Eines muss man Karl Mueller, halbwegs bekannt für sein Drehbuch zu „The Divide“, zugutehalten. Er hat zumindest versucht, eine Geschichte zu erzählen, die origineller ist als bei dieser Art Film üblich. Diese Art? Klar, wir befinden uns mal wieder im Wackelbild-Reich des Found Footage. Nur dass der Film sich nie so recht entscheiden kann, was er eigentlich sein will.

Mr. Jones - Deutscher Trailer

Scott (Jon Foster) möchte das normale Leben hinter sich lassen. Seine Freundin Penny (Sarah Jones) begleitet ihn mitten in die Wildnis, wo sie in einer Hütte leben und an einem Dokumentarfilm arbeiten. Aber dann verlässt Scott die Inspiration. Er hat schon lange nichts Neues mehr gedreht, als ihm ein vermummter Mann begegnet, der seinen Rucksack stiehlt.

Zusammen mit Penny sucht er nach ihm und findet eine Hütte. Der Mann ist nicht da, weswegen Scott und Penny sich genauer umsehen. Im Keller finden sie zahlreiche schreckliche Skulpturen. Penny, die als Fotografin tätig ist, erkennt, dass es sich um die Kunstwerke von Mr. Jones handelt.

Mr. Jones - Von unheimlichen Nachbarn und Vogelscheuchen

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Der Film erscheint am 29.08.2014 auf Blu-ray und DVD.
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Er ist ein geradezu legendärer Künstler, sozusagen der Banksy seiner Zeit, dessen Identität nie aufgedeckt worden ist und der in den 70er Jahren Vogelscheuchen an wildfremde Menschen verschickt hat. Scott und Penny wollen nun einen Dokumentarfilm über Mr. Jones machen, aber sie haben keine Ahnung, worauf sie sich da wirklich eingelassen haben. Denn Mr. Jones ist mehr, als er zu sein scheint.

Zwei Filme in einem

Im Grunde hat man bei „Mr. Jones“ gleich zwei Filme auf einmal, die aber miteinander nicht so richtig harmonieren mögen. In den ersten zwei Dritteln ist es ein klassischer Found-Footage-Stoff, bei dem aber sehr viel Sorgfalt darauf verwandt wurde, immer sicherzustellen, dass die Kameraeinstellungen möglich sind, dass nicht getrickst wird, dass alles real erscheint. Das ist gut gemacht und funktioniert im Rahmen einer Mockumentary, die der Film zu diesem Zeitpunkt auch ist, ganz gut.

Mr. Jones - Von unheimlichen Nachbarn und Vogelscheuchen

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Scott (Jon Foster) will eigentlich nur einen Dokumentarfilm drehen.
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Er bietet Interviews mit Leuten, die mit den Kunstwerken von Mr. Jones zu tun hatten. Das hat Potenzial, wird hier doch angedeutet, dass Mr. Jones nicht einfach nur ein Künstler ist, sondern dass seine Werke eine magische, vielleicht böse Komponente besitzen. Mueller hätte gänzlich in diese Richtung gehen können. Das Mysterium um Mr. Jones wäre mehr als ausreichend gewesen, um für Spannung zu sorgen. Aber der Regisseur wollte mehr.

Eine gute erste Hälfte wird von einem miesen letzten Drittel mit in den Abgrund gerissen.Fazit lesen

Im letzten Drittel zerschießt er dann sein so sorgfältig aufbereitetes Found-Footage-Format, indem er die Kameras auf eine Weise positioniert, die nicht möglich ist. Sie bewegt sich, aber sowohl Scott als auch Penny sind im Bild. Nun könnte man zwar argumentieren, dass beide sich in einer Art Traumwelt bewegen, in denen die Regeln der Physik nicht mehr gelten. Da es aber immer auch wieder zu Filmstörungen kommt, greift das eben nicht. Dieser Teil des Films ist nach wie vor Found Footage, dürfte aber nicht existieren. Stört man sich daran, implodiert der ganze Film.

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Eine von Mr. Jones' (Mark Steger) gruseligen Schöpfungen.
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Rumlaufen, kreischen, wackeln

Das letzte Drittel von „Mr. Jones“ ist ein reines Ärgernis. Was halbwegs gut begann, wird dann plötzlich zu einer ewig langen und unendlich langweiligen Aneinanderreihung von Szenen, in denen die beiden Protagonisten herumirren, suchen, fliehen, Dinge sehen, kreischen und noch mehr herumlaufen. Der Film mäandert, er kommt hier nicht auf den Punkt. Stattdessen hat man das Gefühl, dass Mueller nichts mehr einfiel und er mit dieser Sequenz das Werk einfach auf Filmlänge strecken wollte.

Das vage Ende hätte man auch etwas früher erreichen können, wobei es dann vielleicht sogar etwas mehr Wirkung gezeigt hätte. So verpufft es praktisch völlig, und das umso mehr, da ein paar Interviewbrocken, die am Ende gezeigt werden, klar machen, dass Scott längst wusste, was vor sich geht, das aber der Einfachheit halber einfach vergessen hat.