„Monsters“ hieß ein für schmale 15.000 US-Dollar produzierter Independent-Film von 2010, „Monsters: Dark Continent“ heißt dessen Fortsetzung von 2015. Mit größerem Budget, aber weiterhin eher geringen Schauwerten wechselt sie Handlungsort, Figuren und auch gleich das ganze Genre aus – die Sci-Fi-Romanze des Vorgängers ist einem Kriegsfilm gewichen, in dem es allenfalls am Rande um außerirdische Bedrohungen geht.

Monsters: Dark Continent - Official Trailer #1Ein weiteres Video

Make War, Not Love

Ein Großteil der paarungsfreudigen Krakenwesen hat es sich mittlerweile rund um den Erdball gemütlich gemacht, seine „infizierten Zonen“ reichen längst bis tief in den Nahen Osten. Weil aber die US-Regierung (oder das, was von ihr übrig ist) anderen Ländern offenbar nicht zutraut, der Alien-Invasion selbstständig Herr zu werden, spielt sie auch (beziehungsweise erst recht) im extraterrestrischen Ausnahmezustand noch Weltpolizei.

Monsters: Dark Continent - Mogelpackung statt Monsterparty

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Majestätische Aliens: Beim ersten Flug über das vermeintliche Feindgebiet gibt es tatsächlich auch ein paar Monster zu sehen. Das muss offenbar für zwei Stunden reichen.
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An die Stelle des überforderten Liebespaares, das sich nahe der mexikanisch-amerikanischen Grenze in Sicherheit zu bringen versucht, treten jetzt also gleichsam überforderte Soldaten im Auslandseinsatz. Dem zivilen weicht ein militärischer Blick auf das apokalyptische Szenario, die Konflikte bleiben indes weiterhin allzu menschlich. Wer den Frieden störe, heißt es einmal, müsse bekämpft werden. Als stecke darin eine glasklare Logik.

Junge vergnügungssüchtige Rekruten stehen im Mittelpunkt der Handlung. Sie geraten in einen Hinterhalt örtlicher Bewohner – die wir wohl als Terroristen begreifen sollen, obwohl zunächst eigentlich nicht viel dafür spricht – und suchen nach verschleppten Kameraden, die ins sichere „Camp Renegade“ zurückgebracht werden müssen (ob nun tot oder lebendig, das wird sich zeigen).

Monsters: Dark Continent - Mogelpackung statt Monsterparty

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Weinen und Schreien: Die Verzweiflung der beiden Soldaten Inkelaar und Frater ist so groß, dass sie ihr Publikum auch alle zwei Minuten daran erinnern müssen.
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Verständlicherweise stößt die Präsenz sowohl fremder Kreaturen als auch spürbar feindlich gesinnter US-Soldaten bei der einheimischen Bevölkerung auf wenig Begeisterung. Das dämmert selbst dem nicht sehr hellen Inkelaar (Kyle Soller), der die Mission schon zu Beginn in Frage stellt (über einen sehr redseligen Voice-Over), sich mit seinem Vorgesetzten Frater (Johnny Harris) aber dennoch durch einen Haufen „orientalischer“ Kinoklischees ballert.

Im Dauergefecht der Kriegsparteien treten die Monster nicht als Antagonisten, sondern stille Beobachter auf. Sie bleiben distanziert, ziehen herdenweise durch die Wüste, streifen das Geschehen des Films eher sporadisch. Dass diese anmutigen, wahrscheinlich auch friedlichen Wesen lediglich damit beschäftigt scheinen, sich auf der Erde ein Zuhause einzurichten – alles tatsächlich Monströse also Menschen vorbehalten ist –, weiß man ja aus dem Vorgänger.

Monsters: Dark Continent - Mogelpackung statt Monsterparty

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Überreste dessen, was mal aufregende Sci-Fi-Action versprach: Aliens und Film liegen durchweg in Schutt und Asche.
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Poesie im Wüstensand

Viel hat das Sequel dieser sehr alten Genreerkenntnis nicht hinzuzufügen. Begreift man die gezielte Abwesenheit der Titel gebenden Kreaturen als Idee, an der irgendein (geopolitischer) Zustand der Welt festgemacht werden soll, verbleibt dennoch nur ein theoretisch interessanter Film. Selbst dafür nämlich spielen die außerirdischen Invasoren bzw. Nicht-Invasoren eine viel zu untergeordnete Rolle – der Film stellt mit ihnen schlicht und ergreifend nichts an.

Zu seinen irdischen Figuren fällt ihm noch weniger ein. Sie sind auffallend doof, haben nichts außer Infantilitäten im Kopf, benehmen sich wie Arschlöcher. Für Protagonisten der vermeintlichen Gegenseite interessiert sich „Monsters: Dark Continent“ nicht die Bohne, menschlich Erträgliches findet in der Handlung keinen Platz. Nur eine Szene nutzt diesen Umstand für so etwas wie Poesie, wenn die Monster zum andächtigen Staunen der Erdbewohner fluoreszierende Sporen in den nächtlichen Himmel absondern.

Poetisch gemeint sind vielleicht auch jene zahlreichen Zeitlupen des Films, die sich weinenden oder schreienden Soldaten, Pferden im Wüstensand, vorbeiziehenden Vögeln und einem in Jesus-Pose am Wasserfall badenden Rekruten widmen. Aber sie suchen so quälend kunstgewerblich nach richtigen Bildern für alles Falsche, dass der öde Plot des Films nichts weiter findet als eine (un-)angemessen stumpfsinnige Ästhetik.

Stupider Kriegsfilm, in den sich ab und an mal ein Alien verirrt. Nicht blinzeln, sonst verpasst man es!Fazit lesen

Gareth Edwards drehte „Monsters“ 2010 quasi in Personalunion. Es war eine Herzensangelegenheit, die ihn mit wenigen Mitteln zu kreativer Höchstleistung animierte und als fähigen Regisseur für Big-Budget-Projekte wie „Godzilla“ oder das kommende Star-Wars-Spin-off „Rogue One“ empfohlen hat. Seinem Nachfolger Tom Green, bisher ausschließlich für britische TV-Serien wie „Misfits“ tätig, droht erst einmal wohl keine Hollywoodkarriere.