In die Debatte um die Entlassung von James Gunn mischen sich nun offenbar auch interne Diskussionen zwischen Marvel Studios und Mutterkonzern Disney. So sollen die Verantwortlichen von Marvel Studios einen ihrer besten Filmemacher zurück an Bord holen wollen, während es für Disney wohl in erster Linie um die Wahrung der Glaubwürdigkeit geht.

Marvel Studios möchte James Gunn wieder dabei haben

So wie es aussieht, hat sich die Angelegenheit um James Gunns Entlassung vom Guardians of the Galaxy Vol. 3-Set noch lange nicht erledigt. Während sich der 52-jährige Filmemacher selbst nicht mehr dazu äußert, was verständlich ist angesichts der im Hintergrund laufenden Verhandlungen, haben sich Kollegen klar hinter ihm positioniert und entweder seine Wiedereinstellung gefordert oder selbst mit Kündigung gedroht, sollte nicht zumindest Gunns bereits verfasstes Drehbuch verwendet werden.

Grund für die Entlassung waren alte Tweets, die teilweise über zehn Jahre alt waren und Gunns sehr speziellen und für manche sicherlich fragwürdigen Humor demonstrierten, die eine rechtspopulistische Seite ausgegraben hatte, um dem Trump-kritischen Filmemacher zu schaden. Für das familienorientierte Disney gab es fast keine andere Wahl, als umgehend zu reagieren und Gunn zu feuern. "Die beleidigenden Haltungen und Aussagen, die auf James' Twitter-Seite entdeckt wurden, sind nicht zu rechtfertigen und widersprechen den Werten unseres Filmunternehmens", ließ Disney-Chef Alan Horn per Pressemitteilung wissen, "wir haben unsere Geschäftsbeziehung mit ihm beendet."

Bislang hat sich ja eigentlich nur der Disney-Chef in einem Statement dazu geäußert, nicht aber Marvel Studios, was verwundert, denn Kevin Feige ist niemand, der einen Blatt vor den Mund nehmen würde. Womöglich wurde Marvel Studios von Disney angehalten, sich nicht dazu zu äußern. Berichten zufolge heißt es aber, dass es Gespräche zwischen Vertretern Disneys und Marvel Studios geben soll, da Feige und Co. Gunn wieder an Bord holen wollen. Mit ein Grund dafür soll der sein, dass sich der gesamte Cast hinter Gunn gestellt hat. Ob diese Gespräche Früchte tragen werden, ist fraglich, denn gleichzeitig befinden sich auch Gunn und Disney in Gesprächen. Hierbei geht es aber eher um die Höhe der finanziellen Entschädigung, die ihm zusteht, da er im Grunde seinen Vertrag nicht gebrochen hat, seine Tweets sind aus einer Zeit lange vor Vertragsunterzeichnung über drei Guardians of the Galaxy-Filme. Es heißt, Gunn könnte zwischen sieben bis zehn Millionen Dollar Abfindung erhalten. Und selbst wenn Gunn die Regie nicht mehr übernehmen darf, soll Disney angeblich gewillt sein, sein bereits verfasstes Drehbuch für den Abschluss der Sci-Fi-Trilogie zu verwenden. Etwas, das Dave Bautista, Darsteller von Drax, als Voraussetzung für seine weitere Teilnahme genannt hat.

Andere Studios heiß auf James Gunn

Für Gunn dürfte die Situation zwar unglücklich sein, Auswirkungen auf seine weitere berufliche Karriere hat die Sache aber offenbar nicht, denn wie es heißt, sollen andere Studios bereits Schlange stehen, um Gunn für sich zu gewinnen. Ein Executive eines anderen Studios, der nicht genannt werden wollte, sagte: "Ich würde sofort mit ihm arbeiten." Solange aber die Sache mit Disney nicht zu 100 Prozent geregelt sei, könne man noch keine Gespräche mit Gunn führen.

Unter den Interessenten soll angeblich auch Warner Bros. sein. Das Studio produziert bekanntlich die Konkurrenzfilme unter dem DC Extended Universe/Worlds of DC-Banner. Und während Joss Whedons Einstand bei nur einem Co-Credit als Regisseur des massiv gefloppten Justice League bleibt, könnte Gunn der richtige Regisseur für einen Film wie Lobo oder The Flash sein. Das ist aber alles Zukunftsmusik. Wer weiß, vielleicht kriegt es Marvel Studios sogar hin, dass Gunn wieder Regie führen darf bei Guardians of the Galaxy Vol. 3. Zu gönnen wäre es ihm.