Seit Jahrzehnten wird das Kino von den Effekt-Blockbustern dominiert. Die erfolgreichsten Filme aller Zeiten sind mehrheitlich Science-Fiction- und Fantasy-Stoffe. Ein Grund hierfür ist natürlich, dass diese Genres prädestiniert sind, mit aufwendigen Effekteinlagen zum Spektakel zu werden. Normale Kinogänger, also Leute, die sich sicherlich nicht als Geek, Nerd oder Fanboy bezeichnen würden, stürmen seit Jahren Filme, die das täglich Brot eines jeden Geek, Nerds oder Fanboys sind.

Marvel Cinematic Universe - Recap - Phase 1 und 2Ein weiteres Video

Soweit ist alles wie gehabt, aber etwas hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Marvel Studios hat es geschafft, aus normalen Kinogängern Geeks zu machen, ohne dass diese es überhaupt gemerkt hätten!

Wie kommt das?

Man muss sich vor Augen führen, wie Marvel Studios operiert. Man geht hier sehr clever vor und hat das System, das seit mehr als 50 Jahren bei den Superhelden-Comics funktioniert hat, auch nahtlos aufs Kino übertragen. Marvel verfolgt einen Plan, jeder Film baut aufeinander auf, alles ist miteinander verzahnt, mal mehr, mal weniger stark. Mit den Sequenzen nach dem Nachspann hat man sogar das perfekte Mittel gefunden, um Zuschauer gleich für den nächsten Film anzufixen.

Comic-Fans kennen dieses System nur zu gut. Der jahrzehntelange Erfolg der Superhelden von Marvel beruht auch auf dem Prinzip des „shared universe“, etwas, das die Konkurrenz von DC anfangs gar nicht hatte. Marvel hat es jedoch zur Regel erhoben, hier war und ist es immer möglich, irgendeine bekannte Figur im Hintergrund zu sehen, die mit der Haupthandlung rein gar nichts zu tun hat.

Marvel Cinematic Universe - Jetzt sind alle Kinogänger Geeks!

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Mit Iron Man fing alles an.
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Im Verlauf von nur sechs Jahren – „Iron Man“, die erste Marvel-Studios-Produktion, debütierte im Jahr 2008 – hat man es geschafft, das Kinopublikum so zu erziehen, wie es mit dem Comic-Publikum schon seit langer Zeit funktioniert. Das Interessante, ja geradezu Paradoxe daran ist: Die meisten Zuschauer, die heutzutage einem Marvel-Film entgegenfiebern, rümpfen die Nase, wenn das Thema auf Comics kommt.

Packshot zu Marvel Cinematic UniverseMarvel Cinematic Universe

Macht’s das Medium?

Für diese Leute gilt: Superhelden im Kino ist voll normal und okay, Superhelden in Comics sind kindisch und für Leute, die nie erwachsen geworden sind. Was sie nicht realisieren ist, dass sie eben genau diese Leute sind. Denn faktisch macht es keinen Unterschied, wie man Superhelden goutiert, ob nun als Comic, als Roman oder eben als Film.

Es ist nicht weniger nerdig oder normaler, über die Filmabenteuer von Thor, Captain America, Hulk und Co. zu diskutieren, Vergleiche zu ziehen (und das nicht auf die Schwanzlänge, sondern den Power-Level) und sich über Verzahnungen der unterschiedlichen Filme Gedanken zu machen, als es das ist, genau das Gleiche mit den Comic-Abenteuern zu machen. Der Unterschied ist nur, dass Film als erwachsenes Medium gilt, Comics bei vielen aber immer noch als Kinderkram angesehen werden. Und das, obwohl gerade Superhelden-Comics mittlerweile eher von 20- und 30-jährigen gelesen werden, das Zeug in der Regel erstaunlich teuer ist, und die Geschichten alles andere als auf ein kindliches Publikum abziehen.

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Spätestens die Avengers haben Superhelden salonfähig gemacht.
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Comics sind eben mehr als nur Donald Duck. Dank der Filme, die nur allzu häufig Geschichten der Comics variieren, wie in diesem Jahr „The Return of the First Avenger“, sollte dies nun aber auch dem Letzten klar geworden sein.

Und doch sieht sich Ottonormalverbraucher und Kinogänger nicht als Geek. Ein Grund hierfür mag sein, dass durch eine Serie wie „The Big Bang Theory“, die auch von den Normalos geliebt wird, der Geek zwar salonfähig wurde, aber eben doch noch immer als sehr anormal dargestellt wird. Klar, dass man sich damit nicht gemeinmachen will.

Wird sich das ändern?

Wohl kaum, aber dem einen oder anderen mag dämmern, wenn das Ende von Phase II bei den Marvel-Filmen erreicht und Phase III in vollem Gange ist, dass er sich inmitten eines Comic-Universums befindet, das immer komplexer wird, immer mehr Kontinuität besitzt und immer mehr verlangt, alles zu sehen, um auch alle Facetten des Gebotenen mitzubekommen. Und er findet das geil!

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Momentan befinden wir uns mitten in Phase II von Marvels Geniestreich.
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Der Kinogänger – und Fernsehzuschauer, da die Marvels ja auch die Mattscheibe erobern – wird, ob bewusst oder unbewusst, merken, dass er sich auf etwas eingelassen hat, dass er so nie für möglich gehalten hätte. Wenn er sich dabei ertappt, über Superkräfte zu fachsimpeln, dann ist für ihn auch schon alles zu spät. Jetzt sind eben tatsächlich alle Kinogänger, alle Superheldenfilmegucker Geeks. Ob sie’s wollen oder nicht.