Ein deutscher Mystery-Thriller in 3D, das klingt natürlich erst einmal nicht uninteressant. Und eigentlich verdienen alle der nach wie vor viel zu spärlich gesäten Versuche, auch hierzulande einfach mal nur unbeschwert Genrekino zu zelebrieren, Aufmerksamkeit. Bis diese Filme dann in der Regel leider jede theoretische Verteidigung praktisch zerschlagen: „Lost Place“ ist wieder einmal deutsches Genrekino, wie man es doch bitte lieber nicht machen sollte.

Da kommt nix mehr

Vier Jugendliche begeben sich auf GPS-Schnitzeljagd (auch bekannt als Geocaching) in den Pfälzerwald, wo die Suche nach dem für das Spiel erforderlichen Logbuch sie in die Nähe einer stillgelegten US-Militärbasis führt. Dort werden Daniel (François Goeske, „Besser als nix“), Elli (Jytte-Merle Böhrnsen, „Kokowääh 2“), Jessica (Josefine Preuß, „Türkisch für Anfänger“) und Thomas (Pit Bukowski, „Schuld sind immer die Anderen“) allerdings mit den fatalen Spätfolgen des HAARP-Forschungsprogramms konfrontiert.

Lost Place - Ein neuer Tiefpunkt: Horror made in Germany

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Danger – High Radiation: Die Gruppe zieht nicht einmal in Erwägung, dass dieses Warnzeichen vielleicht eine Bedeutung haben könnte.
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Überrascht von einem augenscheinlich verrückt gewordenen Mann (Anatole Taubman, „James Bond 007 – Ein Quantum Trost“), muss die Gruppe schnell erkennen, sich in ein Zentrum starker Radiowellen verirrt zu haben. Technische Geräte verwandeln sich in tödliche Fallen: Handys explodieren, das Auto lässt sich nicht mehr kontrollieren und der Herzschrittmacher von Elli wird zur tickenden Zeitbombe. Daniel beschließt aus unerfindlichen Gründen dennoch, ins Innere der Forschungsstation vorzudringen.

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Der übernatürliche Thriller made in Germany erliegt dankenswerterweise nicht dem Irrtum, phantastische Stoffe könnten hierzulande möglichst nur als ästhetischer Abstrich von US-Vorbildern Bestand haben. Bei „Lost Place“ scheint ausnahmsweise nichts vordergründig auf ein diffuses internationales Niveau hin produziert, was den Film von jüngeren hiesigen Genreversuchen, etwa „Hell“, „Zimmer 205 – Traust du dich rein?“ oder „Bela Kiss: Prologue“, angenehm trennt.

Das Setting, ein heruntergekommener ehemaliger Militärstützpunkt mitten im Pfälzerwald, ist teutonisch im allerbesten Sinne. Die Prämisse, verselbständigte elektromagnetische Wellen mit tödlichen Folgen, ausreichend bedeppert. Und die zunächst überaus rätselhafte Geschichte mit einigen trivialen Verschwörungstheorien aus dem Spätklima des Kalten Krieges anzureichern, verspricht ja eigentlich auch jenseitigen Murks, wie er so unbekümmert in Deutschland leider Seltenheitswert hat.

Ein unerklärliches Nichts von einem Film. Deutsches Genrekino fühlte sich selten so tot an.Fazit lesen

Doch auf die für gewöhnlich dezidiert an US-Vorbildern geschulten deutschsprachigen Genrefilme mit einer wiederum völlig unterentwickelten Bildsprache, einem regelrechten inhaltlichen Verzicht und einer um den künstlerischen Nullpunkt kreisenden Inszenierung zu reagieren, kann nun auch nicht die Lösung sein. Zwar bemüht sich „Lost Place“, seine Mystery-Idee immerhin aus sich selbst heraus zu entwickeln, doch ist spätestens ab der Hälfte klar: Da kommt nix mehr. So wirklich: Gar nix.

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SOS HAARP-Alarm: Daniel und Elli waren schon vor ihrer Ankunft geistig verstrahlt.
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Pfälzerwald Diaries

Und dann beginnt es, das große: Häh? Musste man jetzt tatsächlich eine überlange Exposition mit einigen hübschen Naturaufnahmen, aber umso grauenhafteren Figuren und unsäglichen Dialogen durchsitzen, damit der Film allen ernstes erklärt, diese nervtötende Truppe hätte es mit einem Antagonisten namens Radiowelle zu tun? Und dass sie, statt einfach mal die Füße Richtung Gelände-Ausgang (wo überdeutlich vor Strahlung gewarnt wurde) zu bewegen, auch unbedingt noch der Ursache auf den Grund gehen will? Was soll das bitte?

Wenn eine Bedrohung so lapidar ist, beziehungsweise sich so simpel umgehen ließe, fällt es schon merklich schwer, dem ohnehin recht dürftigen Rest bedingungslos zu folgen. Weil aber Terror, Grusel, Mystery, ja, wenigstens irgendetwas, um dieses eigentlich traditionell im Slasherfilm verortete Setup einigermaßen reizvoll finden zu können, auf Sparflamme kochen, stellt sich allmählich die Frage, ob man hier verschaukelt werden soll. Und ob da ja vielleicht doch noch was kommt.

Aber: Es kommt halt wirklich nix. Die Radiowellen setzen den Jugendlichen sichtbar zu, und ein bisschen unspektakulär gestorben wird auch, aber das ist alles konsequent unspannend und eben auch vollkommen pointless. Es führt nirgendwo hin und trampelt schon von Beginn an auf der Stelle. Da wünscht man sich vor lauter Öde fast die mutierten Strahlungsopfer aus dem nicht ganz unähnlichen „Chernobyl Diaries“ zur Stelle – der gegenüber „Lost Place“ einem Meisterwerk gleicht.

Geradezu irre doof aber ist die auf Wucht und Wichtigkeit geeichte Inszenierung, die formal Großes suggeriert, wo nicht mal Kleines seinen Platz hat: Als der Held wider Willen (der sein Final Girl auch im Angesicht des Schreckens noch pathetisch knutscht) das Hauptgebäude der Militäranlage erreicht, haut die (buchstäblich gezimmerte) Filmmusik so derart episch in die Tasten, als habe man es mit einem dramatischen, durch Mark und Bein gehenden Höhepunkt zu tun. Und nicht mit unerklärlichem Popelkram, der da in unnützem 3D die Sinne belästigt.

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Da könnte jetzt ein mutierter Killer hinter Elli lauern. Ist aber nur ein Strahlenanzug, leider.
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Abenteuerlicher Höhepunkt aber ist nicht die Ankunft am Sendezentrum, sondern das Bezwingen eines Strommasts! Hier offenbart „Lost Place“ dann noch einmal ganz final seine verschenkte Prämisse, nach der die Radiowellen als eine Art unkontrollierbare Macht durch Luft und technisches Gerät geistern. Aber diese Idee, von „Des Teufels Saat“ (1977) bis „Der Killer im System“ (1993), ist nicht nur ein staubiges Genrerelikt, sondern wurde selten so sitzfleischstrapazierend bemüht wie in diesem dusseligen Kinofilm auf Studentenniveau.