Niemand überlebt – das könnte man schon als Spoiler ansehen, aber ein Titel wie dieser sorgt natürlich dafür, dass man besonders daran interessiert ist, wie akkurat er denn wirklich ist. Und ob sich am Ende nicht eine Überraschung ergibt. Ob dem so ist, wollen wir hier nicht verraten, aber wärmstens den Film empfehlen, das wollen wir schon. „No One Lives“ lief dieses Jahr auf den Fantasy Film Fest Nights und ist jetzt für's Heimkino verfügbar.

No One Lives - Keiner überlebt! - Red Band Trailer

Sunfilm veröffentlicht den Film aller Voraussicht nach im Oktober für den Verleih und im November dann für den Verkauf. Ob der Film ungekürzt durch die FSK-Prüfung kommt, wird sich erst noch zeigen müssen. Denn Ryuhei Kitamura („Versus“) hat hier derbe abgeliefert.

Ein Pärchen ist unterwegs und macht in einem Diner Rast, um etwas zu essen. Dort werden sie von Flynn belästigt, der zu einer Bande gehört, die gerade bei einem schiefgegangenen Einbruch mehrere Leute umgebracht hat. Flynn wird von seinem Boss zurückgepfiffen, will sich potenziell fette Beute aber nicht entgehen lassen. So überfällt er das Pärchen und kidnappt es mitsamt allem Hab und Gut. Dumm nur, dass er sich den Falschen ausgesucht hat.

No One Lives - Keiner überlebt! - Böse gegen Böse: Das ist ein Killer von einem Film!

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Blutgericht auf Autoscheibe.
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Denn der Fahrer ist ein Serienkiller, der schon zahlreiche Menschen auf dem Gewissen hat. In seinem Wagen wartet noch eine weitere Überraschung auf Flynn: Eines der noch lebenden Opfer. Die Frau weiß, was nun passieren wird. Der Fahrer wird sie alle einen nach dem anderen umbringen. Wenig später beginnt das Morden…

Böse gegen Böse

Bei Kitamura geht es selten um das klassische Schema von Gut gegen Böse. In seinen Filmen ist es zumeist das Böse, das auf das Böse trifft. Oder anders gesagt: Manche Figuren wirken im Vergleich zu anderen gleich gar nicht mehr so böse. Damit spielt auch „No One Lives“, der dem Zuschauer keine echte Identifikationsfigur bietet, abgesehen von der ums Überleben kämpfenden Emma, deren Handeln aber auch nicht immer dazu einlädt, sich auf ihre Seite zu schlagen.

Luke Evans als Fahrer ist eine echte Präsenz, eine Naturgewalt, die auf ein Ziel fokussiert ist: Die Auslöschung aller, die ihm in den Weg gekommen sind. Er ist die Essenz des Bösen, so faszinierend wie furchteinflößend. Denn dieser Killer greift auf Mittel zurück, die praktisch undenkbar sind. Wie er den Weg zu seinen Opfern – der Gaunerbande – findet, ist einer der wildesten Momente des Films.

Packshot zu No One Lives - Keiner überlebt!No One Lives - Keiner überlebt!

Die Realität lässt der Streifen da links liegen, aber dafür gibt es eine Einstellung mit dem blutverschmierten Evans, bei der man gar nicht anders kann als unwillkürlich daran zu denken, dass es dieser Moment sein könnte, der ihn für die Titelrolle im für 2014 geplanten „Dracula“ empfohlen hat.

Low-Budget-Horror

„No One Lives“ hat kein besonders großes Budget. Er wurde mit weniger als drei Millionen Dollar verwirklicht. Um dem gerecht zu werden, wurde die Geschichte komprimiert. Die Figuren sind wenig mehr als Platzhalter, nur selten gibt es so etwas wie Charakterisierung. Kitamuras Film braucht sie aber auch nicht unbedingt. Er ist einer der visuell interessantesten Filmemacher unserer Zeit, der japanische Sensibilität in amerikanisches Genre-Kino transportiert. Das Ergebnis ist ein rasanter Film, der weniger auf den Geist, als vielmehr auf das Herz abzielt – und das beginnt angesichts dieses filmischen Amoklaufs schneller zu schlagen.

Brutaler Serienkillerfilm, der nicht Gut gegen Böse, sondern Böse gegen Böse stellt. Intensiv und faszinierend.Fazit lesen

Kitamura findet Einstellungen und Posen, die trotz ihres brutalen Inhalts so schön sind, dass man sie am liebsten gerahmt an der Wand hängen sehen würde.

Gefangener und Gefangene

Trotz der recht spartanischen Geschichte leistet sich das Drehbuch auch ein paar Momente, um tiefer in die Psychologie zweier Hauptfiguren einzudringen. Des Killers, der eine Frau über Monate hinweg gefangen hält, und das Opfer, das in dieser Gefangenschaft mehr über sich herausfindet als in seinem ganzen vorherigen Leben. Eine der effektivsten Szenen ist, als Evans‘ Figur der Frau die Wahl lässt, ob sie sein Leben retten will oder nicht – inklusive aller Konsequenzen, die dann zu tragen wären.

No One Lives - Keiner überlebt! - Böse gegen Böse: Das ist ein Killer von einem Film!

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Eiskalt: Hier hat jeder buchstäblich seine Leichen im Keller.
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Diese Momente harmonieren auch sehr gut mit dem Ende, das auch mit einer von Kitamuras Spezialitäten aufwartet: einer Überraschung. Denn nicht immer ist alles so, wie man es erwartet. Und manchmal kann selbst ein verkommener, entmenschlichter Mörder so etwas wie Liebe empfinden.