Es gibt Tage, an denen wünscht man sich: „Wäre ich doch lieber im Bett geblieben.“ Und es gibt Tage, an denen geht einfach alles schief und trotzdem denkt man sich im Nachhinein: „Genau so sollte es sein!“ Für Till Reiners ist es ein solcher Tag. Eine Romanverfilmung von Ralf Husmann (Autor von Stromberg), Regie führt Peter Thorwarth („Bang Boom Bang“) und die Hauptrollen spielen Moritz Bleibtreu und Axel Stein. Das verspricht doch eine wilde Spritztour zu werden, oder?

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Peter Thorwarth hat seit seiner „Unna-Trilogie“, bestehend aus „Bang Boom Bang – Ein todsicheres Ding“ (1999), „Was nicht passt, wird passend gemacht“ (2002) und „Goldene Zeiten“ (2006) nicht mehr als Regisseur fungiert. Die Zwischenzeit hat sich der Dortmunder unter anderen mit Drehbucharbeiten zu Filmen wie „Die Welle“ oder „Vorstadtkrokodile 3“ vertrieben. Nun nimmt der Ruhrpottler jedoch wieder auf dem Regiestuhl platz, diesmal allerdings ohne direkten Ruhrgebietsbezug.

Nicht mein Tag - Stromberg vs. Thorwarth

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Ralf Richter darf in so einem Film natürlich nicht fehlen.
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Stromberg vs. Thorwarth

Als Vorlage dient der gleichnamige, humoristische Roman „Nicht mein Tag“ von Ralf Husmann, der sich als Autor für die Erfolgsserie Stromberg verantwortlich zeichnet. Der Stoff zum Buch diente zuvor sogar als Idee für einen Spielfilm, der dann jedoch erst einmal in der Schublade versackte. Bevor das Drehbuch ganz unterging, schrieb Husmann vorerst einen Roman daraus. Nun, fast fünf Jahre später, schafft es „Nicht mein Tag“ doch auf die große Leinwand. Dafür legte Husmann all sein Vertrauen in Peter Thorwarth, der am Originalskript selbst Hand anlegte und aus dem Buch einen typischen Thorwarth-Film zauberte.

Dieser beginnt mit einem normalen Tag im Leben von Till Reiners (Axel Stein). Schon Tills Name ist so normal wie sein Job: Angestellter bei einer Bank. Sparverträge, Kredite und enttäuschte Kunden bestimmen seinen Arbeitsalltag. Überfreundliche Kolleginnen, die das Jubiläum des Chefs feiern wollen, machen die Sache nicht besser. Er hat einen kleinen Sohn und eine Frau, die ihren Traum von einer eigenen Modelinie verwirklichen will.

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Hättet ihr Axel Stein wiedererkannt?
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Die Ehe mit Miriam (Anna Maria Mühe) hat irgendwo zwischen Alltagstrott und Windelwechseln ihr Feuer verloren und auch sein Job fordert ihn nicht heraus. Eigentlich wollte Till mal Rockstar werden, doch davon ist nichts mehr zu spüren. Kurz: Es ist einfach nicht sein Tag. Es ist nie sein Tag. Und es wird noch schlimmer, als der Kleinganove Nappo (Moritz Bleibtreu) in seiner Bank auftaucht, diese um 20.000 Euro erleichtert und Till auch noch als Geisel nimmt.

Durchzechte Buddy-Gangsterkomödie

Ab da beginnen die spannendsten, verrücktesten und gefährlichsten 48 Stunden für Till, die sein Leben aber gehörig auf den Kopf stellen. Die Kohle benötigt Nappo für seinen Traumwagen: einen Ford Mustang Fastback GT, Baujahr 1968. Mit diesem will er seine Perle Nadine (Jasmin Gerat) nach Cherbourg kutschieren.

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Beim Autohändler Langer (Ralf Richter) hilft Till seinem Entführer allerdings, einen guten Deal herauszuschlagen und Langer kommt dabei auf eine lukrative Idee: Till soll gemeinsam mit Nappo nach Amsterdam, um dort drei Schwerverbrecher aus dem Osten über’s Ohr zu hauen, die Schuldverschreibungen von den Cayman-Inseln verticken. Nur der Bankangestellte Till hat eine Ahnung davon, was die Papiere wirklich wert sind. Miriam scheint sich eh nicht um seine Entführung zu scheren und so meint der biedere Familienvater, sowieso nichts mehr verlieren zu können und lässt sich auf das Ding ein, ohne zu wissen, was ihm noch alles bevorsteht…

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Schlechter Tag für Till Reiners (Axel Stein.).
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Axel Stein und Moritz Bleibtreu mimen in diesem rasanten Buddy-Roadtrip ein ungleiches Paar, das die schlimmsten und zugleich spannendsten 48 Stunden gemeinsam durchlebt. Partyexzesse, Drogen, Schlägereien und Banküberfälle bestimmen die verrückte Komödie, in der zahlreiche deutsche Stars in Gastauftritten zu sehen sind.

Til Tiger und andere

Neben dem nuschelnden Til Schweiger, der zur Abwechslung mal einen herrlich selbstironischen Aufritt abliefert und auch als Co-Produzent fungiert, wirken auch Tom Gerhardt („Hausmeister Krause“), Milan Peschel („Schlussmacher“, „What A Man“) und Frederick Lau („Die Welle“) mit. Sogar die beiden Let‘s-Play-Stars Gronkh und Sarazar werden im Abspann genannt, wurden aber wohl aus dem Film rausgeschnitten. Da muss die Filmkarriere der beiden wohl noch auf sich warten lassen…

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Moritz Bleibtreu spielt gerne den kernigen Gangster.
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Axel Stein lässt allerdings nichts anbrennen und versucht mit „Nicht mein Tag“ den Sprung vom ewig dicklichen Blödelbarden aus Teeniekomödien in eine erwachsenere Rolle. Anfangs fällt es schwer, ihn als jungen Familienvater und Bankangestellten ernst zu nehmen. Doch die Zeichnung des im tristen Alltag angekommenen, nein, sogar verlorenen Till Reiners gelingt Thorwarth so gut, dass man mit Axel Stein in seiner Rolle mitfühlen muss und man bald auch während der Dauer des Filmes vergisst, was für Figuren er für gewöhnlich gespielt hat. Dennoch beschränkt sich Stein hier auf sein komödiantisches Talent und in betrunkenen Partyszenen glitzern dann doch seine markanten Albernheiten durch, die an diesen Stellen aber keineswegs unangemessen sind.

Und auch Moritz Bleibtreu scheint Spaß an seiner Darbietung des volltätowierten Gelegenheitsgangsters Nappo zu haben. Aufbrausend, unüberlegt und eine Spur asozial, aber mit Hang zum Träumer – ein Gangster mit Herz. Das ungleiche Team rauft sich zusammen und funktioniert. Bissige Sprüche, eine Prise Thorwarth’scher Ruhrpotthumor vermengt mit Thorwarth’schem Gangsterfilm. Nicht so groß wie „Bang Boom Bang“, aber ebenfalls unterhaltsam.