„Macbeth“, puh. Wahnsinn, Gewalt, Machtgier, Verrat – die ganze Palette menschlicher Abgründe, adrett verpackt in mächtige Verse, die die Schwere der Handlung adäquat umgarnen. Schon oft wurde dieser Stoff auf Film gebannt, doch die letzte Version, die wirklich Spuren hinterlassen hat, ist bereits über 40 Jahre alt. Damals hat sich Roman Polanski an Shakespeare versucht, deutlich überschattet vom Tod seiner Frau, Sharon Tate, und nun obliegt es Justin Kurzel, dem Regisseur von „Snowtown“, für ein erneutes Ausrufezeichen in der „Filmographie“ des Barden zu sorgen.

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Das Spiel um den Thron

Warum eine neue Verfilmung von „Macbeth“ Sinn macht, erklärt sich ganz einfach mit drei Worten: „Game of Thrones“ - eine Serie, deren massiver Erfolg Burgen und große Schwerter wieder salonfähig gemacht hat, ganz zu schweigen von intriganten Ränkespielen um die Vorherrschaft auf den Königsthron. Nicht von ungefähr ist „Game of Thrones“ durchsetzt mit Shakespeare-Motiven, die speziell bei „Macbeth“ auch noch den Vorteil haben, mit Kürze und Würze durch die Geschichte zu eilen. Es gibt wahrlich undankbarere Vorlagen für ein zweistündiges Film-Kondensat.

Macbeth - Shakespeare für die "Game of Thrones"-Generation

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Schlachten, Nebel, Blut & Wahnsinn: Feel Good-Kino aus der Hölle.
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Und so ist „Macbeth“ eine mehr oder weniger werkgetreue Verfilmung geworden, die allerdings auf formaler Ebene deutlich eigenständige Akzente zu setzen weiß. Im Zentrum steht immer noch Feldherr Macbeth (Michael Fassbender), der sich, angetrieben durch seine Frau (Marion Cotillard), zum schottischen Thron empormeuchelt, und als Rahmen dafür wütet dann eine schier atemberaubende Bilderflut, die zu keiner Zeit Zweifel an der Kinotauglichkeit des Unterfangens aufkommen lässt. Kameramann Adam Arkapaw („True Detective“) interpretiert den düsteren Aufstieg Macbeths, der einhergeht mit einem Abstieg seiner sozialen Kompetenzen, als wuchtiges Schlachtenpanorama, das vor allem aus Schlamm, Blut, Dunkelheit und Regen besteht.

Macht. Horror. Wahnsinn.

Eigentlich ist „Macbeth“ ein Horrorfilm mit Splatterborde, so ungehemmt nihilistisch drischt Justin Kurzel die inhaltliche Vorlage in Form. Das ist auf der einen Seite ungemein mutig, wie konsequent hier schleichender Wahnsinn in ein lebensverneinendes filmisches Gewitter gegossen wird, doch auf der anderen Seite auch ganz schön anstrengend. So wie Shakespeare fast immer irgendwie anstrengend ist, mit den ausgefeilten Dialogen, die in ihrer makellosen Schönheit nach einer deklamierenden Theaterbühne riechen. Und natürlich auch schier endlosen Deutsch- und Englischstunden, in denen nicht mal die Klassenstreber mehr Bock auf noch eine aufgedröselte Interpretation hatten.

Macbeth - Shakespeare für die "Game of Thrones"-Generation

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Michael Fassbender als Macbeth. Das Lachen ist leicht gezwungen.
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Bei Stoffen wie „Romeo & Julia“ oder „Viel Lärm um Nichts“ macht eine filmische Umsetzung auf jeden Fall Sinn, weil immer noch Raum für universelle Menschlichkeit und Gefühle bleibt, doch bei „Macbeth“ ertrinkt alles in einer fatalen Abwärtsspirale, die neben den Texten, die hier auch noch einer „Verrohung“ durch all den formalen Budenzauber ausgesetzt werden, kaum Platz für eine in welcher Form auch immer losgelöste Bindung lassen. Der Inhalt ist so zwingend und unnachgiebig, dass man sich irgendwann wie ein geprügelter Hund in den Kinosessel duckt und dann immer nochmal eins übergezogen bekommt.

Eine löbliche Herangehensweise, wenn es denn um die Vergabe des Konsequenz-Preises geht, und eine mindestens fordernde Herangehensweise, wenn es denn um ein packendes, involvierendes Kinoerlebnis geht. „Macbeth“ anno 2015 ist ein brachialer und ungemein kinetischer Abgesang an warme Sonnenstrahlen, der auf kühne Weise die inhaltliche Stoßrichtung auf den regengepeitschten Punkt bringt. Mit großen Bildern zugleich gegen die Theatralik und auch immer nochmal dafür, ausladend unterstützt von zwei Hauptdarstellern, die sich der Dramatik voll und ganz hingeben...und dabei genauso wie der ganze Film zwischen Wucht und Showcase-Posing pendeln. Furchtlos im Angesicht von Shakespeare. So viel Traute muss man erstmal aufbringen.