Vor drei Jahren traf „Magic Mike“ einen Publikumsnerv. Der unabhängig produzierte Männer-Striptease-Film von Steven Soderbergh bestätigte seinen muskelbepackten Star Channing Tatum als vielseitiges Schauspieltalent und spielte bei Kosten von nur sieben Millionen US-Dollar knapp 170 Millionen ein. Nun kommt mit „Magic Mike XXL“ eine Fortsetzung des Überraschungserfolges in die Kinos: Nicht mehr ganz so unerwartet zeigefreudig wie sein Vorgänger, aber ungleich verspielter.

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Vergnügungssüchtig

Am Ende des vorangegangenen Films entschied sich Mike (Channing Tatum) für die große Liebe und gegen den Plan, seinen Stripper-Kollegen um Zeremonienmeister Dallas (Matthew McConaughey) nach Miami zu folgen. Die kleinbürgerliche Utopie nach der langen Party zerschlägt „Magic Mike XXL“ gleich zu Beginn: Zwar verdingt sich der ewige Gelegenheitsarbeiter Mike jetzt als selbstständiger Möbeldesigner, doch von der Angetrauten und ihrem problemgebeutelten Bruder fehlt hier jede Spur.

Magic Mike XXL - Channing Tatum lässt noch einmal die Hüllen fallen

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Tanzen und strippen: Mike (Channing Tatum) in seinem Element.
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Gerade richtig kommt da ein Anruf der alten Jungs, die Mike für eine letzte Show gewinnen wollen. Weil Dallas sich ins Ausland absetzte (und McConaugheys Gage das erneut schmale Budget dieses Mal wohl gesprengt hätte), planen die in die Jahre gekommenen „male entertainers“ ihre Abschiedsvorstellung auf einer Stripper-Convention in Myrtle Beach. Natürlich hadert Mike zunächst mit der Entscheidung, und natürlich sagt er kurz darauf zu: Grandios ist seine spontane Garagen-Tanzeinlage, um sich wieder in Stimmung zu bringen.

Die Busfahrt nach South Carolina bietet den Freunden nun vor allem Gelegenheit, sich ihrer Sympathien füreinander zu versichern. Wie ein nicht enden wollender Junggesellenabschied gestalten sich das Abgrasen früherer Zwischenstationen und die Wiederbegegnung mit alten Weggefährten. In einem Schwulenclub lässt sich die Truppe von Drag Queens einheizen, in der Luxusvilla ihrer neuen „Mistress of Ceremonies“ (Jada Pinkett Smith) strippt sie sich für den anstehenden Auftritt warm.

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Kreischende Frauen und durch die Luft wirbelnde Geldscheine: Diese Bühne gehört dem Blick weiblicher Begierde.
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Wie schon der Vorgänger scheut „Magic Mike XXL“ dabei nicht die Zerlegung seiner augenzwinkernden Männlichkeitsrituale. Angestaute Homoerotik entladen die Jungs insofern, als sie sich einfach mal kräftig prügeln; hübsche Frauen wie Neuzugang Amber Heard können lediglich dann zu Reisebegleiterinnen werden, wenn sie auch das Bromance-Gefüge stabilisieren – für tatsächlichen statt nur simulierten Sex findet sich in diesem nichtsdestotrotz vergnügungssüchtigen Road-Movie kein Platz.

Freudvoll eingeölte Körper

In der schönsten Szene des Films stachelt Mike das Alphamännchen der Gruppe, den angeblich außerordentlich gut bestückten und deshalb ironischerweise oft abstinenten Big Dick Richie (Joe Manganiello), zu einer Art Mutprobe an: Ziel ist es, eine Tankstellenkassiererin mit seinem spontanen Striptease im Shop nicht etwa zu erobern, sondern lediglich zum Lächeln zu bringen – womit die unschuldigen Ideen, die diese Jungs von Spaß haben, zu einem höchst liebenswerten Bild verschmelzen.

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Amber Heard überlässt die Kunst der erotischen Entkleidung ihren männlichen Co-Stars.
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Der Film weiß also um die überhöhten Effekte seiner lustvoll ausgespielten Strip-Szenen, denen er anders als der erste Teil auch keinen moralinsauren Überzug verpasst. Bedeuteten Party und Striptease dort immer auch gleich Drogenexzess und körperliche Selbstaufgabe, geht es in der Fortsetzung deutlich unbeschwerter zu: In einem freudvollen Miteinander eingeölter Körper und umherwedelnder Dollarscheine, das weder von Ängsten überschattet noch ideologisch beschwert ist.

Man könnte den dadurch relativ plotbefreiten „Magic Mike XXL“ erzählerisch vielleicht ambitionslos nennen, mit knapp zwei Stunden Laufzeit ist er jedenfalls ziemlich überveranschlagt. Seinem Vorgänger fühlt er sich in den sehr vielen und vor allem sehr improvisiert wirkenden Dialogen verpflichtet, die den Spaß am Exzess stets gezielt ausbremsten – mit dem Unterschied allerdings, dass das Sequel jeder etwas langweiligen Episode auch immer wieder eine garantiert ekstatische folgen lässt.

Des Männerstriptease zweiter Teil, in dem es allein um den Spaß an der Freude geht.Fazit lesen

Dass Steven Soderbergh für diesen zweiten „Magic Mike“ nicht mehr als Regisseur zur Verfügung stand (sondern sich unter verschiedenen Pseudonymen auf Kamera und Schnitt beschränkte), tut dem Film also überraschenderweise gut. Sein langjähriger Assistent Gregory Jacobs mag stilistisch wesentlich unauffälliger arbeiten, doch muss dem großen hedonistischen Traum vom Striptease hier eben ausnahmsweise mal kein böses Erwachen folgen. Und warum sollte es das auch?