Wenn junge Mädchen plötzlich eine schlechte Gesichtshaut bekommen, Unanständiges mit ihrem Körper treiben, sich so gar nicht ladylike ausdrücken und erbsensuppeähnliches reihern liegt das natürlich nicht an der Pubertät, sondern in der Regel an einem fiesen Dämon. Und um das ursprünglich einst so stolz machende Küken wieder herzustellen, braucht es einen Pfaffen mit Exorzisten-Sonderschulung, der mit Weihwasser-Gespritze und Psalmengemurmel den Tag rettet. William Friedkins Alltime-Klassiker „Der Exorzist“ lieferte 1973 die Blaupause und Ableger wie zum Beispiel „Der Antichrist“ (1974) oder „Malabimba – Vom Satan Besessen“ (1979) die ebenso unterhaltsamen Kopien. Ein schönes Mini-Genre jedenfalls, irgendwo zwischen absoluten Konservatismus und totaler Versautheit.

Molly Hartley 2 - The Exorcism - Official Trailer #1

Plot-Gulasch
Das Dämonen-Opfer in „Molly Hartley 2“ ist zwar mittlerweile erwachsen geworden (dieses Mal gespielt von Sarah Lind, die ihrem jüngeren Ich aus Teil 1 nicht mal ansatzweise ähnlich sieht), aber der Ablauf ist der Gleiche. Molly hatte in Teil 1 entdeckt, dass ihre Seele dem Teufel versprochen ist und sie mit dem 18. Lebensjahr zum Höllenfürst geholt werden soll. Warum der ihr – 6 Jahre sind mittlerweile vergangen – in der Zwischenzeit erstmal zu einer erfolgreichen Karriere verholfen hat, ist nicht ganz klar und wieso sie Satan plötzlich gebären soll ebenso wenig, aber hey, nicht nur Gottes Wege sind unergründlich, auch der Teufel hat so seinen eigenen Masterplan.

Molly Hartley 2 - The Exorcism - Von Erbsensuppen-Kotze, Gruppensex und schlechter Gesichtshaut

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Unfassbar! Besser als Teil 1!
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Jedenfalls schlägt Beelzebub eines Tages heftig zu: Zwei Freunde werden mausetot in ihrer Wohnung aufgefunden und Molly weiß absolut nicht wieso. Weswegen es dann auch schnurstracks in die Psychiatrie geht, wo die Show startet: Schlechte Gesichtshaut, finstere Ansagen mit tiefer gelegter Stimme und ein (verdächtig nach CGI aussehender) grüner Schwall Erbrochenes. Aber zum Glück sitzt ein paar Zellen weiter zufälligerweise ein Exorzist (gespielt vom einstigen „Final Destination“-Star Devon Sawa), der vor ein paar Jahren schon eine Austreibung vermasselt hat und die Irrenanstalt dem Knast vorzog.

Mal abgesehen von der schwachen Anbindung an Teil 1: Eine vom Teufel Besessene soll in einer Psychiatrie von einem vermeintlich geisteskranken Pfarrer einen Exorzismus verpasst kriegen. Man merkt spätestens an dieser Stelle, dass man den Plot vielleicht nicht ganz so verkniffen nach Plausibilität abklopfen sollte.

Fortsetzung des fadesten Horrorfilms aller Zeiten

„Molly Hartley - Pakt mit dem Bösen“ (auch bekannt als „Molly Hartley - Tochter des Satans“) von 2008 darf sich rühmen einer der wohl fadesten Besessenheits-Horrorfilme aller Zeiten zu sein. Regisseur Mickey Liddell meinte es besonders gut und vermischte das mit aalglatten Hochglanzpappaufsteller-Akteuren besetzte Horrorfilmchen mit soapigen Teenie-Drama-Elementen, weswegen der Zuschauer eher einen Pakt mit der Langeweile schloss: Der Labermarathon spülte an der Kinokasse zwar durchaus ein winzigkleines bisschen Geld ein, wurde aber von Kritik wie Publikum in Grund und Boden getreten. Für Liddell blieb es dann auch nur bei diesem einen Film, er wandte sich wieder seinem eigentlichen Job als Produzent (von unter anderem „The Grey – Unter Wölfen“) zu.

Molly Hartley 2 - The Exorcism - Von Erbsensuppen-Kotze, Gruppensex und schlechter Gesichtshaut

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Trotzdem, zwei Filme reichen dann auch.
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Warum nun nach all den Jahren trotzdem noch eine Fortsetzung kommt, weiß wohl nur der Antichrist selbst, zumal die Bezüge zum Original nur spärlich sind. Irgendeiner der Geldgebenden muss das Original aber noch im Hinterkopf gehabt haben, denn es mutet nicht ganz unironisch an, dass nun ausgerechnet Regie-Rüpel Steven R. Monroe verpflichtet wurde, der sich in den letzten Jahren vor allem mit den ersten beiden Teilen von „I Spit On Your Grave“ als Mann für die ganz, ganz grobe Keule empfahl.

Ja. Schon wieder ein Sequel. Aber: Tatsächlich besser als das Original!Fazit lesen

Alles auf Anfang

Und richtig, Monroes Film verschwendet keine Zeit: So stehen schon in den ersten Minuten Drogenkonsum, knutschende Frauen, Gruppensex und zerstückelte Leichen auf dem Programm und gleich danach - die Gerichtsverhandlung wird ausgespart - geht’s zum Teufelaustreiben in die Psychiatrie. Der Clou oder wahlweise das Kecke dabei ist: „The Exorcism“ tut dabei die meiste Zeit als ob es Friedkins Konsensklassiker nie gegeben hat und zieht die Nummer durch, als ob’s das erste Mal wäre. Monroe, der sicherlich nicht der subtilste Regisseur aller Zeiten, dafür aber auch alles andere als untalentiert ist, geht dabei mit spürbaren Spaß an die Sache und findet für seinen überwiegend in (fast schon zwingend logisch) Grün getunkten Horrorfetzer immer wieder starke Bilder oder smarte Kameraeinstellungen, was den Film trotz reichlich, REICHLICH ausgelatschter Pfade allein in visueller Hinsicht schon zum Vergnügen werden lässt.

Apropos „ausgelatschte Pfade“: Ob die inhaltliche Flachheit tatsächlich auf pure Einfallslosigkeit zurückzuführen sei mal in den Raum gestellt, denn ein wenig drängt sich, auch anhand des Soundtracks und der lieblos-desinteressierten Anbindung an Teil 1, ein bisschen der Verdacht auf, dass hier ein Spitzbub der Produktionsfirma gewitzt seine ganz persönliche „Der Exorzist“-Hommage untergeschoben hat. Allerdings ist nicht alles Hommage: Im letzten Abschnitt steuert man dann doch noch auf einen dieser modischen „Das hättste jetzt nicht gedacht, wa?“-Schlusstwists hin, der allerdings durchaus stimmig integriert wurde und auch dem übermächtigen Vorbild auf seine Weise eine lange Nase dreht. Allerdings hätte es die Androhung eines dritten Teils im Schlussframe trotzdem nicht gebraucht.