Na nu? Was ist denn da los? Eurovideo schiebt den Film eines Regisseurs direkt ins Verkaufsregal, dessen Arbeiten bisher eigentlich im Kino zu sehen waren? Zudem noch ein Film mit einer durchaus hervorzeigbaren Besetzung (Owen Wilson, Pierce Brosnan, Lake Bell)! Mmmhhhhh … vielleicht im Rest der Welt ein Flop und man hat deswegen kalte Füße bekommen? Aber nein: „No Escape“ hat mit einem Einsatz von mageren fünf Millionen immerhin 54,4 Millionen Dollar in den Klingelbeutel gespült! Was auch immer der tatsächliche Grund für die verschämte Homevideo-Vermarktung war, nach Ansicht des Films möchte man den Verantwortlichen für soviel Taktgefühl einen Strauß rote Rosen schicken.

No Escape - Official Trailer #2Ein weiteres Video

Handlung? Null.

Den Plot könnte man eigentlich treffend mit „Weiße, sensible, herzensgute Mittelstandsfamilie flieht vor dumpfen, brüllenden, sadistischen, blutdürstigen, vergewaltigenden, Augen rollenden Asiaten-Mob“ zusammenfassen, vielmehr passiert eigentlich nicht, aber dem Dienstleistungsgedanken würde das nicht gerecht werden, deswegen hier die ausführliche Version:

Jack Dwyer (Owen Wilson) soll der Leiter einer Wasseraufbereitungsanlage in einem nicht näher bezeichneten asiatischen Land werden. Also packen Jack und seine Familie, bestehend aus Frau Annie und den beiden Töchtern Lucy und Beeze, kurzerhand alle sieben Sachen und ziehen um. Doch - oh weh - direkt nach der Ankunft schleicht erster Horror auf leisen Sohlen herbei: Der Fernseher funktioniert nicht, die US-Tageszeitung ist nicht mehr aktuell und das Land wirkt auch so seltsam leer.

No Escape - Gute Weiße vs. böse Gelbe

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Im falschem Film.
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Plötzlich bricht ein Tumult los: Eine Horde Waffen schwingender Rebellen startet eine Hetzjagd auf Ausländer. Jack sprintet zurück ins Hotel, holt seine Familie und versucht bis zum Ende des Films sich und seine Liebsten in Sicherheit zu bringen. Eine große Hilfe ist dabei Tourist Hammond (Pierce Brosnan), der sich als Regierungsagent entpuppt …

Absturz

Eine Alternativüberschrift zu dieser Kritik könnte auch „Schuster bleibt bei euren Leisten“ heißen. Regisseur John Erick Dowdle gab, zusammen mit Drew, seinem Bruder, der alle seine Filme schreibt und produziert, 2008 mit dem sicherlich nicht unbedingt dringend benötigten, aber durchaus soliden „“-Remake „Quarantäne“ sein Kino-Debüt. 2010 empfahl sich Dwodle mit „Devil - Fahrstuhl zur Hölle“, einem wirklich hervorragenden, kreuzunheimlichen und gut gedrehten Schocker als ernstzunehmender Genre-Regisseur.

Danach war allerdings erstmal Sendepause, die 2014 mit dem viel zu spät eingereichten found-footage-Nachklapp „Katakomben“ beendet wurde, der immerhin noch mit einem reizvollen, atmosphärischen Setting bestach. So hätte oder so ähnlich hätte es weiter gehen können, aber offenbar wollten die Dowdles mal über den Horrorrand hinausblicken und da kam das Projekt „The Coup“ gerade Recht, bei dem Owen Wilson und Pierce Brosnan bereits ihr Kreuzchen unter den Vertrag gemacht hatten und das ursprünglich eigentlich ein „Taken“-Verschnitt werden sollte. John Erick erinnerte sich allerdings an einen Militärputsch während einer Thailandreise im Jahr 2006, der aber unblutig verlief. Das inspirierte den Regisseur zum „Worst-Case-Scenario“ in „No Escape“, dem er aber leider gar keine, aber so wirklich überhaupt keine interessanten Aspekte abgewinnen kann. Im Gegenteil.

No Escape - Gute Weiße vs. böse Gelbe

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Alles wird gut!
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Thailand? Kambodscha? Wurst!

Erstmal ein kurioses Randdetail: Gedreht wurde zwar in Thailand, aber der thailändischen Regierung war wichtig, dass Thailand nicht als Thailand erkannt wird, man will ja keine Urlauber vergraulen, weswegen die Filmemacher kurzerhand Kambodscha in die Pfanne hauten und alle im Film zu sehenden Schriften in der Khmer-Sprache abgefasst sind (was natürlich für reichlich Unmut im Kambodscha sorgte). Macht aber auch nichts, da die thailändischen Darsteller ihre Zeilen natürlich auf Thai brüllen.

Man könnte jetzt natürlich argumentieren, dass Sprachunkundigen Details dieser Art sowieso nicht auffallen, allerdings ist die Indifferenz bezeichnend für den ganzen Film, der zwar einen auf realistisch macht, aber auf gewisse Weise eher an einen modernen Zombie-Film erinnert. Asiaten sind hier fast ausschließlich eine dumpfe, brüllende, sadistische, blutdürstige, vergewaltigende, Augen rollende Masse - außer natürlich sie sind ausreichend amerikanisiert: Ein Kenny-Rogers-Fan steht natürlich im positiven Licht da.

Rassistischer, langweiliger Trash für ganz schlichte Gemüter.Fazit lesen

Die Xenophobie in „No Escape“ stößt besonders sauer auf, weil man im Gegensatz zu Filmen mit ähnlicher Ader auch keine zumindestens ansatzweise ambivalenten Hauptfiguren anbietet. Waren die Kids in „Hostel“ wenigstens noch komplette Vollpfosten, war Bryan Mills in „Taken“ wenigstens noch eine überaus brutale Abrissbirne mit Hang zum Sadismus, sind die Dwyers so dermaßen betont makellos, dass der Kontrast zwischen den „wir“ und den „anderen“ umso größer ausfällt. Gute Weiße gegen gelbe Barbaren.

No Escape - Gute Weiße vs. böse Gelbe

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Ein Mann rennt um sein Leben.
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Dreisterweise bemüht sich der Film nach über einer Stunde auch noch um eine Relativierung, an die er selbst allerdings zu keiner Sekunde glaubt. Da erklärt Geheimdienstler Hammond, dass eigentlich „Leute wie er“ Schuld an dem Schlammassel sind und dass die metzelnden Verfolger im Grunde lediglich ihre Kinder beschützen wollen, nur um kurze Zeit später wieder fiese Gesichter beim sadistischen Abmurksen zu zeigen.

Aber selbst wenn man über diese Untiefe hinwegklettert, gibt „No Escape“ nicht viel her: Die bestenfalls mittelprächtige Machart weiß mit den lächerlichsten Slow-Motion-Sequenzen aller Zeiten zu beschämen und die sicherlich anfänglich vorhandene Spannung weicht auf sobald das dramaturgische Muster klar ist: Die Familie gerät zwar dann und wann in ernsthaftere Schwierigkeiten, aber die Probleme lösen sich gleich darauf auch wieder in Wohlgefallen auf. Einzig und allein zu diesem Zweck wurde wohl auch der Pseudo-007-Part vom in letzter Zeit immer sehenswerten Pierce Brosnan ins Skript geschrieben, der den grau melierten Agenten mit sichtlicher Wonne gibt und in einer herrlich ausgelassenen Szene besoffen Karaoke trällert. Anders kann man den Film ja auch echt nicht ertragen.