Netflix ist für viele eine feine Sache: Der Streaming-Dienst bietet eine breite Palette an Filmen, Serien und Dokumentarfilmen, eigene wie auch fremde Produktionen. Doch Netflix ist auch ein beinhartes Geschäftsmodell. Wie hart, das bekam Dokumentarfilmer Craig Atkinson nach einem nicht zustande gekommenen Deal zu spüren.

Netflix - Nach geplatztem Deal: Netflix schikaniert Dokumentarfilmer

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Filmemacher Craig Atkinson bekam den Zorn von Netflix zu spüren
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Wer heute auf sich als Filmemacher, ganz besonders als aufstrebender, aufmerksam machen will, hat weitaus bessere Möglichkeiten als noch vor vielen Jahren. Das Zauberwort lautet Streaming-Dienst. Netflix ist unter diesen Diensten der international größte und erfolgreichste. Und um in diesem Geschäft gegen die Konkurrenz bestehen zu können, sind Eigenproduktionen unabdinglich. 50 Prozent seiner Inhalte, so das ambitionierte Ziel von Netflix, sollen in naher Zukunft Eigenproduktionen, sogenannte Netflix Originals darstellen. Dazu muss viel in Auftrag gegeben und noch viel mehr eingekauft werden. Und das betreibt das Unternehmen mit Sitz in Los Gatos, Kalifornien, mit aller Macht. Und die bekam Regiedebütant und Dokumentarfilmer Craig Atkinson zu spüren.

Ein Angebot, das man nicht ablehnen darf

Mit Do Not Resist, einem Dokumentarfilm über die zunehmende Militarisierung der US-Polizeikräfte, hat Craig Atkinson ein kontroverses Thema für sein Debüt als Regisseur gewählt, das aktueller nicht sein könnte. Ein Film, der durch die vermehrt in den Fokus der Öffentlichtkeit geratenen Gewaltfällen mit toten Schwarzen und weißen Polizisten nur umso mehr Aufmerksamkeit auf sich zog, auch die von Netflix.

Kurz vor der Weltpremiere auf dem Tribeca Film Festival im April, so Atkinson, erhielt er einen Anruf von einem Verantwortlichen bei Netflix. "Wir sprachen sehr lange über das Projekt. Die Person sagte, der Film sei enorm aktuell und dass sie an ihm interessiert seien."

Netflix wollte den Dokumentarfilm Do Not Resist als Netflix Original veröffentlichen. Dazu bot man Atkinson einen Betrag im mittleren sechsstelligen Bereich (ein niedrigerer Betrag als üblich, wie Atkinson später erfuhr), er hatte bis zum Mittag der Premiere Zeit, zuzusagen. Doch die Sache hatte einen Haken: Mit seiner Unterschrift hätte Atkinson auch jegliche Rechte an seinem Film an Netflix abgetreten, während in einem Passus festgelegt wurde, dass der Streaming-Dienst den Titel und den Film jederzeit ändern könne - und wolle.

Atkinsons Anwalt, Jody Simon, konnte den Deal zwar nochmal um 100.000 Dollar erhöhen, erfuhr aber gleichzeitig, dass sich die Angebote auf Algorithmen stützten, die normal nicht zur Diskussion stünden. Schließlich lehnte Atkinson das Angebot ab, da ihm niemand bei Netflix mitteilen konnte, was genau geändert würde, hätte er die Rechte verkauft.

"Es gibt nur einen Weg rein"

Damit war die Sache erledigt, dachte sich der junge Filmemacher. Auf dem Tribeca Film Festival, wo Atkinson mit Do Not Resist den Preis für den besten Dokumentarfilm gewann, knüpfte er sodann Kontakte zu anderen Studios und Unternehmen, um über einen eventuellen Deal zu sprechen.

Doch nach dem Festival erfuhr er, dass alle Interessenten abgesprungen seien. Der Grund: Netflix hatte den Film auf die Blacklist gesetzt. Sprich jedes Unternehmen, das den Film kaufte, konnte ihn nicht bei Netflix unterbringen, was gerade bei einem Dokumentarfilm enorm wichtig ist, um eine breite Masse zu erreichen.

Als Atkinson den Verantwortlichen bei Netflix auf einer Party antraf, sprach er ihn darauf an, woraufhin dieser entgegnete, "Es gibt nur einen Weg rein".

"Es ist ein fantastisches Geschäft für Netflix", so Atkinson. "Sag einem Filmemacher, dass es der aktuelleste Film sei, den man derzeit gesehen habe, mache ein Angebot, und wenn man den Film nicht bekommt, tue alles dafür, dass der Film von niemandem gesehen wird."

Wenige Monate später meldete sich dieser wieder bei Atkinson, entschuldigte sich und bot ihm einen erneuten Deal an, dieses Mal mit mehr Mitspracherecht. Als sich Atkinson daraufhin mit einem Netflix-Anwalt traf, um die Formalitäten zu besprechen, wusste dieser aber nichts von mehr Mitspracherecht, mit der Begründung, Netflix würde niemals die Kontrolle abgeben.

Am Ende fand Atkinson doch noch einen Abnehmer - Amazon, die den Film für einen Drittel des Betrags aufkauften, den Netflix bot und dafür offenbar keine Änderungen vornehmen werden. "Wir haben uns viel Ärger erspart, indem wir den Deal ausschlugen", so Atkinson. "Sie hätten drei Jahre an Arbeit zerstört."

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