Da denkt man angenehm Böses, wenn man das Cover von „Mother“ erblickt, und bekommt dann etwas völlig Anderes. Nämlich keinen Slasher mit einer verdammt finster dreinblickenden Daryl Hannah und einem großen Küchenmesser, sondern ein Lifetime-Drama um die Gefahren sozialer Netzwerke. Der Originaltitel des Films: „Social Nightmare“. Die zuständige Produktionsfirma: The Asylum. Das deutsche Cover: Eine ganz schön dreiste Irreführung, die zudem noch wesentlich mehr verrät, als es der Zuschauer zunächst wahrhaben möchte.

Mother - Sie schlägt zurück - Official Trailer

Soziale Alpträume

Denn mal abgesehen von einer lachhaften 3D-Konvertierung, die Daryl Hannahs Plastiknase besonders hübsch zur Geltung bringt: „Mother“ ist vor allem ein Whodunit-Film. Ein völlig abstruser und krass überzeichneter Whodunit-Film, aber ein Whodunit-Film. Der eine Person finden möchte, die skrupellos genug ist, einer blonden 1+-Schülerin die Hölle heiß zu machen. Indem sie alles sabotiert, was ihr bisheriges Leben so wunderbar gemacht hat. Und dazu natürlich ein verdammt finster dreinblickendes Gesicht aufsetzt.

Hmm, großes Kopfkratzen, gefolgt von „nein, absolut kein blasser Schimmer.“ Das Cover von „Mother“ appelliert lediglich an den Schnappkaufreflex ewiger „Kill Bill“-Fans und zeigt Daryl Hannah in einer großen, dramatischen Rolle – als besorgte Mutter, deren Tochter Cat (Kirsten Prout) eigentlich alles richtig macht, inklusive nettem Freund, perfekter Noten, einem College-Stipendium und allgemeiner Beliebtheit. Ein blondes All-American-Girl, das natürlich auch in sozialen Netzwerken unterwegs ist. Und dort auf einmal auf einen fiesen Eindringling trifft, der ihre All-American-Welt innerhalb kürzester Zeit dem Erdboden gleichmacht.

Mother - Sie schlägt zurück - Mutter weiß es am besten...

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Blond und unglaublich nett: Cat (Kirsten Prout).
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Cat bezeichnet ihre Freunde als „Loser“, sie erstellt Listen, die Geheimnisse offenbaren und irgendwann kommt dann die stramme Behauptung, dass die behinderte Schwester ihres Freundes gerne Geschlechtsverkehr hat. Oha. Das soziale Netzwerk Buddyme (Facebook war gerade nass) wird zu einem digitalen Schlachtfeld, das Cats Leben umgehend zerlegt.

Anscheinend ist es ihren Mitmenschen völlig egal, was die Frau sonst so macht und tut, einzig von Bedeutung sind die online auftauchenden Giftspitzen. Ihre Lehrerin, Mrs. Langran (Rachel True), sagt zwar zunächst, dass diese Attacken Cat so gar nicht ähnlich sehen, doch schon kurz danach heißt es lapidar: „Deine Behauptung, dass jemand dein Leben sabotiert, macht einfach keinen Sinn.“

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Nur MUTTER hält zur Tochter, der Rest zückt erst mal das Handy.
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Zeitgemäßer Barock

„Cyber Mobbing“, wie's so schön auf Neudeutsch heißt, ist tatsächlich ein aktuelles und spannendes Thema – das ist den Klauen von The Asylum absolut nichts verloren hat. Zur Ehrenrettung dieser Produktionsfirma sei zwar angemerkt, dass der Film anscheinend eine Auftragsproduktion von Lifetime war, doch trotzdem nähern wir uns hier der Basis. Der Low-Budget-TV-Film-der-Woche-Basis, die unter dem Banner der zeitgemäßen Thematik ein kreuzbraves Allerweltsfilmchen auflaufen lässt, dessen IQ sich gezielt dem der gehirntoten Zuschauer solcher Zeigefingerfabeln anpasst.

Was macht man mit einem kleingeistigen TV-Drama über Cyber Mobbing? Man vermarktet es als Slasher!Fazit lesen

In „Mother“ wird jedes kleine Problem sofort zu einem Megadrama hochgeschraubt. Kein Mensch scheint auf die Idee zu kommen, dass Cats Account tatsächlich gehackt wurde. Der Täter (immer noch: ?) hat seltsamerweise genügend Computer-Kenntnisse, um all die bösen Dinge zu tun, aber kommt dann nicht auf den Trichter, die ganzen Beweise mal von der Festplatte zu löschen. Aussagen wie „xy ist schwul“ bewirken anscheinend immer noch zerstörte Existenzen, zumindest im kreuzbraven Amerika des Films. Da, wo die Polizei, wenn man sie anruft, nach zehn Sekunden auf der Matte steht. Da, wo jedes Problem mit einem warmen Mac n' Cheese gelöst werden kann. Da, wo empörte beste Freundinnen Sätze sagen wie: „Ich bin nicht diejenige, die ihre ersten, verletzlichen und auf Vertrauen basierenden sexuellen Versuche der ganzen Welt zum Fraß vorwirft.“

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Einst „Splash“ und süß, jetzt MUTTER und Halbgott-Fan: Daryl Hannah.
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Ja, in „Mother“ reden Teenager untereinander so. Dass Cats Freund Bilder von ihr herumschickt, ist sicher eine miese Nummer, aber die darauf folgende Predigt noch viel mehr. Hauptsache erst mal richtig, richtig dick aufregen, dann ist irgendwann ein Hysterielevel erreicht, dass diesen immerhin unterhaltsamen Quatsch plausibel macht.

„Cyber Mobbing“ für Röhrenfernseher im Bible Belt, und als Auflösung dann eine absolute Minusüberraschung, die einzig durch ihre schier irre Motivation ein kleines Schmunzeln erzeugen kann. Mutter weiß es einfach am Besten, selbst auf Kosten eines schönen Spiegels und der festgezurrten Einheitsvisage von Daryl Hannah, die anscheinend arbeitssam genug ist, um selbst solchen trivialen Schotter mit einer aberwitzig verkorksten Vergangenheit zu beglücken.