Deep Throat“ ist der erfolgreichste Porno aller Zeiten. Er wurde 1972 mit einem Budget von 25.000 Dollar produziert und soll weltweit mehr als 100 Millionen Dollar gemacht haben. Vielleicht aber auch weniger, der Verdacht lag nahe, dass die Mafia den Film auch zur Geldwäsche benutzte. Erfolgreich war er aber zweifelsohne. Er brachte den Porno aus der Schmuddelecke hervor, und das kurioserweise mit einer Geschichte, wie sie abstruser nicht sein könnte.

Lovelace - Deutscher TrailerEin weiteres Video

Die Hauptfigur Linda ist ein armes Geschöpf. Sie kann einfach keinen Orgasmus bekommen. Der Grund wird von einem gewissenhaften Arzt entdeckt. Sie hat keine Klitoris. Zumindest nicht dort, wo sie sein sollte. Bei Linda befindet sich der Kitzler im Rachen. Beste Voraussetzungen für Oralverkehr.

Lovelace - Amanda Seyfried erfindet den Blowjob neu

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Die echte Linda Lovelace starb im April 2002.
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Damals hätte es sich wohl niemand träumen lassen, dass die Geschichte von Linda Lovelace und der Produktion dieses kleinen Pornofilms mit bekannten Stars filmisch aufbereitet werden würde. Basierend auf Linda Lovelaces Autobiographie „Ich packe aus“ gibt es nun „Lovelace“, in dem Amanda Seyfried den Pornostar spielt, der sich später gegen Pornographie einsetzte und in ihrer Autobiographie Dinge behauptete, die sie später zurücknahm oder denen andere Pornostars wie Ron Jeremy widersprachen.

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Wie die Wahrheit aber auch immer gewesen sein mag, in „Lovelace“ wird Lindas Leben wenig vorteilhaft beschrieben. In ihre Rolle schlüpft Amanda Seyfried, die sich – Porno hin oder her – aber recht züchtig gibt und nur den BH lüpft.

Wie man in den Porno abrutscht

Linda ist eine junge Frau, die bei ihren Eltern lebt, aber das Gefühl hat, von ihrer Mutter erdrückt zu werden. Als sie Chuck Traynor (Peter Sarsgaard) kennen lernt, dauert es nicht lange, bis sie bei ihm einzieht. Beide heiraten, aber hauptsächlich ist Chuck daran interessiert, mit ihr Geld zu machen. Ihre phänomenale Fähigkeit zum Oralverkehr weiß er gewinnbringend einzusetzen. Er bringt Linda bei einem Pornofilm unter, in dem diese Fähigkeit ganz besonders gefragt ist: „Deep Throat“.

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"Deep Throat" war der erste Porno, der als gesellschaftsfähig angesehen wurde.
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Die Gage steckt Chuck ein, den Ruhm erntet jedoch seine Frau. Die naive Linda wird zum Aushängeschild der sexuellen Revolution, doch die guten Zeiten enden bald. Chuck schlägt und misshandelt sie, wenn sie nicht tut, was er will. Und was er will, ist einfach: Kohle machen, egal wie.

Erwartet ja nicht „Boogie Nights“

Dass die Pornobranche der 70er Jahre allerhand Stoff für dramatisches Kino bietet, hat „Boogie Nights“ eindrucksvoll bewiesen. In der Liga spielt „Lovelace“ aber nicht. Es ist nicht das Problem, dass der Film weniger die Lebensgeschichte dieser Frau erzählt, als sich auf ein paar Monate in ihrem Leben zu konzentrieren. Vielmehr ist problematisch, dass es das Drehbuch nicht versteht, die Figuren dem Zuschauer näher zu bringen.

Im ersten Akt sollten die Figuren etabliert werden. Man sollte ein Gefühl für sie bekommen, ihre Motivation nachvollziehen und ihre Beziehungen untereinander erkennen können, aber das ist hier nicht der Fall. Stattdessen wird im Schweinsgalopp eine Romanze zwischen Linda und Chuck etabliert, die behauptet, aber nie sehbar ist. Damit einher geht das Problem, dass man nicht verstehen kann, wieso Linda überhaupt bei einem Schwein wie Chuck bleibt. Hätte man zuvor gesehen, dass sie ihn wirklich liebt, wäre dies zumindest halbwegs verständlich gewesen.

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Vor "Deep Throat" spielte Linda bereits in einem Film mit dem malerischen Namen "Dog Fucker" mit.
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Verantwortung für sich selbst

Der eigentlich interessanteste Aspekt an Linda Lovelaces Leben wird hier allenfalls gestreift, aber nicht weiter ausgearbeitet, weil die zeitliche Konzentration auf die Produktion von „Deep Throat“ und die danach einsetzende Vermarktung den Erzählrahmen vorgibt. Zudem stützt sich der Film einzig und allein auf Lovelaces Buch, ignoriert dabei jedoch, was Wegbegleiter und Brancheninsider zu sagen hatten und haben.

Wer 'Boogie Nights' erwartet, wird bitterlich enttäuscht werden. Das vorhandene Potenzial kann Lovelace nicht abrufen.Fazit lesen

Lovelace war eine Frau, die Anerkennung suchte und sich so benahm, wie sie es für richtig hielt, abhängig davon, mit wem sie gerade verkehrte. So erklärt sich auch ihr feministisches Erwachen nach ihrer Pornokarriere und die spätere Rückkehr ins Softcore-Gewerbe. Was Chuck Traynor betrifft, mag sie durchaus die Wahrheit gesagt haben, aber es ändert nichts daran, dass ihr Leben – und auch ihr Abgleiten ins Pornogewerbe – natürlich auf Eigenverantwortung basieren.

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Chuck Traynor starb nur wenige Monate nach Linda an einem Herzinfakt.
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Die Schuld andernorts zu suchen, ist Geschichtsklittung in eigener Sache. Diesen Konflikt hätte der Film herausarbeiten müssen, er wäre ein weit interessanteres Drama geworden.

So jedoch präsentiert er sich im Grunde wie ein handelsüblicher Fernsehfilm über eine Frau, die in einer misslichen Situation ist und sich dann aus eigener Kraft daraus erhebt. Das gibt es Woche für Woche im Fernsehen, nur in der Regel mit weniger nackten Brüsten. Mehr als die gibt es hier aber auch nicht zu sehen, für einen Film, der sich mit dem Pornogeschäft beschäftigt, ist „Lovelace“ viel zu zahm geraten.