Als der Mangazeichner Kazuhiko Katou den gewitzten Meisterdieb "Lupin III" in den 1960ern erschuf, hätte er nie geahnt, dass seine Figur zu einer regelrechten, japanischen Popkultur-Ikone werden würde. Deutlich zeigt sich die Langlebigkeit und der Kult der Serie vor allem anhand der über 100 Anime-Episoden, OVAs, sowie diverser Videospieladaptionen und nach wie vor produzierten Filme. Natürlich durfte bei dem großen Erfolg auch eine Live-Action-Adaption nicht fehlen.

Lupin the Third - Der Meisterdieb - Deutscher Trailer #1Ein weiteres Video

Obwohl es bereits eine Realfilmumsetzung des Manga-Meisterdiebs aus dem Jahr 1974 gab, ist sie in internationalen Fankreisen eher unbekannt. Nach mehr als 40 Jahren wurde schließlich ein neues Live-Action-Projekt unter der Regie von Ryuhei Kitamura (unter anderem "Versus", "Godzilla: Final Wars") realisiert. Jene Verfilmung verfolgt gegenüber dem weitaus älteren Vorgänger einen etwas anderen Ansatz: Während die Version von 1974 den kaum mehr zeitgemäßen Slapstick-Humor stark in den Vordergrund stellt, wirkt die aktuelle Adaption deutlich erwachsener, rasanter und vor allem mehr auf das westliche Kinopublikum angeschnitten.

Lupin the Third - Der Meisterdieb - Der Meisterdieb unter den Meisterdieben schlägt (wortwörtlich) zu

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Der lässige Lupin (Shun Oguri), auf seinem ikonischen Fiat 500 sitzend, mitsamt seiner Komplizen.
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Wenn Diebe andere Diebe bestehlen

Wie in den eigenständigen Animefilmen dreht sich in der Live-Action-Handlung alles um einen Schatz, auf den es Lupin der Dritte, Enkel des legendären Meisterdiebs Arsène Lupin, abgesehen hat. Unterstützung bekommt unser diebischer Gentleman von seinen Kameraden - dem Schützenprofi Daisuke Jigen, der verführerischen Femme Fatale Fujiko Mine und dem später hinzukommenden Schwertkämpfer Goemon.

Im Film sind Lupin, Fujiko und Jigen Teil einer Diebesorganisation, die unter dem Namen 'Die Elster' operiert und durch den neuesten Coup ein Museumswertstück - das "Große Herz von Kleopatra" - in Besitz gebracht hat. Während einer Feier anlässlich der erfolgreichen Raubmission kommt es plötzlich zum Überfall durch eine unbekannte Gruppe, die nicht nur das Diebesgut an sich bringt, sondern auch den Gründer der Elster-Organisation ermordet. Die Diebesehre gebietet, dass der gestohlene Schatz wiedererlangt werden muss und so versuchen Lupin und seine Leute die Fährte der Täter aufzunehmen. Doch dabei ist ihnen auch ein Ermittler von Interpol, Inspektor Zenigata, auf den Fersen, der es schon lange auf den Meisterdieb abgesehen hat.

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Lupins treuer Freund und Schützenprofi Daisuke Jigen (Tetsuji Tamayama) darf seine präzisen Schussfertigkeiten mehrmals unter Beweis stellen.
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Trotz typischer Elemente eins Heistgenres (ein hochsicherer Tresorraum, eine Gruppe fachkundiger Betrüger, die einen Plan entwickeln, das Sicherheitssystem zu überwinden und so weiter...) handelt es sich bei "Lupin The Third: Der Meisterdieb" um einen reinrassigen Actionfilm mit viel Krawall und rasanten Kampfszenen. Bereits in den frühen Einstellungen während der Auseinandersetzung zwischen Lupins Gruppe und den Gesetzeshütern, bemerkt man deutlich Ryuhei Kitamuras Stil, der in den Zeitlupensequenzen und den Einer-gegen-mehrere-Kämpfen heraussticht. Viele Actionszenen, Kamera-Ansichten oder so mancher Gag wird dem Filmkenner sogar schwer aus anderen Filmen bekannt vorkommen, doch gänzlich unpassend oder schlecht pointiert kommen die Versatzstücke nie daher.

Irgendwie anders als das Original und wiederum nicht

Im Großen und Ganzen blieb Kitamura bei der Umsetzung der Hauptcharaktere dem Original treu: Lupin ist nach wie vor hoffnungslos seiner Angebeteten Fujiko verfallen und lässt sich von ihr immer wieder übers Ohr hauen, während Goemon und Jigen sich typischerweise über die Überlegenheit ihrer Waffen streiten. Auch Inspektor Zenigata verfällt oft in seinen Schreianfällen, bei denen er Lupin den Kampf ansagt.

Cool inszenierte Action und originalgetreue Charaktere gleichen die eher durchwachsene Handlung aus.Fazit lesen

Worauf man sich aber als Fan der eher comic-relief-lastigen "Lupin III"-Serie einstellen muss, ist der leicht überzeichnete Gewaltgrad. Dieser macht sich vor allem gegen Ende richtig bemerkbar, wenn Lupins Truppe sich den Weg auf schießwütige Weise durch Hunderte von bösen Buben bahnt und so manch ein Zeitgenosse das Allmächtige Schwert von Goemon zu spüren bekommt. Überraschenderweise passt aber gerade diese Over-the-Top-Inszenierung als Live-Action-Konzept des Originals ganz gut.

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Schwert oder Pistole? Samurai-Nachfahre Goemon und sein Rivale Jigen streiten sich oft darüber, welche Waffe der anderen überlegen ist.
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Einerseits trifft der Film durch die (zugegebenermaßen nebensächlichen) Charaktertode einen erwachsenen Ton, andererseits erinnert er den Zuschauer durch diverse übertriebene Stilmittel immer wieder daran, dass er sich nie zu hundert Prozent ernst nimmt. Das kann man auch nicht wirklich, wenn man beispielsweise Goemon in Aktion erlebt, der mithilfe seines Schwertes ein ganzes Auto mit einem gezielten Hieb durch die Luft (!) schleudert. Das Schöne daran ist, dass Szenen dieser Art alles andere als billig aufgemacht wirken, sondern sogar richtig cool anzusehen sind.

Bunt durchmischte Riege

Was "Lupin The Third: Der Meisterdieb" von vielen seiner Live-Action-Kollegen unterscheidet ist der durchaus stimmige, international durchmischte Schauspiel-Cast. Diverse Persönlichkeiten wird der westliche Zuschauer kaum kennen, sofern er nicht mit der asiatischen Film- und Fernsehkultur vertraut ist. Dazu zählen auch Cameo-Auftritte, die eventuell etwas befremdlich und aus dem Kontext der gesamten Handlung gerissen wirken. Auch lässt sich darüber streiten, ob die eine oder andere Film-eigene ergänzte Figur in Lupins Team wirklich nötig gewesen wäre.

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Die verführerische Fujiko Mine haut Lupin mehr als einmal aufs Ohr, um die Beute nur für sich zu beanspruchen. Trotzdem stimmt die Chemie zwischen den beiden.
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Zumindest das vertraute Hauptfiguren-Quartett hat man mit Shun Oguri als Lupin, Tetsuji Tamayama als Kollege Jigen, Gou Ayano als Goemon und Meisa Kuroki als Lupins Freundin Fujiko optimal besetzt. Auch der launische Inspektor Zenigata bekam mit Tadanobu Asano ("Thor", "47 Ronin") einen passendes Real-Pendant.

Unterm Strich lässt sich sagen, dass Regisseur Kitamura trotz stark reduzierter Comic-Relief-Elemente den Grundton des Originals mit "Lupin The Third: Der Meisterdieb" ganz gut getroffen hat. Viele eingestreute Fanservice-Details wie der gelbe Fiat 500 oder die verschiedenen Outfits Lupins aus der Serie bilden das Sahnehäubchen der Realfilmumsetzung.

Darüber hinaus ist der Film eine Actiongranate, die trotz der über zwei Stunden dauernden Handlung keine wirklichen Leerläufe aufweist und aufgrund der überzeichneten Kampfinszenierung im Grunde wie ein real gewordener Anime wirkt. Um Spaß mit dem Film zu haben, sollte man aber auf jeden Fall nicht zu sehr über die Geschichte nachdenken, die doch das eine oder auch andere Logikloch und so manch eine absurde Offenbarung aufweist.