumachen, verlässt Ivan seine Arbeitsstelle nur ganz kurz, aber was dann geschieht, hätte er sich in seinen schlimmsten Albträumen nicht vorstellen können. Er setzt sich ins Auto und beginnt einen Wettlauf mit der Zeit und den Tempolimits um ihn herum. Immer auf der Überholspur versucht Ivan mit dem Telefon zu retten, was von seinem Leben noch übrig ist.

Der Star im Auto

„No Turning Back“ ruht einzig und allein auf Tom Hardys Schultern, der hier die überlebensgroßen Manierismen einiger seiner anderen Figuren - so natürlich dem Killer Bane in „The Dark Knight Rises“ - abgelegt hat und dafür eine beeindruckende, subtile Darstellung abliefert, unter deren Oberfläche es immerzu brodelt.

Wenn Locke um sein Leben bangt, wenn er hofft, doch noch alles auf die Reihe zu bekommen, wenn die Frustration immer größer wird – das alles und noch mehr stellt Hardy in einer One-Man-Show dar, in der die Kamera praktisch immer auf ihn gerichtet ist, während die Menschen um ihn herum nur am anderen Ende eines Telefons existieren.

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Tom Hardy spielt sich die Seele aus dem Leib.
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In der Synchronisation ist dies nicht mehr merkbar, aber im Original hat man nicht auf ADR zurückgegriffen und die Dialogteile von Hardys Partnern später eingesprochen. Diese Telefonate finden live statt, die Interaktion von Hardy und den anderen ist es, die den Film so unmittelbar werden lässt. Hier schleicht sich eine Authentizität ein, die im Deutschen kaum eingefangen werden kann.

Ein Mann in einem Auto, er rast, aber den Fehlern seines Lebens kann er nicht mehr entkommen. Psychologisches Drama mit hoher Spannung.Fazit lesen

Die Dramatik dieser Gespräche ist immens, auch und gerade, weil Steve Knight weiß, wie er sie voneinander absetzen kann, so etwa bei dem fiktiven Gespräch mit seinem Vater, das er sich nur vorstellt, ihm aber einen Spiegel vorhält. Immer wieder sieht Hardy als Locke in den Spiegel im Auto, immer mehr erkennt er darin den Mann, der er nicht sein will.

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Wie wird die Geschichte für Baustellen-Manager Ivan Locke ausgehen?
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Ein Film, so schnell wie der Wagen, in dem Locke sitzt

„No Turning Back“ ist ein relativ kurzer Film mit einer Laufzeit von deutlich weniger als 90 Minuten. So etwas ist man im Kino kaum noch gewöhnt, für diesen Film ist es jedoch perfekt. Er überstrapaziert seine Geschichte damit nicht, sondern ist so rasant erzählt, wie das angesichts des durchgedrückten Gaspedals auch sein muss.

Der Film ist in seinem Ansatz dabei sehr minimalistisch. Er verlässt sich auf die Ausdruckskraft und Schauspielkunst seines Stars, der den Zuschauer in die Handlung und in den Bann ziehen muss. Würde man an Hardy nicht glauben, würde man sich mit ihm nicht identifizieren könnte, würde der ganze Film kollabieren. Aber Steve Knight, der als Regisseur noch nicht viel gemacht hat, ist sich seiner Geschichte sicher. Er setzt auf die Kraft der Dialoge, aber er findet auch Wege, die minimalistische Erzählform zur Kunst zu erheben.