Die Jahre 2000 bis 2015 muss man in zwei Phasen betrachten. In diesem dritten Teil wird es nur um eine Phase davon gehen: alle Marvel-Filme, die nicht von Marvel Studios selbst sind – und das sind eine ganze Menge.

Aufgrund der Beinahe-Pleite von Marvel in der Mitte der 1990er Jahre mussten einige Filmrechte verkauft werden, häufig auch zu recht unvorteilhaften Bedingungen. Das sorgte dafür, dass mit dem Aufstieg des Superhelden als Moneymaker viele verschiedene Firmen ihre Versionen von Marvel-Figuren ins Rennen schicken konnten.
Den Start hatte schon 1998 „Blade“ gemacht. New Line produzierte den Action-Horror-Film, bei dem nur die wenigsten wussten, dass er überhaupt auf einer Comic-Vorlage basiert. Blade war auch in den Comics ein Vampirjäger, der es des Öfteren mit Dracula zu tun bekam. Mit Wesley Snipes hatte man einen guten Hauptdarsteller.

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Der Film war derart erfolgreich, dass es mit „Blade 2“ (2002) und „Blade: Trinity“ (2004) gleich zwei Sequels gab. Letzteres, in dem Blade dann auch wirklich auf Dracula traf, enttäuschte an der Kinokasse aber. Dabei durfte Ryan Reynolds hier erstmals einen Comic-Helden spielen: Hannibal King. Später war er in „X-Men Origins: Wolverine“ Deadpool und wird die Rolle auch 2016 noch einmal spielen.

New Line glaubte nicht mehr so recht an den weiteren Kinoerfolg, so dass man sich an einer Fernsehserie versuchte, in der Blade vom Rapper Sticky Fingaz gespielt wurde. Nach nur einer Staffel war Schluss. Heute gehört die Figur wieder Marvel Studios, im Moment plant man aber nicht, etwas mit ihr anzufangen.

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Mutanten

Der eigentliche Startschuss für den Aufstieg des Superhelden zum Kino-Giganten ist jedoch Bryan Singers „X-Men“ (2000). Fox hielt schon länger die Filmrechte daran, man versuchte auch immer wieder mal, den Stoff ins Kino zu bringen, aber es war halbherzig. Erst als Singer hinzustieß, tat sich was – aber in überschaubarem Rahmen, denn das Studio achtete schon darauf, nicht zu viel Geld aufzuwenden.

Darum ist der Film auch recht kurz geraten, aber er zeigte, dass mit der Effekttechnik der frühen 2000er möglich war, was bislang nur in den Comics überzeugend funktionierte. Der Film wurde zum Erfolg, weswegen Singer auch gleich mit der Arbeit am Sequel begann.

„X2“ (2003) sollte noch größer und besser werden. Er wurde inspiriert von der klassischen Comic-Geschichte „God Loves, Man Kills“ und stellt stärker als zuvor in den Mittelpunkt, wie sehr Mutanten Menschen zweiter Klasse sind und wie groß der Hass der „Normalen“ eigentlich ist.

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Der Erfolg des Films zeigte, dass der erste keine Eintagsfliege war. Zugleich bewies er, dass man den Vorlagen gerecht werden und gleichzeitig sehr gute Geschichten erzählen kann. Dementsprechend war man gespannt, wie sich „X-Men – Der letzte Widerstand“ (2006) machen würde, aber hier gab es Schwierigkeiten. Bryan Singer wollte lieber Superman zurück ins Kino bringen, Matthew Vaughn sprang kurzfristig ab und Brett Ratner kurbelte den Film, der sich lose an die grandiose Phoenix-Saga der Comics hält, herunter. Kritik und Fans waren enttäuscht.

Nach der Logik Hollywoods hätte das das Ende sein können, aber mit „X-Men Origins. Wolverine“ (2009) präsentierte man einen Spin-off, in dem die beliebteste Figur in den Mittelpunkt gerückt wurde. Ziel des Films war es, Wolverines mysteriöse Vergangenheit stärker herauszuarbeiten. Dafür brachte man auch Sabretooth ins Spiel, der nach seinem Einsatz im ersten „X-Men“-Film aber neu besetzt wurde. War es dort noch Tyler Mane, so schlüpfte nun Liev Schreiber in die Rolle des Killers.

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Vier Jahre später gab es mit „The Wolverine“ (2013) das Sequel, das Logan nach Japan bringt. Auch hier nimmt man einen der großen Comic-Klassiker zum Vorbild, wird ihm aber nicht ganz gerecht.

Schon zuvor konnte man Logan in einem Cameo-Auftritt in „X-Men: Erste Entscheidung“ (2011) sehen, mit dem Matthew Vaughn doch noch seinen Einstand im X-Universum feierte. Der Film ist zugleich auch eine Art Neubeginn, da er in den 1960er Jahren spielt und Professor X und Magneto noch zeigt, als sie jung waren. In nur elf Monaten wurde der Film produziert, man sieht ihm das aber nicht an. Er ist einer der mit Abstand besten Teile des Franchises, weil er vielschichtig und komplex erzählt.

Das jüngste Sequel „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“ (2014) kann da nicht ganz mithalten, und das, obwohl Bryan Singer wieder auf dem Regiestuhl Platz nahm. Auch hier orientiert man sich an einer der beliebtesten Comic-Geschichten, musste aber Anpassungen vornehmen, die das Ganze vielleicht etwas zu sehr vereinfacht haben. Ein Erfolg war der Film aber dennoch, weswegen Singer mit „X-Men: Age of Apocalypse“ im Jahr 2016 die zweite Trilogie auch vollmacht.

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Zwei Wandkletterer von nebenan

Sam Raimi schickte 2002 für Sony „Spider-Man“ ins Rennen. Der beliebteste Marvel-Held wurde für den Filmeinsatz runderneuert. Nicht jede Änderung gefiel Puristen. So entwickelte Peter Parker keine mechanischen Netzdüsen mehr, sondern konnte selbst wie eine Spinne Netzfäden aus den Händen absondern.

Als Gegner gab es den Grünen Kobold, auf Peters erste Freundin Gwen Stacy verzichtete man, dafür gab es gleich Mary-Jane Watson. Der Film wurde ein immenser Erfolg und kam nicht nur bei Fans, sondern auch dem „normalen“ Publikum exzellent an. Darum begann man auch sofort mit der Arbeit am Sequel.

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Spider-Man 2“ (2004) schickte Peter gegen Doctor Octopus ins Rennen. Das Ergebnis war ein noch weit besserer Film, was auch daran lag, dass man sich mit der Ursprungsgeschichte nicht mehr herumschlagen musste. Stattdessen konnte man gleich in medias res gehen.

Tobey Maguire, James Franco und Kirsten Dunst gingen in ihren Rollen auf, Alfred Molina war ein großartiger Octopus und die Szene mit Spidey, der eine Trambahn vor dem Entgleisen rettet, ist die Quintessenz dessen, was einen Superhelden auszeichnet.
Der Film war noch erfolgreicher als sein Vorgänger, weswegen Sony natürlich an einem dritten Film interessiert war. Sam Raimi inszenierte auch „Spider-Man 3“ (2007), musste sich hier aber mit zahlreichen Einmischungen des Studios auseinandersetzen.

So bestand man von Seiten von Sony darauf, dass Venom vorkommen musste. Raimi wollte eigentlich nur den Sandman als Gegner, nun wirkte der Film jedoch überladen. Er ist deutlich schwächer als sein Vorgänger, war aber wieder ein immenser Erfolg.
Eigentlich wollte Raimi mit Maguire auch noch einen vierten Film drehen.

Vorbereitungen waren bereits im Gange, selbst Leute wie Anne Hathaway als Black Cat und John Malkovich als der Geier waren schon engagiert und mussten auch bezahlt werden, als Sony sich entschied, das Projekt zu stoppen. Stattdessen wollte man den Neuanfang wagen. Eine verheerende Entscheidung!

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Nur zehn Jahre nach dem ersten Film gab es mit „The Amazing Spider-Man“ (2012) den Reboot der Reihe, inklusive einer langgezogenen und dementsprechend leider auch langweiligen Ursprungsgeschichte. Marc Webb plante als Regisseur das ganz große Ding. Er wollte Spider-Man praktisch neu erfinden, aber sein erster Film ist im Grunde nur ein Remake von Raimis Erstling. Statt Grünem Kobold gab es nun die Echse, statt Mary-Jane war es Gwen Stacy. Und es gab einen Art Verschwörungsaspekt, was Peter Parkers Eltern betraf.

Das wollte Webb in „The Amazing Spider-Man 2“ (2014) ausbauen, der vollkommen wirre Film mit einem Schurken, der an die dümmsten Comic-Verfilmungen längst vergangener Jahrzehnte erinnert, war jedoch enttäuschend – für jeden. Das Studio war erschüttert, dass so viel weniger Geld als noch bei den Raimi-Filmen eingespielt wurde, das Publikum war gelangweilt und Hauptdarsteller Andrew Garfield fragte sich wohl auch, ob das der richtige Karrierezug war.

Was dann geschah, ist wahrlich kurios. Sony einigte sich mit Marvel Studios über eine gemeinsame Benutzung der Figur. Spider-Man wird damit ins filmische Marvel-Universum eingegliedert. Damit verlieren die beiden „The Amazing Spider-Man“-Filme aber auch jedwede Existenzgrundlage, da es 2017 mit einem neuen Spider-Man einen Neuanfang gibt. Im Grunde kann man Webbs Filme damit komplett vergessen.

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Helden aus der zweiten Reihe

Fox hatte nicht nur die „X-Men“, auch „Daredevil“ gehörte dem Studio. 2003 brachte Regisseur Mark Steven Johnson den blinden Superhelden in die Kinos. Die Hauptrolle wurde von Ben Affleck gespielt, der sich schon damals einige Häme anhören musste, so schlecht aber nicht war. Deutlich schräger war da schon Colin Farrell, der als Killer Bullseye auf Teufel komm raus übertrieben hat.

Die Geschichte nutzt Elemente bekannter und beliebter Comics, inklusive dem Tod der von Jennifer Garner gespielten Elektra. Das hielt Fox aber nicht davon ab, 2005 „Elektra“ folgen zu lassen, der von Rob Bowman inszeniert wurde, mit der Comic-Vorlage kaum etwas gemein hat und Action auf ganz kleiner Sparflamme bot.

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Jahre später versuchte man bei Fox, „Daredevil“ neu zu beleben, schaffte das aber nicht, bevor die Lizenz auslief, so dass die Figur wieder an Marvel zurückgefallen ist.
Ebenso erging es Universal, das im Jahr 2003 den grünen Goliath „Hulk“ in die Kinos schickte. Arthaus-Filmer Ang Lee wollte eine besonders clevere Superheldengeschichte abliefern, sie funktionierte jedoch nicht. Eric Bana war als Bruce Banner gut, der CGI-Hulk wusste zu gefallen, der Gegner war aber lahm und die Geschichte substanzlos. Der Film wurde nicht der erwartete Erfolg, weswegen Universal die Lizenz auch auslaufen ließ.

Auch Lionsgate hielt Rechte an einer Marvel-Figur: dem Punisher. Im Jahr 2004 brachte Jonathan Hensleigh die Figur mit Thomas Jane in der Hauptrolle in die Kinos. Kurioserweise spielt der Film aber nicht in New York, sondern im sehr sonnigen Florida. Erzählt wird die Ursprungsgeschichte des Bestrafers, man hat aber auch einige Elemente einer gefeierten Comic-Geschichte von Garth Ennis übernommen. Als Schurke agierte John Travolta.

Das Publikum kam jedoch nur zögerlich, vielleicht auch deswegen, weil der Punisher kein klassischer Superheld, sondern ein Einzelkämpfer ist, wie er im Actionfilm der 1980er Jahre zuhause gewesen ist. Gerade das wollte man in „Punisher: War Zone“ (2008) noch stärker herausarbeiten, wobei Ray Stevenson in die Rolle des Punishers schlüpfte. Das Ergebnis ist ein extrem kerniger, richtig ruppiger Actionfilm, aber ein Erfolg war er nicht.

Auch der Punisher ist eine Figur, deren Rechte mittlerweile wieder bei Marvel selbst liegen. Selbiges gilt für „Man-Thing“ (2005), allerdings ist dieser kleine Horrorfilm von Brett Leonard ohnehin nichts, mit dem sich angeben ließe. Die Figur des Man-Things, einem Sumpfmonster, entstand in den 1970er Jahren und hatte schon damals das Manko, dass sie nicht sprach.

Man benötigte also menschliche Figuren darum herum, weswegen man sich beim Film gleich dafür entschied, eine Horror-Show daraus zu machen. Heutzutage ist „Man-Thing“ vor allem eine Kuriosität.

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Marvels erste Familie

Bernd Eichinger und seine Firma Constantin hielten über viele Jahre hinweg die Verfilmungsrechte an den Fantastischen Vier. 2005 gab es mit “Fantastic Four” erstmals einen großen Film mit den vier Superhelden. Aber ein bisschen Enttäuschung war schon auch dabei. Das Ding war klein und schmächtig, Jessica Alba wirkte als blonde Sue Storm nur bedingt überzeugend und Ioan Gruffudd war stocksteif. Einzig Chris Evans, der später zu Captain America werden sollte, machte als Johnny Storm eine gute Figur.

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Damit nicht genug: Doctor Doom wurde von Julian McMahon gespielt, womit der Cast endgültig so aussah, als hätte man einen Fernsehfilm produzieren wollen. Aber gut, die Leute waren heiß drauf und das Einspielergebnis war gut genug, damit Fox auch noch einen zweiten Teil in Auftrag gab.

Fantastic Four: Rise of the Silver Surfer” (2007) schnitt schlechter ab - inhaltlich, aber auch finanziell. Die Idee, den Weltenverschlinger Galactus zu einer Art Wolke zu machen, schlug den Fans bitter auf. Am interessantesten war noch der Silver Surfer, der aber als CGI-Figur ziemlich leblos wirkte. Darum wurden Pläne zu einem eigenen Surfer-Film auch wieder ad acta gelegt – ein Drehbuch von J. Michael Straczynski existierte bereits.

Es hätte nicht viel gefehlt und Fox hätte nach „Daredevil“ auch die Fantastischen Vier verloren, aber man begann rechtzeitig mit der Produktion eines neuen Films. Der dieses Jahr in die Kinos kommende “Fantastic Four” (2015) ist ein Reboot. Es geht wieder mal von vorne los, diesmal wohl aber auch mit einem Besuch in der Negative Zone. Bleibt zu hoffen, dass damit nicht nur Doctor Doom, sondern auch mal ein Gegner wie Annihilus dabei ist.

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Was die Besetzung betrifft, gab es im Vorfeld einigen Grund zur Klage. Diesmal besetzte man sehr jung, womit das Ganze schon wie eine Teenie-Variante anmutet. Ob Josh Trank als Regisseur mehr Gespür für den Stoff hat als Tim Story vor ihm wird man diesen Sommer sehen.

Sony besaß nicht nur Spider-Man, auch den „Ghost Rider” (2007) schickte man ins Rennen. Der „Daredevil“-Veteran Mark Steven Johnson präsentierte aber einen ziemlich uninspirierten Film, der auch über das Problem nicht hinwegkommt, dass der flammende Skelettschädel keinerlei Emotion verbreitet. Es war fast so, als würde man einem Computerspiel zusehen. Dass Nicolas Cage in den Szenen, in denen der Rider ein Mensch ist, peinlichst agiert, machte es auch nicht besser.

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Mit etwas geringerem Budget, aber mehr Kinetik wollte man es dann fünf Jahre später noch einmal wissen. Die „Crank“-Macher versuchten sich an “Ghost Rider – Spirit of Vengeance” (2012), aber auch dieser Film war kein Erfolg. Noch einmal wird Sony dem Ghost Rider wohl keine Chance geben, so dass auch dieser über kurz oder lang an Marvel Studios zurückfallen wird.

Dort sind die eigenen Superhelden aber auch am besten aufgehoben, wie man mit „Iron Man“ zeigte, aber das ist eine andere Geschichte …

In Kürze mehr in diesem Kino: Marvel Studios übernimmt selbst!