Nach dem Flop um „Howard the Duck“ wurde es für Verfilmungen von Marvel-Comics wieder einmal ruhiger, obwohl anfangs noch große Pläne bestanden. Erst der Erfolg von „Batman“ zog eine neue Welle an Comic-Verfilmungen nach sich, wobei natürlich auch wieder die tapferen Recken von Marvel zum Zug kamen.

Im Batman-Jahr 1989 präsentierte der Regisseur Mark Goldblatt, der als Cutter schon Filme wie „Terminator“ betreut hatte, eine Filmadaption von „The Punisher“, die in Australien gedreht worden war. Für die Hauptrolle konnte Dolph Lundgren gewonnen werden, der den Charakter des Punishers wirklich glaubhaft auf die Leinwand brachte. „The Punisher“ ist, obwohl er sich in vielen Teilen nicht an die Vorlage hält, eine der besten Verfilmungen, da er sich auf die Stärken des Comics besinnt.

Marvel Cinematic Universe - Als die Comic-Bilder laufen lernten – Teil 2 (1988-2000)

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Dolph Lundgren als Punisher.
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Zugunsten einer Lederkluft ist das Totenkopfdesign seines Kostüms gewichen. Der Ursprung des Punishers ist nun auch nicht mehr die zufällige Ermordung seiner Familie während eines Picknicks durch rivalisierende Banden, sondern ein ihm geltender Anschlag.

Dieses Ereignis lässt den Punisher auf seinen Rachefeldzug gehen. Und das tut er in einer Weise, die dem Comic in nichts nachsteht. Tatsächlich gelingt Lundgren das Kunststück, den Punisher im Film noch sehr viel mehr von der Realität entwurzelt zu zeigen. Der Punisher des Films ist weit mehr ein zerstörter Charakter als der des Comics. Im Comic findet der Punisher im Pflegen seiner Rituale noch einen gewissen Halt, den sein filmisches Gegenstück nicht mehr hat: Für ihn gibt es nur noch den Kampf ohne die Chance auf Erlösung.

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Die lebende Legende

Zum fünfzigjährigen Jubiläum des patriotischsten aller Helden gab es 1990 von 21st Century eine Neufassung von „Captain America“. Der von Albert Pyun in Szene gesetzte Film besticht durch die beinahe 100-prozentige Übernahme der Entstehungsgeschichte des Schildträgers.

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Der Red Skull von 1990.
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Für die Rolle des Captains wurde Matt Salinger verpflichtet und als sein Gegenspieler, den Red Skull, ist Scott Paulin zu sehen. Dabei gibt es für die Fans gerade genug Auftritte im Kostüm, die im Genre des Superheldenfilms immer das Salz in der Suppe sind.

Darüber hinaus kann der Film auch noch mit einigen namhaften Gaststars aufwarten: Ronny Cox („Robocop“), Ned Beatty („Superman“), Bill Mumy („Babylon 5“) und Darren McGavin („Kolchak, der Nachtjäger“).

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Und niemals wurden sie gesehen...

Ein ganz anderes Kapitel sind „Die Fantastischen Vier“. Die Rechte für die Verfilmung des Comics liegen bei der Neuen Constantin, die sie vor Jahren gekauft hatte. Um die Rechte aber auch weiterhin zu halten, musste man sich bald entschließen, den Film zu drehen.

Und hier kam der König des B-Films, Roger Corman, ins Spiel. Seine Firma Concorde war ebenfalls an einer Verfilmung interessiert und so entschloss man sich, in einem Joint-Venture den Film mit einem Budget von sechs Millionen Dollar zu drehen.

Der Film wurde 1993 fertiggestellt und hätte im November desselben Jahres seine Uraufführung haben sollen. Dazu kam es aber nicht, da die Neue Constantin den Film nicht zur Veröffentlichung freigab.

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Die Fantastischen Vier von 1993.
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Der Grund hierfür ist, dass die Neue Constantin für die Twentieth Century Fox einen Big-Budget-Film für 40 Millionen Dollar herstellen wollte. Ursprünglich plante man, die billigere Corman-Fassung nach der Kinoauswertung des großen Films auf Video zu bringen, aber dieser Plan wurde dann wieder verworfen.

Nach bisherigen Informationen zu dieser Produktion, ist dies durchaus bedauerlich. Der Film soll über gute Kostüme, ansprechende Effekte und sympathische Schauspieler verfügen, wenngleich er freilich auf Grund seiner billigen Herstellung eher in der Liga eines „Captain America“ denn eines „Batman“ spielen wird.

Ein echtes Manko ist ganz klar die Veränderung der Entstehungsgeschichte, in der der Erzfeind der Fantastischen Vier, Dr. Doom, anfangs noch ein Freund von Reed Richards alias Mr. Fantastic ist.

Offiziell wurde der Film nie veröffentlicht, auf YouTube kann man ihn sich jedoch zur Gänze ansehen.

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Fernsehen ist besser als nichts

Eine neue Heimat für viele Marvel-Helden hätte der amerikanische Sender FOX werden können. Dieser hatte nämlich eine Verfilmung der Mutantenserie „Generation X“ in Auftrag gegeben und bereits im Februar 1996 den Film ausgestrahlt.

„Generation X“ wurde mit einem Budget von vier Millionen Dollar vom erfahrenen Regisseur Jack Sholder, auf dessen Konto bereits Erfolge wie „Nightmare on Elm Street II“ oder „The Hidden“ gehen, inszeniert.

Der Comic konnte verständlicherweise nicht haargenau übernommen werden. Eine winzige Veränderung ist der Name der Schule, an der die Mutanten unterrichtet werden. Ist es im Comic die Massachusetts Academy, so ist es hier das Xavier Institute. Gewichtigere Veränderungen gibt es schon bei den Charakteren.

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Eine Szene aus Generation X von 1996.
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Zwei der Mutanten, Chamber und Synch, mussten weggelassen werden, da ihre Kräfte zu schwer für das Fernsehen zu realisieren gewesen wären. Dafür fügte der Drehbuchautor Eric Blakeney dem Team aber zwei neue Mitglieder hinzu, Refrax und Buff.

Die Codenamen der beiden stammen auch direkt von Scott Lobdell, dem Autoren der Comic-Serie, wobei man damals mit der Idee spielte, dass die beiden auch in der Comic-Serie auftauchen könnten.

Gedreht wurde der Fernsehfilm in nur 24 Tagen in Vancouver, British Columbia, das inzwischen zu einem Mekka für TV-Filme und -Serien geworden ist. Interessant ist noch, dass Blakeneys erstes Skript den Produzenten zu sehr am Comic orientiert war, zu sehr der trostlosen Welt glich, in der die Mutanten gehasst und gejagt werden. Deshalb schrieb er es noch einmal um und lockerte die ganze Sache ein wenig auf, was nicht unbedingt schlecht ist.

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Dass der Film gelang, dafür bürgten auch schon zwei der Ausführenden Produzenten, Stan Lee, jedem Marvel-Fan bestens bekannt, und der für Marvel tätige Avi Arad, der schon bei den Zeichentrickserien kräftig mitmischt.

Damals stellte man bei FOX in Aussicht, dass bei ausreichendem Erfolg eine ganze Fernsehserie folgen würde, aber offenbar war man mit den erreichten Einschaltquoten nicht zufrieden genug, da man leider nichts mehr von „Generation X“ hörte. Umso bedauerlicher, da sich bei wöchentlicher Serienkost durchaus eine Menge Potenzial entfaltet hätte. Der relative Misserfolg des Films vereitelte auch, dass FOX in Sachen Comic-Verfilmungen voll durchstartete. Geplant hatte man nämlich auch noch Fernsehfilme zu „Black Widow“ und „The Punisher“, aber leider kam es zu keinem von beiden.

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Stattdessen produzierte man bei FOX „Nick Fury, Agent of S.H.I.E.L.D.“ Die Produktion dieses Filmes, der auf den Abenteuern des Kriegsveteranen, Agenten und Chefs des Geheimdienstes S.H.I.E.L.D., Nick Fury, basiert, begann bereits Anfang Mai 1997.

Der erste filmische Auftritt dieses recht realistischen Marvel-Helden wurde von dem Comic-Spezialisten David Goyer geschrieben und von Rod Hardy inszeniert. Die Geschichte des Kampfes von S.H.I.E.L.D. gegen die Verbrecherorganisation Hydra und deren Anführerin Viper entspricht nicht völlig den ersten Nick-Fury-Heften, ist aber irgendwo doch recht nahe am Original gehalten. Ergänzt wird dieser Eindruck noch durch die Übernahme zahlreicher Nebencharaktere wie Dum-Dum Dugan oder Clay Quartermain

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Endlich einmal Erfolg

„Blade“ schien Goyer sehr viel mehr zu liegen. Der kleinere Marvel-Charakter Blade, der halb Mensch, halb Vampir ist, hat es tatsächlich zu einem großen Film gebracht. Die Pläne für eine Verfilmung von Blade, der gegen andere Vampire kämpft und sich selbst von einem künstlichen Blutersatz ernährt, sollten Anfang der 80er Jahre zu einem Low Budget-Film und Ende der 80er zu einer Serie führen, aus denen aber bekanntermaßen nichts wurde.

1994 gab es dann endlich einen dritten Versuch, der auch tatsächlich Früchte trug. Aus dem ehemaligen Low Budget-Film wurde eine 45-Millionen-Dollar-Produktion. Die Hauptrolle wurde mit Wesley Snipes ideal besetzt, wobei der Film selbst weniger wie eine Comic-Verfilmung und mehr wie ein actionreicher Horrortrip anmutet.

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Wesley Snipes ist DAS Gesicht von Blade geworden.
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Keine Marvelfilme im eigentlichen Sinn sind der Thriller „Ambulance“ und die Komödie „Mallrats“. In beiden Filmen spielt Stan Lee mit und porträtiert sich dabei selbst. Damit gibt es zwar keine Helden zu sehen, aber immerhin deren Schöpfer, wobei vor allem der selbstironische Auftritt in „Mallrats“ den alten Herrn sehr sympathisch wirken lässt.

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Eine neue Welle an Comic-Verfilmungen trat dann jedoch „X-Men“ los. Der Film hält sich natürlich gewisse kreative Freiheiten bei der Umsetzung vom Comic zum Film vor – das spiegelt sich im Zusammenkommen und der Aufstellung des Teams wieder –, darf ansonsten aber als aufregende Verfilmung angesehen werden, die Comic-Fans das gibt, was sie schon immer mit ihren Helden auf der Leinwand sehen wollten. Der ganz große Star des Films ist natürlich Wolverine, der von dem Newcomer Hugh Jackman gespielt wurde.

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Das Jahr 2000 ist der ideale Moment für die Zäsur. Es gab eine Zeit der Comic-Filme davor und danach, wirklich vergleichbar sind sie jedoch nicht. Erst mit der voranschreitenden Technik wurde es möglich, Superhelden auf eine Weise umzusetzen, die den Comics gerecht wird.

Mit „X-Men“ brach der Damm, was folgte, ist ein Goldenes Zeitalter, in dem wir uns immer noch befinden. Wer sich vor Augen führt, wo die Superhelden-, aber auch die Marvel-Filme in den 70er und 80er Jahren standen, der kann vor Freude nur Tränen in den Augen haben. Damals wäre es undenkbar gewesen, Filme wie „Spider-Man“, „Captain America“, „The Avengers“, „Iron Man“ oder „Guardians of the Galaxy“ in derartiger Qualität geboten zu bekommen. Aber wir greifen voraus, die neue Ära der Marvel-Filme wird den Schwerpunkt des dritten Teils bilden.

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