In den USA schon lange Kult, ist der „Lone Ranger“ hierzulande weniger bekannt. Doch dank Disney satteln Johnny Depp und Armie Hammer nun die Pferde, um den Lone Ranger als actiongeladenen Blockbuster weltweit zum Leben zu erwecken.

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Johnny Depp + Gore Verbinski + Jerry Bruckheimer = spektakuläre Leinwandaction, die die Kinokassen klingeln lässt! Diese Rechnung ging schon drei Mal auf und soll nun auch ein viertes Mal die Massen begeistern. Das Erfolgsgespann der „Fluch der Karibik“-Reihe (Teil 1-3) meldet sich zurück und probiert sich diesmal nicht auf hoher See, sondern im Wilden Westen.

Wie alles begann…

Dafür lassen sie den „Lone Ranger“ wieder aufleben. Angefangen hatte alles im Januar 1933 mit einer Hörspielreihe fürs Radio beim Sender WXYZ Radio in Detroit. Insgesamt wurden 2959 Folgen von „The Lone Ranger“ über einen Zeitraum von 21 Jahren gesendet. Hinzu kamen eine sehr erfolgreiche TV-Serie mit Clayton Moore als Titelheld und Jay Silverheels als Tonto, diverse Kino- und Zeichentrickfilme, Comics, Romane und Videospiele.

Genug Stoff also, um eine neue Reihe von Blockbustern für die Kinos zu produzieren, dachte sich Disney und schickte deshalb seine besten Männer. Da der Film schon am 22. Juni in den USA Premiere feierte, weiß man jetzt schon: Der Lone Ranger floppte am Startwochenende und fuhr mäßige bis schlechte Pressekritiken ein. Eine Fortsetzung bleibt also erst einmal abzuwarten.

Die Mischung macht‘s

Hierzulande sieht es jedoch anders aus: Die deutschen Kritiker zeigen sich zufrieden oder gar begeistert von dem neuen Stoff aus Hollywood. Woher diese differenzierte Sicht kommt, dürfte viele Ursachen haben und darüber lässt sich nur mutmaßen. Fest steht: Ich reihe mich in die Reihe derer ein, die vom „Lone Ranger“ begeistert sind, mit leuchtenden Augen den Kinosaal verließen und den Film am liebsten gleich noch einmal sehen würden.

Lone Ranger - Der mit dem Johnny tanzt

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Johnny Depp gibt wieder den Jack Sparrow - diesmal im Wilden Westen.
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Denn der „Lone Ranger“ vermischt klassische Westernmotive mit einem bombastischen Actionfeuerwerk, wilden Verfolgungsjagden, durchdachten Wendungen, Komik, Drama und einer Prise Romantik. Alles richtig portioniert und in einer guten Mischung präsentiert.

Enter the Lone Ranger

Wir befinden uns auf einem Jahrmarkt im Jahr 1933. Ein kleiner Junge trifft dort auf den alten Indianer Tonto, der ihm die Geschichte vom Lone Ranger erzählt. Diese beginnt 1869 in Texas. Der Fortschritt hält unaufhörlich Einzug: Globalisierung ist das große Stichwort. Die Eisenbahnstrecken werden ausgebaut, man träumt von einer weltweiten Vernetzung. Doch was des einen Freud ist, ist des anderen Leid: Die Bahngleise müssen Indianergebiet durchqueren und die Rothäute sind alles andere als begeistert.

Doch es gibt noch ein weiteres Problem: Der gefährliche Ganove Butch Cavendish (William Fichtner) soll gehängt werden. Staatsanwalt John Reid (Armie Hammer), dem es nach Gerechtigkeit strebt, will ihm den Prozess machen. Indianer Tonto (Johnny Depp) möchte ihm hingegen den Garaus machen. Beide werden jedoch an ihrem jeweiligen Vorhaben gehindert, denn Butchs Handlanger kommen ihnen zuvor und befreien den rabiaten Schurken.

Lone Ranger - Der mit dem Johnny tanzt

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An fulminanter Action ist wahrlich kein Mangel.
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Johns Bruder Dan (James Badge Dale), seines Zeichens Texas Ranger, unterscheidet sich von seinem studierten Bruder: Er macht keine halben Sachen und schwingt sich sofort aufs Pferd, um Cavendish zu verfolgen und festzunehmen. Als die Jagd jedoch schiefgeht, schwört sich John Reid, alles daran zu setzen, den Verbrecher dingfest zu machen. Tonto heftet sich an seine Fersen, denn auch er hat noch eine Rechnung mit Butch Cavendish offen…

Klassischer Western in neuem Licht

So wie die Texas Ranger macht auch der Film keine halben Sachen: Er startet direkt mit einer großen Katastrophe und einer vollen Ladung Action. Entgleisende Züge, Schießereien, Faustkämpfe, Pferderennen - alles Motive, die man aus klassischen Western gewohnt ist. Indianermythos trifft Gold- bzw. Silberrausch, Frau in Nöten schreit nach dem gesetztestreuen, maskierten Lone Ranger und die weite Wüstenlandschaft wird abgelöst von Showgirls in Saloons und modernen Eisenbahnen.

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Dank des wendungsreichen Plots und der vielfältigen Locations kommt keine Langeweile auf. Die 149 Minuten Spielzeit vergehen sogar wie im Flug. Dabei hat man aber keineswegs ein gehetztes Gefühl, denn die actionreichen Passagen, in denen Züge, Höhlengänge oder Häuser explodieren, werden von ruhigen Szenen abgelöst, in denen sich die Handlung entfaltet und sich immer wieder neue Abgründe auftun.

Teil dieser Handlung ist auch die Hintergrundgeschichte der beiden Protagonisten, die tiefere Einblicke in deren Seelenleben und Beweggründe bietet, aber nicht so weit geht, in eine Freud’sche Psychostudie abzudriften. Die Drehbuchautoren Justin Haythe, Ted Elliott und Terry Rossio finden genau das richtige Maß, dass die Charaktere nicht oberflächlich wirken, aber dennoch Tiefe besitzen.

Captain Jack Sparrow wird zur Landratte

So entwarfen sie Tonto und John Reid als gegensätzliche Personen, die beide miteinander umgehen müssen und voneinander lernen können. Während Tonto ein Macher und Fährtenleser ist, der auf Rache sinnt, fordert der unerfahrene und zu Anfang unbeholfene Reid Gerechtigkeit. Die Darstellung des maskierten Westernhelden gelingt Armie Hammer auch gut und mit viel Charme. Der stets wandelbare Johnny Depp hat sich diesmal aber leider zu sehr auf seinen Ruf verlassen. Die Darstellung seines Tonto erinnert zu stark an Captain Jack Sparrow im Indianerkostüm.

Auch merkt man, dass die Rolle des Tonto aufgrund des Starstatus‘ von Johnny Depp künstlich erweitert wurde. Als lustiger und wirrer Sidekick hätte er mir vermutlich besser gefallen. So wird aus dem Lone Ranger eben ein Duo Ranger.

Lone Ranger - Der mit dem Johnny tanzt

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Schlimmer kann's kaum werden... aber es kommt noch schlimmer...
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Doch nicht nur Captain Tonto Sparrow erinnert an „Fluch der Karibik“, sondern auch die gesamte dramaturgische Aufmachung. Es wirkt aber keinesfalls wie eine Kopie, man erkennt einfach nur die Handschrift des „Fluch der Karibik“-Teams. Das liegt natürlich auch an Komponist Hans Zimmer, der zu „Lone Ranger“ ebenfalls den Soundtrack beisteuert.

Bei so einem eingespielten Team kann auch eigentlich nicht viel schiefgehen. Der „Lone Ranger“ ist eine vollkommen runde Sache, jeder Handlungsstrang wird zum Ende hin aufgelöst und jede Einzelheit erhält eine Bedeutung. Gore Verbinski erschafft eine Westernwelt voller Detailreichtum und witziger Ideen, liebenswürdigen und skurrilen Nebencharakteren und gelungenen Bösewichten.

Die Wendungen bereiten Spaß und bieten eine Vielzahl an Überraschungen. Und auch eingefleischte „Lone Ranger“-Fans kommen auf ihre Kosten, indem der Film ein paar Verweise auf die alte Serie liefert.