Die Geschichte des Comic-Giganten Marvel ist lange und erfolgreich. In den 30er Jahren begann der rührige Verleger Martin Goodman seinen kleinen Betrieb und verlegte sich zuerst auf die Veröffentlichung damals populärer Pulps.

Der echte erste Marvel-Comic mit einem der inzwischen klassischen Superhelden als Star war die 1939 gestartete Serie „Marvel Comics“, in der der cholerische Namor the Submariner seinen ersten Auftritt hatte. Damals war noch nicht abzusehen, dass Marvel mit Beginn der 60er Jahre sein Superheldenprogramm dem geänderten Geschmack des Publikums haargenau anzupassen wusste und über die nächsten 30 Jahre zum größten Verlag im amerikanischen Raum werden würde.

Doch genug der zweidimensionalen Comic-Geschichte, denn die 40er Jahre brachten auch den ersten Auftritt eines Marvel-Helden im Film oder vielmehr in einem den Pulps nicht unähnlichem filmischem Medium, dem Serial. Der große Krieg spiegelte sich in den Comics und Helden jener Zeit wieder und einer dieser Helden war Captain America. Von Joe Simon und Jack Kirby erfunden, schaffte es Captain America auf Anhieb zu einem enormen Erfolg mit weit über einer Million verkauften Exemplaren.

Marvel - Als die Comic-Bilder laufen lernten – Teil 1 (1944-1987)

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Mit ihm fing der Superhelden-Wahn damals an: Namor the Submariner.
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Filmische Anfänge

So war es schließlich nur eine Frage der Zeit, bis auch Hollywood die maskierten Helden entdecken würde und nach bereits erfolgreichen Einsätzen der Comic-Ikonen Superman und Batman durfte 1944 „Captain America“ gegen das Böse antreten. Produziert wurde dieses Serial in 15 Teilen von Repubic Pictures und war einigermaßen erfolgreich, konnte jedoch keine Fortsetzung nach sich ziehen.

Wie nicht anders zu erwarten hatte Hollywood die Geschichte Captain Americas nicht eins zu eins übernommen. Tatsächlich gab es sogar einige gewichtige Änderungen. Statt seines jugendlichen Sidekicks Bucky stand dem Captain nun eine Frau zur Seite, statt des charakteristischen Schildes trug er nun eine Pistole. Seltsamerweise änderte man sogar seinen bürgerlichen Namen: aus Steve Rogers wurde Grant Gardner.

Packshot zu Marvel Cinematic UniverseMarvel Cinematic Universe

Dargestellt wurde der Captain von Dick Purcell und sein mörderischer Gegner, Dr. Maldor, der den Decknamen „The Scarab“ trug, wurde von Lionel Atwill gespielt. Regie führten John English und Elmer Clifton.

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Dick Purcell als Captain America.
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Einer der Hauptgründe dafür, dass der Captain kein zweites Serial bekommen hatte, war aber weniger, dass das Publikum sein Serial nicht gut aufgenommen hätte, sondern viel eher so, dass nach Ende des Krieges das Interesse an den Superhelden langsam abflaute.

Genauso wie es die Superhelden aus den Filmen und Serials vertrieben hatte, mussten sie auch im Bereich der Comics die Waffen strecken und wurden ersetzt durch anderes Genrematerial wie Western oder Kriegsgeschichten.

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In den 50er Jahren machte Marvel wieder zaghafte Versuche, ihre alten Helden auf dem Markt zu etablieren. Dieser Versuch war aber nicht sehr langlebig und so wurden Captain America, Namor, Human Torch und wie sie alle hießen wieder in den Ruhestand geschickt.

Alles ändern sollte sich erst Anfang der 60er Jahre, als Marvel das Silberne Zeitalter in der Comic-Geschichte heraufbeschwor und das Team Stan Lee und Jack Kirby phänomenale Erfolge mit Helden wie Spider-Man, den Fantastischen Vier, den Rächern, den X-Men und vielen anderen feierte. Trotz dieses großen wiederaufgekeimten Erfolges sollte es aber noch beinahe zwei Jahrzehnte dauern, bis Marvel-Helden wieder die Leinwand erobern würden.

Auf der Mattscheibe tummelten sie sich jedoch schon wieder sehr viel früher. Im Fernsehen gab es Zeichentrickversionen von Iron Man, Spider-Man, Captain America und vielen anderen mehr. Die Zeichnungen konnten den Comics aber kaum das Wasser reichen und waren ganz offensichtlich auf ein sehr junges Publikum am Samstagmorgen ausgerichtet. Die Zeichentrickfilme dieser Zeit waren Massenproduktionen ohne jedes Flair.

Geändert hat sich dies erst in den 90er Jahren, da Marvel wieder das Fernsehen für sich entdeckte. Die neuen Serien, die die X-Men, Spider-Man, die Fantastischen Vier und Iron Man zum Thema haben, sind von der Storykonzeption und Herstellung hochwertig und unterhaltsam. Genauso wie später bei den Life-Action-Filmen hat auch hier ein DC-Held das Verdienst, das Interesse neu erweckt zu haben, nämlich Batman in der Serie „The Batman Adventures“.

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Marvel erobern das Fernsehen

Die wichtigsten Einflüsse für ein Wiederauferstehen von Marvel-Helden in Film und Fernsehen waren die Mitte der 70er Jahre produzierte Serie „Der Sechs-Millionen-Dollar Mann“ und der 1978 von Warner Brothers produzierte Kinofilm „Superman – Der Film“, der in einer technisch sehr aufwendigen und hochkarätig besetzten Adaption, großen Erfolg beim Publikum hatte.

Universal schickte sich 1977 an, Marvels Helden ins Fernsehen zu bringen. Den Anfang machte Spider-Man. Der Film und die Serie haben erstaunlicherweise noch eine ganze Menge Ähnlichkeiten mit der Comicvorlage. Das einzige Element, das beseitigt wurde, sind die Selbstzweifel und der Schmerz des Helden. Gerade dies war aber eine der wichtigsten Ingredienzien, die Spider-Man nach seinem Comic-Debüt im Jahr 1962 zu einem bisher nicht gesehenen Erfolg verhalf.

Und obwohl diese Schwäche des Helden fehlt, bleibt Spider-Man immer noch ein unterhaltsamer Film, der sich selbst nicht ganz ernst nimmt und gerade deswegen die bisweilen depressive Stimmung des Comic-Originals weniger stark vermissen lässt. Dargestellt wurde Spider-Man von Nicholas Hammond, der sich auch als Spideys Alter Ego Peter Parker ganz gut schlug.

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Nach dem Erfolg des Pilotfilms, brachte CBS eine kurzlebige Serie um den Spinnenmenschen. Erstaunlicherweise wurden trotz besserer Einschaltquoten als bei der Konkurrenz „Der unheimliche Hulk“ keine weiteren Episoden geordert. Mit Ausnahme des Pilotfilms, dem ersten Zweiteiler der Serie und der 90-minütigen Abschlussfolge war die Serie hierzulande noch nicht zu sehen. Vielmehr hatten diese drei Filme ihr Debüt im Kino, weswegen sie bei einem direkten Vergleich mit dem ungleich teureren „Superman“ auch bedeutend schlechter abschnitten.

1978 war dann das Jahr, in dem Doctor Strange auf das Fernsehpublikum losgelassen wurde. „Dr. Strange“ konnte mit Peter Hooten in der Hauptrolle aufwarten und wich - wie nicht anders zu erwarten - in einigen Teilen von der Vorlage ab. Beispielsweise ist der Doktor hier ein Psychologe und kein Chirurg mehr. Dazu kommt, dass ihm in der simplen Handlung seine Kräfte praktisch in den Schoß gelegt werden.

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Nicht sehr viel anders erging es 1979 „Captain America“. Der Film beginnt für eine Fernsehproduktion stark, verliert sich aber schnell in der langweiligen Geschichte eines teuflischen Diebstahls von über einer Milliarde Dollar in Gold.

Das Hauptmanko des Films ist, dass die Ursprungsgeschichte des Captains wieder einmal umgeschrieben wurde. Steve Rogers ist nicht länger der schwächliche junge Mann, der sich freiwillig meldet, um sich ein experimentelles Serum injizieren zu lassen. Dieses Serum führt im Comic dazu, dass Steve Rogers zu einem Supersoldaten wird, dessen schwächlicher Körper nun dem eines Spitzenathleten gleicht.

Im Film ist dies völlig anders. Steve ist nun der Sohn eines Wissenschaftlers, der ein Serum entwickelt, welches übermenschliche Kräfte verleiht. Nachdem sein Sohn dieses Serum ungewollt verabreicht bekommt, nimmt er schließlich seine Pflicht wahr und kämpft gegen das Böse.

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Marvels Eroberungsfeldzug geht weiter

Reb Brown ist als Captain America gar nicht übel, kämpft aber vergeblich gegen die Lächerlichkeit des Drehbuchs an. Für eine Comic-Verfilmung problematisch ist auch, dass das Publikum den Captain im Kostüm erst nach geschlagenen 70 Minuten zu sehen bekommt. Umso mehr ist es nicht verwunderlich, dass er wie sein Kollege Dr. Strange, der auch als Pilotfilm begann, nie zu einer Serie ausgebaut wurde. Captain America hatte aber immerhin noch im selben Jahr einen weiteren Auftritt in dem Film „The Return of Captain America“.

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Die erfolgreichste Verfilmung eines Marvel-Comics war zu jener Zeit aber zweifelsohne der unglaubliche Hulk. Die Serie „Der unheimliche Hulk“ (später für die DVD-Auswertung adäquater in „Der unglaubliche Hulk“ umgetitelt) um den grünen Koloss startete 1978 und brachte es trotz geringerer Einschaltquoten als Spider-Man auf immerhin fünf Seasons.

Natürlich wurde aber auch er nicht vor Veränderungen verschont. Dies begann wieder einmal beim Namen, der von Bruce Banner in David Banner geändert wurde. Der Ursprung des Hulks hatte sich auch völlig verändert. Im Comic wurde Banner das Opfer eines Unfalls und mit Gammastrahlen verseucht, als er einen Jugendlichen rettet.

Im Film macht er einen Selbstversuch und wird dadurch zum Monster. Nach der Verwüstung seines Labors gibt man dem Hulk die Schuld am Tod von David Banner. Das Monster wird nun von einem Reporter verfolgt und Banner versucht, einen Weg zu finden, das Monster in sich zum Schweigen zu bringen.

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Eine weitere Diskrepanz zum Comic war, dass der Hulk im Film total dumm war und noch nicht einmal halbwegs sprechen konnte. So erinnert er durch sein Gebaren und das oftmals gute und leise Spiel von Lou Ferrigno vor allem auch an Frankensteins Monster. Die Rolle von David Banner fiel dem fernseherfahrenen Bill Bixby zu, der durch die Serie „Der Magier“ und „Mein Onkel vom Mars“ bekannt wurde.

Im Gegensatz zu Spider-Man, Captain America und Dr. Strange bedeutete das Ende der Fernsehserie für den Hulk nicht das Vergessen bzw. das Wiederholungsschicksal eingestellter Serien.

1988 tauchte das grünhäutige Monster mit dem Film „Der unheimliche Hulk kehrt zurück“ im Fernsehen wieder auf,. Das Besondere an diesem Film war nicht nur die Wiederaufnahme des Konzepts einer alten Serie, sondern der Auftritt eines weiteren Marvel-Helden. Der mächtige Thor, verkörpert von Eric Allen Kramer, hatte hier seinen ersten Auftritt.

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Ausflug ins Kino

Der Auftritt von Thor ist aber leider ziemlich enttäuschend, was nicht zuletzt auch an dessen veränderter Ursprungsgeschichte liegt. Im Comic wird Thor von seinem Vater auf die Erde verbannt, um Demut zu lernen und erfährt erst im Alter von Mitte 20, dass er in Wirklichkeit der Gott des Donners und nicht der Sterbliche Donald Blake ist.

Im Film wird diese Prämisse dahingehend verändert, dass Donald Blake und Thor im wahrsten Sinne des Wortes den Platz wechseln. Jedes Mal wenn Blake mit Hilfe von Mjolnir, Thors Hammer, nach seinem Herrn ruft, taucht dieser auf und Blake verschwindet, bis Thor sich entschließt, wieder zu gehen.

Der Film war aber ein Erfolg und zog zwei Fortsetzungen nach sich. Die erste hieß „Der unheimliche Hulk vor Gericht“ und präsentierte neben Bill Bixby und Lou Ferrigno in ihren gewohnten Rollen John Rhys-Davies als König des Verbrechens, den Kingpin, und Rex Smith als Daredevil, den Mann ohne Furcht.

Bei Daredevil gibt es nur wenige Abweichungen zum Original. Eine der gravierendsten ist hier noch das veränderte Kostüm, das anstelle des Scharlachrots nun schwarz ist – und man erkennt, dass er nichts sieht!

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Im darauffolgenden Jahr kam der letzte Hulk-Film ins Fernsehen, bezeichnenderweise unter dem Titel „Der Tod des unheimlichen Hulk“ und tatsächlich handelt es sich hier nicht um eine Finte, denn der grüne Gigant haucht tatsächlich sein Leben aus.

Der Film ist mit eine der besten Comic-Adaptionen jener Ära, was vor allem an dem Mut liegt, den Helden sterben zu lassen und an der Präsenz einer russischen Agentin, die wohl von einer anderen Marvel-Figur inspiriert wurde: Black Widow.

Der Sender NBC hatte ursprünglich vor, zwei weitere Filme zu produzieren. Dazu kam es aber nicht mehr, da Bill Bixby aufgrund seiner schweren Krankheit nicht in der Lage war, zu arbeiten und schließlich an Krebs verstarb.

Der vierte Hulk-Film hätte den Titel „The Rebirth of the incredible Hulk“ („Die Wiedergeburt des unheimlichen Hulk“) getragen und der fünfte hätte Banners Cousine Jennifer Walters, die schließlich zu She-Hulk wird, einführen sollen.

She-Hulk war übrigens jahrelang als Kinoproduktion angekündigt und von Brigitte Nielsen in der Hauptrolle gibt es auch ein Publicityfoto, welches für den Film Investoren anziehen sollte. Aus dem Projekt wurde aber nie etwas.

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1986 erblickte einer der originellsten und besten Marvel-Charaktere - ihn einen Held zu nennen wäre übertrieben - das Licht der Leinwand. „Howard the Duck“ war die erste Marvel-Verfilmung seit Jahren und sollte eine neue Flut an Adaptionen lostreten. Durch den Flop dieses Films wurde das Vorhaben weiterer Marvel-Filme aber schnell wieder gestoppt.

Der Plan an sich wäre gar nicht schlecht gewesen, aber warum man sich ausgerechent für eine Comicfigur entschied, die ihre Blütezeit Mitte der 70er Jahre hatte, wird wohl für immer ein Rätsel bleiben.

Der Film selbst ist so schlecht nicht geworden. Das Kostüm von Howard sieht ein bisschen krude aus für eine Mulitmillionendollarproduktion und die Story ist auch nicht gerade atemberaubend. Dafür sind aber eine Menge kleiner Gags und Bonmots enthalten wie zum Beispiel der Playduck.

Marvel - Als die Comic-Bilder laufen lernten – Teil 1 (1944-1987)

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Howard the Duck war schon ein komischer Vogel.
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Doch nach dem Flop der Ente aus einer anderen Dimension wurde es in den nächsten Jahren erst einmal wieder still um die Marvel-Helden bis im Jahr 1989 die Verfilmung von „Batman“ das Interesse an den bunten Heften wieder belebte. „Batman“ entwickelte sich aufgrund einer ausgeklügelten Werbekampagne zu einem der größten Erfolge der Filmgeschichte und zog eine Welle an neuen Comic-Verfilmungen nach sich.

Mit dem neu erwachten Interesse an den Helden bunter Comics, die man für das Kino neu- oder wiederentdecken konnte, schienen auch die Karten der Marvel-Helden bestens gemischt zu sein. Großes hätte man erwarten können, doch wieder einmal hatte im Filmbereich nicht Marvel, sondern DC die Nase vorn ...

In Kürze mehr in diesem Kino: Teil 2 (1988-2000)

Ihr entscheidet: wer ist der größte Marvel-Held aller Zeiten?

  • 23%Iron Man
  • 18%Spider-Man
  • 15%Deadpool
  • 10%Hulk
  • 10%Die X-Men
  • 6%Thor
  • 5%Jemand ganz anderes
  • 4%Punisher
  • 3%Blade
  • 2%Captain America
  • 1%Black Widow
  • 1%Black Panther
  • 1%Ghost Rider
  • 1%Daredevil
  • 1%Doctor Strange
  • 1%Elektra
  • 1%Hawkeye
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