Ein Film zum Spiel gehört heute schon zum guten Ton ist und ist einfach essenzieller Bestandteil einer ausgeklügelten Verwertungskette. Dementsprechend muss man auch „Mass Effect: Paragon Lost“ sehen, der während der Ereignisse aus dem Spiel „Mass Effect 2“ stattfindet. Sehenswert ist er vor allem für Mass-Effect-Fans. Wer mit den Spielen nicht allzu vertraut ist, könnte sich hier jedoch sehr verloren fühlen.

James Vega führt als Marine einen Elitekader in den Kampf gegen eine mysteriöse außerirdische Bedrohung, die so genannten Collectors. Vegas Truppe soll eine Kolonie in einem entlegenen Sternensystem beschützen, als insektoide Krieger angreifen und versuchen, die Bewohner zu entführen.

Vega, der den gefallenen Commander Shepard verehrt, muss sich seiner größten Herausforderung stellen. Von seinen Entscheidungen hängt das Wohl und Wehe nicht nur seiner Soldaten, sondern auch der Kolonie ab. Dabei macht er eine Erkenntnis, die sein Leben für immer verändern wird: Heroismus ist nicht so glorreich, wie er das vermutet hatte, und ein Sieg ist immer auch mit einem hohen Preis verbunden – die eigenen Ideale und jene, die einem am nächsten stehen …

Stil eines Anime

Die Zeichnungen sind solide, aber nicht überragend. Mit großen Kinoproduktionen können sie nicht mithalten, als guter Standard funktionieren sie jedoch. Allerdings ist der Stil eines Anime dem Stoff nicht unbedingt angemessen, da Spieler hier wohl etwas anderes erwarten.

Inhaltlich ist das Ganze durchwachsen. Autor Henry Gilroy ist ein Experte für Animationsstoffe und hat unter anderem fast zwei Dutzend Episoden von „Star Wars: The Clone Wars“ geschrieben. Hier leistet er jedoch nur Dienst nach Vorschrift und ersinnt eine Geschichte, die wenig Nährwert hat. Hauptsächlich erscheint sie wie aus dem Baukasten, wobei das einzige Ziel war, möglichst viel Action unterzubringen. Die ist ordentlich umgesetzt, wobei es bisweilen auch recht derb zur Sache geht, wenn außerirdische Köpfe weggeschossen werden.

Mass Effect: Paragon Lost - Das passierte während des zweiten Spiels

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Der Film erzählt, was parallel zu Mass Effect 2 geschieht.
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Die Kampfsequenzen bieten oberflächliche Unterhaltung, interessant ist am Film aber hauptsächlich etwas, das hinter viel Geballer etwas zu stark in den Hintergrund tritt: das moralische Dilemma. Denn die Hauptfigur muss sich auch entscheiden, wer im Ernstfall gerettet wird: Zivilisten, die er gar nicht kennt, die aber viele sind, oder Menschen, mit denen er dient und die ihm nahestehen. Daraus hätte sich mehr machen lassen, aber der Film will sich auf die Tiefergehendes nicht konzentrieren. Man scheint zu glauben, dass die Fans einzig und allein Action sehen wollen und alles andere vergleichsweise irrelevant ist.

Packshot zu Mass Effect: Paragon LostMass Effect: Paragon Lost

Spieler wissen, was passiert

„Mass Effect: Paragon Lost“ ist angesiedelt vor dem zweiten Spiel, nutzt mit Vega aber eine Figur, die im dritten Spiel benutzt werden kann. Das Problem dabei: Im dritten Spiel kann man sich von Vega erzählen lassen, was in diesem Film passiert. Kenner werden also kaum Überraschendes entdecken. Sinnvoller wäre es wohl gewesen, den Film zu bringen, als auch das zweite Spiel veröffentlicht wurde. Man nutzte ihn jedoch als Vehikel für die Merchandising-Kampagne des dritten Mass-Effect-Spiels.

Mass Effect: Paragon Lost - Das passierte während des zweiten Spiels

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Inklusive alter Bekannter.
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Freddie Prinze und Co.

Im Englischen sind die ausgewählten Stimmen recht schwach. Nur einer sticht heraus, wobei man das gerade bei ihm nicht unbedingt erwartet hätte. Freddie Prinze Jr. („Ich weiß, was Du letzten Sommer getan hast“) spricht Vega. Er allein ist es aber auch nicht wert, den Film im Original zu goutieren. Die deutsche Synchronisation ist um Welten besser. Zwar sind keine Stars für die Sprechrollen engagiert worden, ein paar bekannte Stimmen hört man aber schon. Darüber hinaus sind die Sprecher durch die Bank gut ausgewählt und helfen auch dem Film, da sie mit viel Emotion in der Stimme den Film leichter zugänglich machen.