Vergangenes Wochenende ist gefärbt vom metaphorischen Blut des Guardians of the Galaxy-Regisseurs James Gunn, der aufgrund mehrerer, teils 9 Jahre alter, Tweets von Disney gefeuert wurde. Jetzt melden sich Freunde, Schauspieler und Comedians zu Wort und verteidigen den berüchtigten Filmemacher.

Ist James Gunn raus?

Update vom 23.07.2018, 11.05 Uhr

"James Gunn ist einer der liebevollsten, fürsorglichsten, gutmütigsten Menschen, die ich je kennengelernt habe", kommentiert Dave Bautista auf Twitter, der Drax in den Guardians of the Galaxy-Filmen verkörpert:

"Er hat Fehler gemacht. Wir alle haben das. Es ist NICHT okay, was ihm gerade passiert", fährt er im Tweet fort. Dave ist das erste Mitglied der Guardians of the Galaxy-Crew, das sich für James Gunn aussprach; mittlerweile sind ihm andere Schauspieler und auch Comedians gefolgt:

Natürlich steht nicht jeder auf Gunns Seite und unterstützt ihn; viele tweeten jene Witze, die Gunn vor Jahren gepostet (und später gelöscht) hat, und die Disney als Anlass nahm, ihn zu entlassen:

Dave Bautista schreibt unterdessen mit dem hashtag #cybernazi über die Angelegenheit, wobei er es eine "Cyber-Nazi-Attacke" nennt, wie Gunns alte Tweets wieder in Umlauf gebracht wurden. Tatsächlich entschuldigte sich Gunn bereits 2012 für eben jene anstößigen Witze.

Ursprüngliche News vom 21. Juli 2018

Eine überraschende wie schockierende Naachricht: James Gunn, Regisseur und Drehbuchautor der beiden gefeierten Guardians of the Galaxy-Streifen innerhalb des Marvel Cinematic Universe ist gefeuert.

Der Grund für das plötzliche Aus inmitten der Planungen zum abschließenden dritten Teil der galaktischen Odyssee: Tweets von James Gunn von vor über einer Dekade, in denen er Witze über Vergewaltigungen und Pädophilie riss. Ausgegraben wurden die von der rechtspopulistischen Seite The Daily Caller - Gunn gilt als bekennender Gegner von US-Präsident Trump. In einem der beanstandeten Tweets beschrieb der 51-jährige Filmemacher einen Vorfall mit einem Kinderdarsteller und einem Affen, der offenbar auf das Kind ejakulierte. "Ich weiß, dass es krank ist, aber die Geschichte hat mich so erheitert", ließ Gunn in dem gelöschten Tweet wissen.

Disney, der Mutterkonzern von Marvel Studio, reagierte umgehend und setzte den Regisseur vor die Tür. "Die beleidigenden Haltungen und Aussagen, die auf James' Twitter-Seite entdeckt wurden, sind nicht zu rechtfertigen und widersprechen den Werten unseres Filmunternehmens", ließ Disney-Chef Alan Horn per Pressemitteilung wissen, "wir haben unsere Geschäftsbeziehung mit ihm beendet."

Gunn selbst hat sich ebenfalls bereits - natürlich über Twitter - zu Wort gemeldet und den Fall ausführlich geschildert:

"Viele Leute, die meine Karriere verfolgt haben, wissen, dass ich, als ich sie gerade begann, mich selbst als eine Art Provokateur sah, der Filme machte und Witze riss, die als ungeheuerlich und als Tabu galten. Wie ich es schon mehrfach öffentlich thematisiert habe, habe ich mich als Person weiterentwickelt, genau wie meine Arbeit und mein Humor."

Und weiter: "Damit will ich nicht sagen, dass ich nun besser bin, aber ich bin ein gänzlich anderer Mensch als ich es noch vor ein paar Jahren war. Heute versuche ich meine Arbeit auf Liebe und Verbindungen zu fußen, statt auf Wut. Meine Tage, etwas zu sagen, nur um zu schocken und eine Reaktion zu provozieren, sind lange passé. In der Vergangenheit habe ich mich stets für meinen Humor entschuldigt, wenn sich Menschen davon angegriffen fühlten. Es tat mir ernsthaft leid und ich meinte jedes einzelne Wort ernst. Wenn ich schockierende Witze riss, dann habe ich sie nicht selbst gelebt. Ich weiß, das ist ein seltsames Statement. Wie auch immer, die Wahrheit ist: ich habe viele beleidigende Witze gemacht. Das mache ich nicht mehr. Ich gebe meinem früheren Ich nicht die Schuld dafür, aber ich mag mich selbst nun wesentlich mehr als Mensch und als Kreativschaffender."

Schmutzkampagne von rechts?

Dabei sollte man bei allem nicht vergessen, dass es nun mal ganz offensichtlich Gunns Wesen darstellt, sarkastische und/oder zynische Kommentare zu verfassen und dazu gehört nun mal auch sein typischer Humor unter der Gürtellinie, Stichwort: PG-Porn. Gunn hat sein Handwerk nicht umsonst bei der New Yorker Trash-Schmiede Troma gelernt. Seine Herkunft ist gerade den Werken Slither - Voll auf den Schleim gegangen und Super - Shut up, Crime! anzusehen.

Die Guardians of the Galaxy sind in erster Linie der Verdienst von James Gunn

Dass Gunns vergangene Tweets nun für sein Aus bei Guardians of the Galaxy sorgen, kommt - trotz der heiklen Thematik der ausgegrabenen Tweets - doch etwas überraschend. Denn bereits Ende 2012 und noch vor Beginn der Dreharbeiten zum ersten Guardians-Streifen geriet der Filmemacher ins Kreuzfeuer aufgrund seines nicht massenkompatiblen Humors. Damals ging es um seinen mittlerweile gelöschten Blogeintrag "Die 50 Superhelden mit denen Ihr am liebsten Sex hättet" auf seiner offiziellen Homepage. Gunn wurde wegen der Aussagen in den damals bereits ein Jahr altem Post als Homophobiker und Sexist bezeichnet. Es wurde sogar eine Petition gestartet, um ihn feuern zu lassen. "Der Humor des Eintrages entspricht nicht meinen Ansichten. Jedoch erkenne ich, woran sich viele stören. Es tut mir leid und ich bereue es, diese Dinge geschrieben zu haben. Menschen, die mich kennen...wissen, dass ich ein ausgesprochener Befürworter bin für die Rechte sowohl von schwulen und lesbischen Gruppen, wie auch Frauen und anderen, die sich ausgeschlossen fühlen und ich fühl mich elendig, dass einige, ungeachtet ihren Geschlechts, sich von den Dingen, die ich gesagt habe, angegriffen fühlen", entschuldigte sich Gunn damals öffentlich.

Das Ganze verwundert insofern, dass die Verantwortlichen bei Marvel Studios nicht schon damals aufgrund diesen Vorfalles Gunns Internetspuren weiter gefolgt sind, um sicherzustellen, dass keine weiteren womöglich heiklen Tweets mehr existieren. Noch mehr verwundert allerdings, dass Gunn selbst nicht auf die Idee kam, vor seiner virtuellen Haustür zu kehren. Aber dieser Bericht von The Daily Caller kam kurz nach einer Reihe von regierungskritischen Tweets von Gunn. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Guardians of the Galaxy 3 ohne Gunn als Drehbuchautor und Regisseur - das wird definitiv zu spüren sein. Aber eher im negativen Sinne. Einen ersten Drehbuchentwurf hatte er eigentlich kürzlich erst abgeliefert. Anfang 2019 sollten die Dreharbeiten beginnen, der Kinostart war für den 1. Mai 2020 vorgesehen. Ob das nun eingehalten werden kann und ob ein dritter Teil überhaupt ohne Gunn realisiert wird, bleibt abzuwarten.