Dass sich Keanu Reeves für sein Regiedebüt einen Stoff ausgesucht hat, der ihm am Herzen liegt, verwundert nicht. Er ist ein bekennender Kung-Fu-Fan, „Man of Tai Chi“ war genau das Richtige für ihn. Die Geschichte ist weniger interessant als die Umsetzung der Kämpfe, bei denen Reeves sich als Debütant erstaunlich präzise zeigt. Man kann der Choreographie problemlos folgen, der Film geht nicht in wackligen Bildern und überschnellen Schnitten unter.

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Tiger Chen ist in seiner Disziplin – Tai Chi – exzellent. Er nimmt an Wettbewerben teil, in denen man ihn nicht ernst nimmt, da viele Tai Chi für eine Disziplin halten, die nur der Show dient. Aber er beweist ein ums andere Mal, dass er anderen Kämpfern gewachsen ist. So erregt er auch die Aufmerksamkeit von Donaka Mark (Keanu Reeves), einem reichen Geschäftsmann, der Underground-Kämpfe organisiert und nun Tiger Chen anwerben will.

Fortan wird Tiger auf Schritt und Tritt überwacht. Als er ablehnt, an Kämpfen teilzunehmen, werden Hebel in Bewegung gesetzt, die ihn doch dazu zwingen. Immer häufiger und mit immer mehr Leidenschaft gibt sich Tiger diesen Kämpfen hin. Er beginnt, seine Unschuld zu verlieren, und muss das auch, wenn er überleben will. Denn die Underground-Kämpfe sind nur die erste Stufe, schon bald geht es um Leben und Tod.

Gut gegen Böse

Das Genre ist per se keines, das besonders komplexe Geschichten zu erzählen hat. Auch „Man of Tai Chi“ gibt gar nicht vor, sich besonders für die narrative Seite zu interessieren. Der Konflikt ist klar abgesteckt, auf der einen Seite die Guten, auf der anderen die Bösen, dazwischen ein im Herzen guter Mann, der in beide Richtungen getrieben werden könnte.

Man of Tai Chi - Das Regiedebüt von Keanu Reeves hat Dampf

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Kein schlechtes Regiedebüt von Keanu Reeves. Er selbst ist in einer Nebenrolle zu sehen.
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Wenn man so will, so erlebt man hier den Kampf um die Seele eines Menschen. Tiger Chens Meister ist ein Avatar des Guten, Donaka Mark die Personifikation des Bösen. Beide versuchen, den Protagonisten auf ihre Seite zu ziehen.

Das ist natürlich einigermaßen plump gemacht, funktioniert im Rahmen der Geschichte aber ganz gut. Als Zuschauer ist man tatsächlich interessiert zu sehen, wie sich Tiger Chens Entwicklung abspielen wird, auch wenn man nicht daran zweifelt, dass er am Ende den Pfad zum Guten nehmen wird.

Keanu in Nebenrolle

Wohl um den Film besser vermarkten zu können, spielt Reeves auch gleich selbst mit, allerdings nur in einer kleinen Rolle. Er spielt deutlich zurückgenommener als üblich, beinahe frei von jeder Emotion. Nur im großen Finale gibt es dann Gesichtsentgleisungen, die angesichts der stoischen Art, die er zuvor an den Tag legt, etwas irritierend erscheint. Aber: Es ist interessant, Reeves mal in einer Schurkenrolle zu sehen. Er kann dabei ganz neue Seiten von sich zeigen.

Das sind Nebensächlichkeiten, die nicht darüber hinwegtäuschen, dass Reeves einen ganz ansehnlichen Film abgeliefert hat. Sehr schön sind vor allem die vielen Kampfsequenzen, die teilweise auch überraschend eigenständig daherkommen. Ein Highlight ist der Kampf auf dem Schiff, der im Stroboskoplicht stattfindet, was mächtig Stimmung aufkommen lässt.

Packshot zu Man of Tai ChiMan of Tai Chi

Ganz auf Wire-Effekte verzichtet der Film nicht, vieles an den Kampfchoreographien wirkt jedoch erstaunlich authentisch. Auch das ist eine der Facette des Films, die an klassische Eastern erinnert, bevor dort der übermäßige Einsatz von Kabeln Einzug gehalten hat.

Keanu Reeves‘ Regiedebüt ist umwerfend in den Kampfszenen, besitzt aber auch eine Spiritualität, die man nicht unbedingt erwartet hätte.Fazit lesen

Zugleich übertreibt es Reeves nicht. Der Film hat einen anfangs langsamen Aufbau, lässt sich Zeit damit, die Figuren und die Situation einzuführen. Bis es für Tiger Chen wirklich gefährlich wird, vergeht einiges an Zeit, langweilig ist es bis dahin keineswegs.

Man of Tai Chi - Das Regiedebüt von Keanu Reeves hat Dampf

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Spiritualität des Tai Chi

Bemerkenswert ist, dass der Film nicht nur auf Action setzt, er befasst sich auch mit der Spiritualität des Tai Chi, den Lehren dieser Kampfsportart, die nicht nur Kontrolle über die eigenen, inneren Dämonen ausüben. Der Film zeigt auch, wie leicht es ist, sich selbst zu verlieren und vom Pfad abzukommen, wenn man den Fehler begeht, Macht oder Stärke mit Kontrolle zu verwechseln.

Das verleiht dem Film einen Unterbau, der bis zum Finale nachwirkt und auch die vergleichsweise altbekannte Geschichte etwas relativiert. Einzig unterentwickelt ist der Plot um die von Karen Mok gespielte Polizistin, die Donaka Mark unbedingt überführen will. Hier fehlt zumindest eine Szene, in der sich die Polizistin und Mark auch wirklich begegnen.