Angesichts von George Clooneys bisherigen Regie-Arbeiten durfte man durchaus gespannt sein, was er aus einem Stoff wie „Monuments Men“ machen würde. Der Film sollte eigentlich schon 2013 debütieren, wurde jedoch nicht fertig. Damals dachte man noch, er wäre ein heißer Oscar-Kandidat. Mit der Verschiebung kommt man auch um die Peinlichkeit herum, bei den großen Preisverleihungen zu Recht vergessen zu werden. Wenn die nächstjährigen Oscars kommen, wird schon lange niemand mehr an „Monuments Men“ denken.

Monuments Men - Ungewöhnliche Helden - Deutscher Trailer #22 weitere Videos

Die Geschichte basiert auf wahren Ereignissen. Das hat so viel Aussage, wie dies bei Hollywood zumeist der Fall ist. Auf gut Deutsch heißt das: Der Film nimmt sich an allen Ecken und Enden Freiheiten, mit der Wahrheit hat er nur noch peripher etwas gemein.

Erzählt wird von den Monuments Men, einer Einheit der US-Armee, die auf Anregung eines Kunsthistorikers ins Leben gerufen wurde. Sinn und Zweck der Einheit ist es, beim Vormarsch der alliierten Truppen auf dem Kontinent dafür zu sorgen, dass Bauwerke von großer historischer und kultureller Bedeutung nicht dem Bombenhagel zum Opfer fallen.

Monuments Men - Ungewöhnliche Helden - George Clooney und die Jäger der verlorenen Schätze

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 6/91/9
George Clooney hat seinen Film hochkarätig besetzt.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Nach der Landung der Alliierten in Frankreich müssen die Monuments Men jedoch herausfinden, dass die Nazis Kunstwerke in rauen Mengen gestohlen haben und nun damit beschäftigt sind, sie auf deutschen Boden zu bringen. Mit Hilfe der Französin Claire Simone machen sich die Monuments Men nun daran, quer durch Europa diesen Kunstwerken nachzujagen, um zu verhindern, dass sie in den Wirren des Kriegs und durch die Machenschaften der Nazis für alle Zeiten verschwinden.

Großer Aufwand, aber unendlich enttäuschend

„Monuments Men“ ist nicht so extrem schlecht geworden, wie man das angesichts erster Kritiken aus den USA befürchten musste. Aber: er ist schlecht. Und schlimmer noch, er ist immens enttäuschend, denn die Geschichte hätte durchaus das Zeug gehabt, für einen großen, einen epischen, einen nachhaltigen Film Pate zu stehen. Herausgekommen ist jedoch eine Art „Ocean’s Eleven“ im Zweiten Weltkrieg, dabei aber oftmals anmutet wie eine Parodie.

Packshot zu Monuments Men - Ungewöhnliche HeldenMonuments Men - Ungewöhnliche Helden

Dass man sich extreme Freiheiten bei der historischen Wahrheit nimmt, ist hier ein immenser Minuspunkt. Denn die Geschichte der Monuments Men ist dramatisch und wichtig. In diesem Film wird sie aber zu einer Art Lustspiel, das einfach nicht ernst zu nehmen ist.

Monuments Men - Ungewöhnliche Helden - George Clooney und die Jäger der verlorenen Schätze

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 6/91/9
Historisch korrekt? ... Eher nicht.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Dafür sorgt auch die Besetzung. Schon allein wegen der Vielzahl an bekannter Namen fühlt man sich an „Ocean’s Eleven“ erinnert, nur dass die Figuren dort allesamt ausgearbeitet waren. Hier sind sie Schablonen. Was man in „Monuments Men“ sieht, sind Bill Murray, John Goodman, Jean Dujardin und Matt Damon in Zweiter-Weltkriegs-Uniformen. Aber ihre Figuren erwachen nie zum Leben. Sie erfahren tatsächlich so wenig Charakterisierung, dass man sich kaum an ihre Rollennamen, geschweige denn ihre Funktion im Film erinnern kann.

Ewiger Aufbau

Problematisch ist, dass der Film nicht in die Gänge kommt. Selbst zur Halbzeit hat man immer noch das Gefühl, sich im ersten Akt zu befinden. Die Hauptgeschichte fängt derart spät an, dass man ob all der Exposition ohnehin kaum noch Interesse an diesem Mummenschanz hat.

Monuments Men - Ungewöhnliche Helden - George Clooney und die Jäger der verlorenen Schätze

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 6/91/9
Ein Film, den man sich schenken kann.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Während man sich noch langweilt, kann man sich zumindest Gedanken über die Logik des Films machen. Dass Örtlichkeiten nicht im Mindesten dem entsprechen, wie sie in Wahrheit sind (Stichwort: Heilbronn) kann man ja noch hinnehmen, die Szene, in der ein Deutscher gegenüber den Amerikanern versucht, sich mit Englischkenntnissen anzubiedern, ist jedoch peinlich. Denn seine Kenntnisse beziehen sich auf einen Namen: John Wayne.

Historische Akkuratesse? Geschenkt. George Clooney macht einfach, was er will. Ocean’s Eleven im Zweiten Weltkrieg, aber dümmlich und fade.Fazit lesen

Zwar ist es wahr, dass John Wayne in den USA im Jahr 1944 schon ein Star war, er wurde es aber erst 1939 mit „Stagecoach“. Zuvor hat er nur in halbgaren, billigen B-Western mitgespielt, die in Deutschland nicht zu sehen waren. Ein Deutscher des Jahres 1944 konnte John Wayne praktisch nicht kennen. Das ist nur eine Kleinigkeit, aber es illustriert sehr schön, wie schlampig dieser Film gestaltet ist.