Man merkt, dass man auf die San Diego Comic Con zusteuert. Dort werden traditionell die ganz großen Entwicklungen vorgestellt, und das längst nicht mehr nur im Comic-, sondern auch im Filmbereich. Im Vorfeld gibt es in der Regel auch schon immer ein paar saftige Neuigkeiten, bei Marvel sind es nun gleich deren zwei, die – durchaus möglich – auch Einfluss auf künftige Filme haben könnten.

Gehört habt ihr’s vermutlich eh alle schon, aber hier noch mal kurz die Zusammenfassung der Ereignisse, nur für den Fall, dass jemand die letzten Tage verschlafen hat. Die erste Neuigkeit war, dass Thor künftig eine Frau ist. Nein, das ist missverständlich. Thor verwandelt sich nicht in eine Frau, eine Frau nimmt die Rolle ein, da sie sich des Hammers Mjolnir als würdig erwiesen hat. Die Umstände, wie das vonstattengeht, sind noch unklar, aber es heißt, dass Thor sich zurückziehen muss, weswegen die Unbekannte übernehmen soll.

Marvel - Weiß ist schwarz und männlich ist weiblich?

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Sam Wilson als Captain America.
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Die zweite große Neuigkeit ist, dass Steve Rogers sich zurückzieht. Er wird nicht mehr Captain America sein. Das ist noch nicht so neu, das gab es auch früher schon. Neu ist, dass es nun ein schwarzer Captain America ist, da Sam Wilson seine Superhelden-Identität als Falcon aufgibt und dafür Uniform und Schild von Captain America aufhebt.

Nur: Beides ist so neu eigentlich gar nicht, alternative Thors gab es schon, und einen schwarzen Captain America auch.

Im Comic-Shop hört dich (fast niemand) schreien

Der Aufschrei der Fanboys war im Fall von Lady Thor (nennen wir sie einfach mal so) groß, aber warum eigentlich? Weil es eine so große Veränderung ist? Oder weil sich einfach nichts verändern soll? Vermutlich letzteres, denn das Bekannte und Vertraute mag man halt. Aber bei Thor gab es schon häufig Veränderungen. Wer erinnert sich noch an Thor, der als Froschmensch herumsprang? Oder an Beta Ray Bill, der Thors Hammer aufnahm und mit Pferdefresse zu einer Art Alien-Thor geworden ist?

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So ähnlich soll dann der/die/das neue Thor aussehen.
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Dass es nun eine Frau sein wird, die Thor ersetzt (beziehungsweise vertritt) ist so ungewöhnlich auch nicht. Immerhin gibt es zu zahlreichen Helden auch weibliche Pendants (She-Hulk, Spider-Woman, Batwoman etc.). In erster Linie geht es Marvel hier um Abwechslung, um das Aufbrechen des ewig alten Schemas, aber auch um die Publicity, die damit einhergeht. Denn wie man sieht: Überall wird berichtet, sogar in der Mainstream-Presse, bei der man meinen sollte, sie hätte Besseres, über das es zu schreiben gäbe, als eine kurzzeitige Veränderung des Marvel-Status-Quo.

Isaiah Bradley war der erste schwarze Cap

Ersatzmänner für Captain America gab es im Verlauf der Jahrzehnte mehr als genug. Es ist noch nicht lange her, da übernahm Bucky Barnes, der Winter Soldier, die Uniform von Captain America. Dass Steve Rogers sie nun wieder abtritt, ist also in sich selbst auch nichts besonders Neues. Selbst die Tatsache, dass der neue Captain America schwarz ist, kann den meisten Comic-Fans nur ein müdes Lächeln entlocken.

Denn Kenner wissen: 2003 gab es in der Serie „Truth: Red, White & Blue“ schon einmal einen schwarzen Captain America, an dem eine neue Form des Supersoldatenserums ausprobiert worden war, nachdem das, mit dem Steve Rogers zu Captain America geworden ist, mitsamt der Formel vernichtet wurde.

Die Story schlug damals nur moderate Wellen. Ganz anders als die Geschichte heute, was wohl vor allem daran liegt, dass der Falcon im Film „The Return of the First Avenger“ sehr populär ist und es immer wieder Gerüchte gibt, dass Cap in „Avengers: Age of Ultron“ sterben könnte. Wenn dem so wäre, dann könnte Anthony Mackie im dritten „Captain America“-Film zum Titelhelden werden.

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Der erste schwarze Captain America.
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Das würde zudem bedeuten, dass die Veränderung in den Comics mindestens zwei Jahre anhalten würde. Eine erstaunlich lange Zeit, haben Tode und Status-Quo-verändernde Ereignisse im Marvel-Universum doch eine deutlich geringere Halbwertzeit. Aber eines ist bei Marvel so sicher, wie das Amen in der Kirche: Solche Veränderungen sind nie für die Ewigkeit.

Lady Thor im Kino?

Während man sich vorstellen kann, dass Cap auch im Kino von Falcon ersetzt werden könnte, ist das bei Lady Thor doch eher unwahrscheinlich, aber nicht gänzlich ausgeschlossen. Immerhin wird man eher über kurz als über lang damit zurechtkommen müssen, dass Chris Hemsworth die Rolle nicht länger spielen will. Ein Übergangsfilm mit Lady Thor wäre da durchaus eine interessante Abwechslung.

Bei den Comics geht es genau darum. In schöner Regelmäßigkeit erleben die großen Heldenfiguren gigantische Veränderungen, die aber nie von Bestand bleiben: Spider-Man hat seine Geheimidentität offenbart, Superman wurde zu einem blauen Blitzwesen, Batman wurde das Rückgrat gebrochen, Peter Parker war nur ein Klon, Spider-Man erhält ein neues Kostüm und so weiter und so fort. Die Liste ist praktisch endlos.

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Japp. Es gab auch schon einen schwarzen Spider-Man.
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Denn bei Comic-Universen, bei denen die Figuren nicht nennenswert älter werden dürfen und die über Jahrzehnte hinweg funktionieren müssen, herrscht schon seit sehr, sehr langer Zeit eine Maxime vor, die der Autor J.M. DeMatteis so beschrieben hat: „Man erzeugt bei diesen Geschichten keine Veränderung, sondern nur die Illusion von Veränderung.“

Und diese Illusion ist natürlich nie dauerhaft, sie kann es auch gar nicht sein, da der Status Quo das ist, mit dem Marvel (aber auch DC) sein Geld verdient. Darum kehrt man auch immer dahin zurück. Wem Lady Thor oder Falcap (wie manche den neuen Captain America schon nennen) also aus welchen Gründen auch immer nicht behagen sollte, muss nicht verzagen. Schon bald ist wieder alles beim Alten. Versprochen.