Wie vermarktet man auf dem deutschen Direct-To-Video-Sektor eine eigentlich fürs Kino gedrehte britische Horrorkomödie, die schon in England kein Mensch sehen wollte? Indem man deren Hauptdarstellerin knapp bekleidet aufs Cover klatscht (und zwar in einer Pose, die es so im Film natürlich gar nicht zu sehen gibt) und den Originaltitel „Love Bite“ um den schlüpfrigen Zusatz „Nichts ist safer als Sex“ erweitert.

Love Bite - Nichts ist safer als Sex - Official Trailer

Je geiler, desto leckerer

Zumindest mit der platzierten Tagline, „American Pie trifft auf American Werewolf“, hat der Verleih nicht ganz Unrecht. Einziger Unterschied ist eben, dass der halbwegs sympathische Große-Jungs-Humor des erstgenannten hier gänzlich debilem Pennäler-Ulk weicht, während die Prämisse des Horrorklassikers von John Landis auf pubertärem Schmalspurniveau reproduziert wird. Weder Freunden des einen noch des anderen möchte man das ernstlich zumuten wollen.

Love Bite - Nichts ist safer als Sex - American Pie mit Werwölfen

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Jessica Szohr („Gossip Girl“) ist der einzige Grund, sich „Love Bite“ überhaupt anzusehen.
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Der im Vorbild durch London wütende „American Werewolf” tritt hier vermeintlich in Gestalt einer jungen US-Bloggerin (?!?) auf, die auf ihrer Durchreise im englischen Küstenörtchen Rainmouth Zwischenhalt macht. Hobby-Werwolfjäger Sid (Timothy Spall, „Sweeney Todd“) hält die attraktive Touristin Juliana (Jessica Szohr, „Gossip Girl“) für eine bei Vollmund, äh, -mond zur gefräßigen Bestie mutierenden Mörderin, die Männern buchstäblich den Hals verdreht.

Immerhin verschwinden zeitgleich zu ihrer Ankunft reihenweise männliche Jungfrauen, offenbar das bevorzugte Beuteschema des Werwolfs. Jamie (Ed Speleers, „Eragon - Das Vermächtnis der Drachenreiter“) hält das alles jedoch für reinen Hokuspokus und verliebt sich aus dem Stand in die „geheimnisvolle“ Amerikanerin. Als Jungfrau ist er indes besonders gefährdet, also warnt Sid ihn folgerichtig: Je geiler du bist, desto leckerer schmeckst du Werwölfen.

Mit dem Motiv der Unschuld, die es zum Überleben zu verlieren gilt, sieht diese Klamotte ihren doofen Sex-Humor natürlich inhaltlich legitimiert und kann sich unbeirrt zotigem Vollquatsch verschreiben. Bananenwitze, Phallus-Komik und obligatorische Kotzszenen bestimmen den U16-Klamauk, der augenscheinlich insbesondere an sexuell eher unterversorgte Zuschauer appelliert. Einen Vergleich mit „Love Bite – Nichts ist safer als Sex“ hat selbst der schwächste „American Pie“ nicht verdient.

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Abseits des komplett gegen die Wand gefahrenen Humors scheint der Film zumindest ansatzweise auch die „Twilight“-Crowd locken zu wollen. Immerhin steht die zaghafte Liebesgeschichte zwischen Jungfrau und ikonischem Monster neuerdings eher unter dem Siegel der Teenie-Romanze – hier eben lediglich vorzeichenverkehrt. Einen konkreten Ton will „Love Bite“ aber nicht anstimmen, so er sich ganz generell nicht entscheiden kann, was er eigentlich sein will.

Packshot zu Love Bite - Nichts ist safer als SexLove Bite - Nichts ist safer als Sex

Fickende Werwölfe

Die Horror-Elemente der ja eigentlich auch als Werwolfsfilm deklarierten Grusel-Komödie sind mehr als spärlich gesät, wenn nicht gar nahezu abstinent. Das Eingansbild protzt zwar noch mit etwas Genremythos (Nebelschwaden, Vollmond, ein kreischendes Opfer), der erste halbwegs erkenntliche Werwolf lässt aber geschlagene 50 Minuten auf sich warten. Bis dahin dominieren vor Irrelevanz strotzende Dialoge und besagtes pubertäres Geplänkel den „Spaß“.

Das Warten auf die Auftritte des Werwolfs wird allerdings keineswegs belohnt: Er schnellt durch stockdunkel ausgeleuchtete Sets und ist natürlich computeranimiert. Filme wie „American Werewolf in Paris“ oder „Twilight – New Moon“ demonstrierten eindringlich, dass Werwolf-Verwandlungen (nach wie vor) nicht zu den Stärken der CGI-Kunst zählen. Handgemachte Makeup-Effekte wie jüngst in der spanischen Genre-Hommage „Game of Werewolves – Die Jagd beginnt“ sind da jederzeit vorzuziehen.

Unausgegorene Horror-Klamotte mit Ballaballa-Humor und ein bis zwei haarigen Momenten. Gewiss nicht einmal für Spätpubertierende erträglich.Fazit lesen

Auch im lächerlichen, viel zu kurz geratenen Finale geizt „Love Bite – Nichts ist safer als Sex“ mit Monster-Action und speist die Fanschar stattdessen mit lediglich zwei blitzschnell montierten On-Screen-Kills ab. Der nachgereichte Twist ist selbstverständlich vollständig absehbar, während das Schlussbild (fickende Werwölfe!!!) dem Fass den Boden ausschlägt. Glücklicherweise wird es die angedrohte Fortsetzung selbstverständlich nie geben.

Love Bite - Nichts ist safer als Sex - American Pie mit Werwölfen

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Einer der raren Werwolf-Auftritte im Film – so blitzschnell, dass man genau hinschauen muss.
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Mit zumindest einer Handvoll anständiger Inszenierungseinfälle hätte man diesen wahrlich nicht ersten Versuch einer Werwolfskomödie vermutlich halbwegs ordentlich verwandeln können, und sei es nur für das angepeilte jugendliche Publikum. Unter der Regie des bisher ausschließlich fürs englische Fernsehen tätigen Andy De Emmony aber gerinnt dieser unentschlossene Schabernack zur ausnahmslos unerträglichen Bewährungsprobe für die Nerven.