Hollywood kann schon ein kalkulierendes Biest sein, zum Beispiel mit dem dritten Teil einer Filmreihe, die nach wie vor niemand will und trotzdem ein enormer Box-Office-Erfolg ist. „Nachts im Museum“ war schon immer kantenlose, perfekt inszenierte Multiplex-Berieselung, jovial pendelnd zwischen sehenswerten Spezialeffekten, albernen Gags und einem popcornhaften Geschichtsverständnis, das Vergangenheit auf Disneyfizierte Karikaturen reduziert. Mit anderen Worten: Das weihnachtliche Kinobudget sollte nur dann für „Nachts im Museum 3“ investiert werden, wenn die im Schlepptau quengelnden Racker kurz vor der standesrechtlichen Erschießung stehen.

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Kalkulation auf allen Ebenen

Kalkuliert perfekte Unterhaltung, eingezäunt durch zahllose kreative Meetings, bei denen vor allem festgelegt wurde, was alles nicht geht. Und wie man den Rest so unmöglich rund und voll machen kann, dass es einfach keine Pause gibt, und sich am Ende die ganze Bande lachend an die Hände fasst. Alles ist dann gesagt, alles ist dann getan...und ein minimaler Bruch kündigt gleich die nächste „Trilogie“ an, sofern denn die Kinos bei Teil 3 immer noch voll sind – was mit der relativen Brille sicher der Fall sein wird, und sei es nur, weil die Anzahl quengelnder Racker und genervter Eltern stetig nach oben steigt.

Nachts im Museum 3: Das geheimnisvolle Grabmal - Der Höhepunkt der ungewollten Trilogie: ein im Strahl pullernder Affe

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Einer der prägnantesten historischen Neuzugänge: Sir Lancelot (Dan Stevens).
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„Nachts im Museum 3“ vereint Lacher, Emotionen und Thrills, zumindest in den kreativen Meetings, und überzieht dann diese lobenswerten Reaktionen mit einem unschönen Plastikgeruch, der über die Nüstern auf überraschungsfreie Krachunterhaltung herunterpegelt. Man weiß einfach ganz genau, was einen hier erwartet, in jeder einzelnen Sekunde des Geschehens - und auch, wenn das Gezeigte aufwändig in Szene gesetzt ist, bleibt dennoch der ermüdende Eindruck völliger Sicherheit. Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass der ohrfeigende Affe aus Teil 2 auch ein begnadeter Strahlpinkler ist? Genau: alle. Weil es einfach total lustig ist.

Britisch versus amerikanisch

Die große inhaltliche Neuerung bei „Nachts im Museum 3“ ist die Umsiedlung ins British Museum nach London, was natürlich etliche Kulturreibereien ermöglicht und etliche neue Helden der Historie einführt, unter ihnen Merenkahre (Ben Kingsley), Sir Lancelot (Dan Stevens) und einen von Ben Stiller gespielten Neandertaler. Der Grund für die Reise ist die magische Tafel, die das mit der Erweckung der Museumsstücke nicht mehr ganz richtig hinbekommt, und schon sind sämtliche Weichen gestellt für „Lacher“, „Emotionen“ und „Thrills“ - zum Beispiel in Gestalt von Rebel Wilson, die mit ihrer unterirdischen Vorstellung (als „britische“ Museumswächterin/ stark untersext) locker alle sechs Anführungszeichen auf sich vereinen kann.

Nachts im Museum 3: Das geheimnisvolle Grabmal - Der Höhepunkt der ungewollten Trilogie: ein im Strahl pullernder Affe

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Typische britisch: Ricky Gervais und Rebel Wilson.
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Lacher heißt hier „kindischer Slapstick, gerne auch gepolstert mit CGI“, die Thrills sind selbstverständlich völlig gefahrenlose Rides, die in ihrer Dauerpanik verzweifelt nach Luft hecheln, und dieses Emotionen-Dingens steht zum Beispiel für die Beziehung zwischen Ben Stiller und seinem Sohn. Während der Papa, natürlich alleinerziehend, seinem Kind den Wert einer Ausbildung vermitteln möchte, strebt jener welcher lieber eine Karriere als DJ auf Ibiza an. Ja, wirklich – weswegen man es Ben Stiller gar nicht hoch genug anrechnen kann, dass er hier anscheinend eine tiefere Rolle durchgedrückt hat und damit den Kids, die einfach nur ein wildgewordenes Museum sehen wollen, etwas Stoff zum Nachdenken auf den Weg gibt.