Die Nachricht von der Entlassung von James Gunn als Regisseur und Drehbuchautor von Guardians of the Galaxy 3 hat weltweit hohe Wellen geschlagen in der Unterhaltungsindustrie. Nun haben die Schauspieler der Marvel-Filmreihe, an der Gunn maßgeblich beteiligt war, einen offenen Brief zu seiner Unterstützung veröffentlicht.

James Gunn und der versammelte Cast von Guardians of the Galaxy Vol. 2

Bereits viele Kollegen haben sich über soziale Netzwerke zur Entlassung des Star-Regisseurs geäußert und sich dabei klar hinter James Gunn gestellt, selbst Uwe Boll. Vor knapp zwei Wochen wurde bekannt, dass Disney den Schöpfer der beiden erfolgreichen Guardians of the Galaxy-Streifen aufgrund einiger Tweets von teilweise vor über zehn Jahren von seinem Posten als Regisseur und Drehbuchautor des dritten Guardians-Streifens entbunden hatte. Die Tweets hatte eine rechtspopulistische Seite ausgegraben, und das, kurz nach regierungskritischen Tweets von James Gunn in Bezug auf die Politik des US-Präsidenten Donald Trump.

Nachdem sich bereits Cast-Mitglieder wie Dave Bautista, James Gunns Bruder Sean und Michael Rooker einzeln zu Wort gemeldet haben, wurde nun ein offener Brief der gesamten Hauptdarsteller-Riege über Zoe Saldanas Twitter-Account veröffentlicht, in dem sie Disney und Marvel Studios dazu aufrufen, Gunn wieder einzustellen:

"An unsere Fans und Freunde: Wir stehen voll und ganz hinter James Gunn. Wir wurden alle von seiner plötzlichen Entlassung in der vergangenen Woche erfahren haben und haben bewusst zehn Tage abgewartet, bevor wir antworteten, um nachzudenken, zu beten, zuzuhören und zu diskutieren. In dieser Zeit wurden wir von der immensen Unterstützung der Fans und Fachleute ermutigt, die ebenso James Gunn als Regisseur von Guardians of the Galaxy Vol. 3 wieder eingestellt sehen möchten, aber auch entmutigt von denjenigen, die sich so leicht von unfassbaren Verschwörungstheorien überzeugen lassen. Teil der Guardians of the Galaxy-Filme sein zu dürfen war eine große Ehre für jeden Einzelnen von uns. Wir dürfen diesen Moment nicht an uns vorbeiziehen lassen, ohne unsere Liebe, unsere Unterstützung und unsere Dankbarkeit James Gunn gegenüber zu äußern. Wir sind nicht hier zusammengetreten, um seine Scherze von vor Jahren zu verteidigen, sondern von unserer Erfahrung zu berichten nach all der Zeit gemeinsam am Set zu Guardians eins und zwei. Der Mensch, den er nach der Entlassung präsentierte, stimmt mit demjenigen überein, der er an jedem einzelnen Tag am Set war. Und seine Entschuldigung heute und vor ein paar Jahren, als er das erste Mal darüber sprach, ist, denken wir, von ganzem Herzen. Ein Herz, das wir kennen, dem wir vertrauen und das wir lieben. Indem er jeden Einzelnen von uns besetzt hat, um ihm dabei zu helfen, diese Geschichte von Ausgestoßenen zu erzählen, hat er unsere Leben für immer verändert. Wir glauben daran, dass das übergreifende Thema der Wiedergutmachung niemals relevanter war als jetzt. Wir alle freuen uns darauf, wieder mit unserem Freund, James Gunn, zusammenarbeiten zu können. Seine Geschichte ist noch nicht zu Ende - noch lange nicht. Es herrscht wenig Gerechtigkeit in der öffentlichen Meinung. James Gunn ist wahrscheinlich nicht der Einzige, der in die Zange genommen wurde. Gerade in Bezug auf die immer größere politische Lagerspaltung in diesem Land kann man davon ausgehen, das Ereignisse wie diese auch weiterhin geschehen werden, obwohl wir hoffen, dass gerade Amerikaner aus dem politischen Bereich damit aufhören würden, Rufmord zu betreiben und die Mob-Mentalität als Waffe zu missbrauchen. Es ist unsere Hoffnung, dass das Geschehene als Beispiel für uns alle dafür dienen kann, die enorme Verantwortung zu erkennen, die wir uns selbst gegenüber tragen, aber auch allen anderen gegenüber in Bezug auf das, was wir in digitalen Stein meißeln - dass wir als Gesellschaft aus dieser Erfahrung lernen mögen und in Zukunft zweimal darüber nachdenken, bevor wir darüber entscheiden, wie wir uns ausdrücken wollen. Und auf diese Weise lernen, diese Fähigkeit lieber dafür zu nutzen wissen, um zu heilen und zu helfen, statt einander wehzutun. Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit genommen habt, ihn zu lesen."

Unterschrieben wurde der offene Brief neben Zoe Saldana noch von Chris Pratt, Bradley Cooper, Vin Diesel, Dave Bautista, Karen Gillan, Michael Rooker, Pom Klementieff und Sean Gunn.

Es steckt viel Wahrheit in dem, was die Darsteller in dem gemeinsamen offenen Brief ansprechen: In Zeiten sozialer Netzwerke, in denen die Aufmerksamkeitsspanne eines Einzelnen nur noch ein Bruchteil dessen beträgt, was sie noch vor einer Dekade betrug, und in der Meinungen, Richtungen und Agenden geradezu sintflutartig über uns hereinbrechen, filtert ein jeder nur das für sich Wichtige heraus, überliest vielleicht die eigentliche Bedeutung und ruft gleich zum erbitterten Gegenschlag aus. Das beste Beispiel in dieser Hinsicht ist tatsächlich etwa US-Präsident Donald Trump. Anstatt den Dialog zu suchen, wird lieber polemisiert, anstatt aufeinander zuzugehen, werden Gleichgesinnte in einer Sache mobilisiert, um eine andere Meinung mit einem Mob zu zerschlagen. Es wird nicht mehr länger ein Konsens gesucht, sondern lieber ein Sündenbock für die eigenen Unzulänglichkeiten. Die Gesellschaft war nie weiter auseinander als in Zeiten "sozialer" Netzwerke.