Johnny Depp hatte es nicht gerade leicht in den letzten Jahren, zumindest was die Box-Office-Zahlen seiner Filme betrifft. Nach vier Hauptrollen-Flops in Folge („Transcendence“, „Lone Ranger“, Dark Shadows“ und „Rum Diary“) wäre jetzt höchste Zeit für einen neuen Hit. Das Problem dabei: „Mortdecai“ ist alles andere als ein glasklarer Knaller, sondern vielmehr eine drollige Klamotte, der eher früher als später der Brennstoff ausgeht.

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Nimm das Ding da weg!

Die Basis des Films ist eine zwischen 1973 und 1979 entstandene Romantrilogie von Kyril Bonfiglioli, deren erster Teil, „Nimm das Ding da weg“, die konkrete inhaltliche Vorlage hier liefert. Die Figur des Charlie Mortdecai ähnelt dabei dem Autor, sind, beziehungsweise waren beide doch britische Kunsthändler, die sich mit viel Witz und hinterlistiger Schläue ein vornehmes Leben ermöglicht haben.

Mortdecai - Der Teilzeitgauner - Eine Teilzeitkomödie, featuring Johnny Depps Zwirbelschnauzer

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Also wenn der Kato, äääh, Jock Strapp (Paul Bettany) nicht wäre...
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Der filmische Mortdecai allerdings ist eigentlich pleite, weswegen er auch gerne Inspektor Martland bei der Suche nach einem gestohlenen Gemälde assistiert. Zusammen mit seinem Assistenten Strapp geht es unter anderem nach Moskau und Los Angeles, wo dann keine Gelegenheit ausgelassen wird, den „exzentrischen“ Zwirbelschnauzer mit anderen pompösen Karikaturen, wie zum Beispiel einem rücksichtslosen russischen Oligarchen oder einem habgierigen amerikanischen Milliardär, zu konfrontieren.

Inspektor Green Hornet

Die Figur des Mortdecai erscheint wie geschaffen für Johnny Depp, darf der Mann doch hier seine liebsten Markenzeichen auftragen: schräge Klamotten, schräge Kopfbehaarung und dazu dann mannigfaltige charakterliche Querschläger, unter anderem in Form von Grimassen, einem komischen Sprachduktus und nicht immer logischen Handlungen. Ein typischer britischer Lord also, zugleich hochnäsig und tollpatschig, für immer verloren in einer „Austin Powers“-mäßigen Zeitschleife.

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Die zwei ohne Plan: Inspektor Martland (Ewan McGregor) und Mortdecais Frau Johanna (Gwyneth Paltrow).
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Man könnte meinen, dass Mortdecai speziell für Johnny Depp geschrieben wurde, doch ein erneuter Blick auf das Entstehungsjahr des Buches verrutscht die erste Assoziation hin zu Peter Sellers und speziell Inspektor Clouseau – auch wegen des Assistenten Strapp (Paul Bettany), dessen von Fallen und Fast-Toden geprägter Leidensweg frappierend an Cato erinnert. Und dann natürlich auch, das Popkultur-Rad wird noch etwas weiter gerattert, an Kato, den Assistenten von Green Hornet.

Der Schweiß der siebziger Jahre

Man kann sich richtig vorstellen, was Peter Sellers aus der Rolle gemacht hätte, und findet vieles davon auch bei Johnny Depp wieder. Das Problem dabei ist nur, dass Depp diese Art von Rolle schon einmal zu oft gespielt hat und auch nicht unbedingt das begnadete Timing von Sellers mitbringt. Vor 10 Jahren wäre Mortdecai wahrscheinlich als weiterer Beweis für die Wandlungsfähigkeit seines Darstellers gewertet worden. Heute dagegen wünscht man sich einfach mal wieder einen Johnny-Depp-Film, in dem der Mann sein natürliches Charisma zeigen darf.

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Nur echt mit Grimasse und Zwirbelbalken: Johnny Depp.
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Aber nun gut, eine weitere Runde Exzentrik, verpackt in eine Komödie, die ebenfalls wie irgendwann eingefroren und jetzt wieder aufgetaut erscheint. „Mortdecai“ gibt sich wie ein typischer siebziger-Jahre-Caper, irgendwo zwischen launiger „stiff upper lips“-Gesellschaftssatire und zunehmend albernen Actionturbulenzen. Schiefe Charaktere, angetrieben von ausufernder Planlosigkeit, verrennen sich in halsbrecherische Eskapaden. Hier dürfen Frauen noch Sexbomben sein und Motorrad-Beiwägen noch schräg in der Luft hängen.

Heldenhafte Komik

All das ist selbstverständlich willkommen, wenn da nur nicht das altbekannte Kippen des Films Richtung straighter Action wäre. Es scheint auch bei „Mortdecai“ unmöglich, die anfänglich aufgebaute Blödelbalance bis zum Ende durchzuziehen, relativ rasch sogar schwenkt man lieber auf einen naiven Kunstraub-Krimi, der die Hintergründigkeit der Charaktere in pulpige Ausrufezeichen verwandelt. Und dazu dann halt viel Krach auftischt, nicht ganz unähnlich übrigens einem weiteren Sellers-Riff, den „Johnny English“-Filmen mit Rowan Atkinson.

Ein schräger Antiheld mit Ruhm und heroischen Taten am Revers, akustisch getragen von karikaturhaften Klischees, die sowohl Briten als auch Amis und Russen uralte Merkmale zuweisen. Ab und an mag das spitz pointierte in Johnny Depps Stimme sogar zünden, doch vor allem erscheinen die Dialoge wie bemühter Retro-Klamauk, dem die zwangsweise grausige deutsche Synchro keinen entscheidenden Gefallen tut. Ein Film, der ständig darauf pocht, voll die abgedrehte Nummer zu sein, und dann die comichafte Schraube des öfteren einen Tick zu weit Richtung „ach, einfach köstlich!“ anzieht, landet zu schnell beim ungeliebten Gegenteil: bemühtem Humor, auch genannt Langeweile.