Die neueste Produktion von Guillermo del Toro basiert auf einem Kurzfilm, den Regisseur Andrés Muschietti 2008 inszeniert hat. Mit einer Laufzeit von nur drei Minuten war er lediglich die Inspiration für „Mama“, der davon profitiert, dass Muschietti sehr gut darin ist, eine Atmosphäre der Bedrohung zu erschaffen. Zudem hat er Schauspieler, die dem Horrorstoff durch ihre Anwesenheit mehr Glanz verleihen.

Jeffrey tötet seine Frau und flieht mit seinen beiden kleinen Kindern Victoria und Lilly in den Wald. In einer abgelegenen Hütte fällt er jedoch einer Wesenheit zum Opfer. Den Kindern passiert nichts. Ihre neue Mama passt auf sie auf.

Fünf Jahre später lässt Lucas (Nikolaj Coster-Waldau) immer noch nach seinem Bruder Jeffrey und dessen Kindern suchen. Tatsächlich werden die Kinder auch gefunden, die in all der Zeit scheinbar ganz allein im Wald gelebt haben und sich wie Tiere gebärden. Lucas und seine Freundin Annabel (Jessica Chastain) nehmen die Kinder bei sich auf, während Dr. Dreyfuss immer wieder mit der kleinen Victoria spricht, da er ein Buch über den Fall schreiben will. Dabei kommen ihm Zweifel, dass die Kinder alleine im Wald waren.

Aber auch Lucas erlebt eine unangenehme Begegnung, nach der er ins Krankenhaus kommt. Nun muss sich Annabel alleine um die Mädchen kümmern, aber ihr wird klar, dass sie in diesem Haus nicht alleine sind. Etwas anderes, etwas Böses ist ebenfalls hier…

Das Neue im Altbekannten

Die Geschichte von „Mama“ wirkt nicht wirklich frisch. Man hat das Gefühl, sie in verschiedener Variation schon des Öfteren gesehen zu haben. Zudem erinnert die geisterhafte Gestalt mit ihren teils spinnenartigen Bewegungen auch an typische Gespenster japanischer Konvention. Aber das sind nur Äußerlichkeiten, die nicht darüber hinwegtäuschen können, dass sich beim Schreiben des Drehbuchs doch Gedanken darüber gemacht wurde, wie man altbekannte Pfade neu ergründen kann.

Was 08/15-Horror hätte sein können, ist ein gruseliges Schauerstück, das Klischees vermeidet und folgerichtig auf ein packendes, konsequentes Ende zusteuert.Fazit lesen

Dies manifestiert sich vor allem in der Hauptfigur Annabel. Normalerweise hätte man bei dieser Art Film eine liebende Mutter, die selbstlos um ihre Kinder kämpft. Jessica Chastain hat jedoch eine sehr viel nahrhaftere Rolle abbekommen. Denn Annabel ist nicht besonders auf die Kinder erpicht, da sie ihr Leben gänzlich verändern – etwas, das sie eigentlich gar nicht will. Sie arrangiert sich mit der Situation, weil sie Lucas liebt, aber die kitschige Herzlichkeit, die man in US-Produktionen dieser Art normalerweise zwischen erwachsener und kindlicher Hauptfigur finden würde, fehlt hier völlig.

Mama - Die schauerlichste Mama seit Heintje

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Heile Familienwelt? Nicht hier.
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Trotzdem hält der Film aber auch für Chastains Figur eine emotionale Reise parat, denn sie muss sich in der Rolle der Mama einfinden, auch wenn sie das gar nicht will. Das korreliert sehr schön mit der kleinen Victoria – von Megan Charpentier exzellent gespielt – deren Werdegang der vom Menschen zum Tier und wieder zurück ist.

Sie ist, anders als ihre Schwester, alt genug gewesen, um diesen Weg zu beschreiten. Das kleine Mädchen rebelliert gegen ihre Mama, das Wesen, das sie jahrelang umsorgte, aber Victoria liebt es auch – so, wie man eine Mutter liebt.

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Ein Drama mit Schauerszenen

Es ist die Wechselwirkung in der Beziehung der Hauptfiguren, die „Mama“ zu einem interessanten Film werden lässt, der sich über das eigene Genre erhöht. Denn im Kern ist „Mama“ ein Drama, das man auch ohne übernatürlichen Hokuspokus hätte erzählen können. Daraus bezieht „Mama“ jedoch seinen Mehrwert. Der Film hat eine dichte Atmosphäre, die für wohligen Schauer sorgt, auch wenn es gerade keinen Schockmoment gibt, der typisch mit schnellem Schnitt und lauter Musik erzeugt wird.

Auf den Computer ist Verlass?

Allerdings hat auch „Mama“ seine Schwächen. Sie liegen weniger in der Charakterisierung und der inszenatorischen Umsetzung als vielmehr in der zweifelhaften Entscheidung, bei der Umsetzung der Mama zu sehr auf CGI zu setzen. Die Effekte sind per se nicht schlecht, aber sie wirken oftmals wie ein Fremdkörper im Film.

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"Mama" schafft eine einzigartige Atmosphäre der Bedrohung.
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Das zeigt sich nicht nur bei der Mutter, sondern auch am Anfang bei Szenen mit den Kindern, die auf allen Vieren laufen, wobei oftmals nicht die Schauspielerin, sondern der Computereffekt übernimmt – mit nur bedingt überzeugender Wirkung.