Die Geschichte von Oscar Grant hat in Europa nicht für Aufregung gesorgt, in den USA aber schon. Es ist die Geschichte eines Mannes, der mit dem Gesetz in Konflikt gekommen ist, aber alles daran gesetzt hat, sein Leben neu und besser auszurichten. Die Geschichte eines Mannes, der angegriffen wurde und sich verteidigte. Und der das Opfer von Polizeigewalt geworden ist.

Nächster Halt: Fruitvale Station - Deutscher Trailer

Der mit bescheidenen Mitteln realisierte „Fruitvale Station“ ist ein roher, kraftvoller Film, der den Odem gerechten Furors in sich trägt. Man könnte Autor und Regisseur Ryan Coogler vorwerfen, dass er seinen Film recht manipulativ gestaltet hat, dass er unbedingt eine emotionale Reaktion des Publikums heraufbeschwören will, aber das wäre unfair und zu kurz gedacht. Denn was er hier bietet, ist eine Geschichte, wie das Leben sie geschrieben hat.

Oscar Grant (Michael B. Jordan) ist ein junger Mann, der seinen Job verloren hat, aber versucht, ihn wiederzubekommen, das er für seine Familie da sein will. Er hilft seiner Schwester, er versucht seiner Mutter ein guter Sohn zu sein und er hat noch viel vor im Leben. Aber an Silvester nimmt das Schicksal seinen Lauf. Er besteigt mit Freunden einen Zug, aber für ihn ist an der Fruitvale Station Endstation.

Nächster Halt: Fruitvale Station - Endstation eines Lebens

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 14/171/17
Oscar möchte die Beziehung zu seiner Frau - und seiner Tochter - wieder verbessern.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Die rohe Wirklichkeit

Coogler hatte von Anfang an den Ansatz im Sinn, seinen Film so realistisch wie möglich zu gestalten. Er setzt darum auf Handkamera, die den Zuschauer mitten ins Geschehen zieht und ihm das Gefühl verleiht, neben Oscar zu stehen. Dazu kommt eine Körnung des Bildes, die dem Ganzen dokumentarischen Charakter gibt.

Nächster Halt: Fruitvale Station - Endstation eines Lebens

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 14/171/17
In der Silvesternacht kommt es zu einem tragischen Zwischenfall.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Von der ersten Minute ist es so, als würde man echten Menschen zusehen, auch und gerade, weil Coogler die Figuren klar gezeichnet hat und die Schauspieler sie mit Leben erfüllen. Für seinen Low-Budget-Film konnte er ein herausragendes Ensemble verpflichten, allen voran Jordan und Octavia Spencer. Den beiden dürfte es auch zu verdanken sein, dass dieser Film hierzulande zu einer Kinoauswertung kommt, denn Arthaus-Kino wie dieses wird ansonsten häufig und gerne übersehen.

Sympathiewerte

Es dauert, bis der verheerende Moment kommt, aber Coogler stellt ihn nicht ans Ende des Films. Nach gut zwei Dritteln passiert es und Coogler zeigt, wie die Zeit unmittelbar nach diesem von der Polizei verübten Mord gewesen ist. Dass man das Ende der Geschichte kennt, ändert nichts an ihrer Wucht, unter Umständen hilft es dem Film sogar, da man hier normalen Menschen in normalen Situationen zusieht, aber weiß, dass ein Damoklesschwert über ihnen hängt.

Nächster Halt: Fruitvale Station - Endstation eines Lebens

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 14/171/17
Oscar wird hervorragend in Szene gesetzt - von Schauspieler und Drehbuch.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Jordan und seine Ko-Stars verstehen es, Oscar und seine Freunde lebendig werden zu lassen. Man findet ihn und seine Familie sympathisch, weswegen das Ende umso mehr reinhaut, da man fassungslose Wut empfindet ob der Tat, die ganz offenbar rassistisch motiviert war.

Coogler nimmt sich natürlich ein paar Freiheiten – die kleine Episode mit dem Hund –, hatte jedoch Zugang zu Oscars Familie und konnte sich in die Akten zu diesem Fall vertiefen, wozu auch Videomaterial gehört, das den Zwischenfall zeigt. Denn die Polizei handelte, wie sie es tat, obwohl zahlreiche Handy-Videos auf sie gerichtet waren. Man sollte meinen, dass eine derartige Öffentlichkeit Unschuldigen etwas Schutz bieten würde, aber die Realität sieht anders aus.

Sicherlich darf man annehmen, dass Oscar in etwas zu gutem Licht gezeichnet wird, aber das ändert nichts daran, worum es in diesem Film wirklich geht: Dass im Westen Schwarzen noch immer mit Ressentiments und mehr oder minder offen zu Schau gestelltem Rassismus begegnet wird. Wäre Oscar Grant weiß gewesen, würde er heute sehr wahrscheinlich noch leben.