Wie ein Bericht aufzeigt, nutzt der Weltmarktführer im Streaming-Bereich ein hartes Test-Verfahren namens Keeper-Test, um zu bestimmen, ob ein Mitarbeiter von Wert ist oder gelinde gesagt "weg kann".

Nicht nur Serien wie Iron Fist schickt Netflix ohne Skrupel in Rente

Wer 2007, als Netflix das Geschäftsmodell von Post-Verleih auf Streaming umstellte, nur 1000 Dollar in Anteile investiert hätte, wäre nun im Besitz von Anteilen im Wert von rund 110.000 Dollar. Netflix' Erfolg kommt nicht von ungefähr. Der Streaming-Dienst hat neben den bereits kalkulierten acht Milliarden dieses Jahr noch weitere zwei Milliarden in eigene Inhalte in Form von Filmen, Serien und Dokus investiert. Berichten zufolge können die Ausgaben in diesem Jahr noch auf bis zu 13 Milliarden ansteigen. Für das Unternehmen gilt es, die Nutzerbasis weiter auszuweiten und sie durch Original-Inhalte an sich zu binden.

Um die Kreativität der Mitarbeiter anzukurbeln, erhielten sie größtmöglichen Spielraum, aber auch maximale Verantwortung und Verpflichtung. Mitarbeiter dürften selbst entscheiden, wann sie Urlaub nehmen wollten und erhielten darüber hinaus Top-Gehälter, die ihnen kein anderes Unternehmen der Branche bieten könne. Dafür müssten diese aber auch von Zeit zu Zeit den sogenannten Keeper-Test bestehen. Kurz gefasst wird hierbei die Frage gestellt, ob ein bestimmter Mitarbeiter, sollte er die Firma verlassen wollen, so unersetzbar sei, dass ihn ein Manager unbedingt halten wolle. Sollte diese Frage nicht unverzüglich und ohne nachzudenken mit Ja beantwortet werden können, werde der betreffende Mitarbeiter gefeuert - natürlich nicht ohne ein großzügiges Abfindungspaket. Die zuletzt prominenteste Kündigung erfolgte durch Netflix-Boss Reed Hastings selbst: Er feuerte seinen langjährigen Mitarbeiter und Freund Neil Hunt. Der Produktionsleiter war 18 Jahre lang bei Netflix angestellt. Seine Nachfolge trat Greg Peters an.

Über 70 ehemalige und aktuelle Mitarbeiter könnten diese Vorgehensweise bei Netflix laut einem Bericht des Wall Street Journal bestätigen. In dieser Hinsicht sei Hastings "frei von Emotionen". Das Ergebnis sei laut einigen verantwortlichen Managern bei Netflix ein "Arbeitsklima der Angst".

"Wir glauben fest daran, eine Kultur von Höchstleistungen zu pflegen und den Menschen die Freiheit zu geben, ihre bestmögliche Leistung zu erbringen. Weniger Kontrollen und mehr Verantwortung ermöglichen es unseren Mitarbeitern, sich zu entwickeln, intelligentere, kreativere Entscheidungen zu treffen, was in noch besserer Unterhaltung für unsere Abonnenten resultiert", so das Unternehmen in einem Statement zum Artikel. "Auch wenn wir glauben, dass Teile dieses Artikels nicht widerspiegeln, wie die meisten unserer Mitarbeiter Netflix erleben, lernen wir ständig und arbeiten daran, uns zu verbessern."