Der markante Schotte Gerard Butler hatte sich 2013 mit „Olympus Has Fallen“ überraschend erfolgreich als Actionheld mit unterschwelligem Hang zum Sadismus empfohlen. Natürlich musste da eine Fortsetzung her, genau, gähn, aber jetzt platzt die Bombe: Die ist hervorragend gelungen und dürfte für reichlich Herzrasen und Popowasser bei Genrefans sorgen.

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Der bekannte Song: Einer gegen alle

Die Story ist gewohnt übersichtlich und spielt ein paar Jahre nach dem Vorgänger: Der britische Premierminister stirbt überraschend und so finden sich die Staatsoberhäupter der westlichen Welt in London ein, um bei der Beerdigung Abschied zu nehmen. Unter den Anwesenden ist auch der Präsident der vereinigten Staaten Benjamin Asher (Aaron Eckhart) und sein Wachhund Mike Banning (Gerhard Butler). Plötzlich bricht das Chaos aus: Allerfinsterste Gestalten versuchen unter der Anleitung von Chef-Bösi Barkawi die Trauergäste zu töten, was auch klappt. Bis auf eine Ausnahme: Asher und Banning überleben, müssen sich aber nun, verfolgt von einer Legion an Terroristen, durch London schlagen...

Action wie zu Großpapas Zeiten

Ab und zu geschehen doch noch Zeichen und Wunder: 2013 starteten gleich zwei Filme, in denen das Weiße Haus von ultrabösen Böswatzen angegriffen wurde und wackere Helden den Tag retten mussten. Im März kam der der 70 Millionen Dollar teure „Olympus Has Fallen“ von Antoine Fuqua in die Kinos, im Juni das mehr als doppelt so teure Spektakel „White House Down“ von Roland Emmerich. Während Fuqua – ohnehin nicht unbedingt ein Mann der leisen Töne – allerdings auf düstere, brutale R-Rated-Action setzte, kam Emmerich wie üblich mit weichgespültem, freundlich-lustigen PG-13-Entertainment ums Eck. Und soff ab, während die Brachial-Konkurrenz kurz zuvor hingegen aller Prognosen zum Hit wurde.

London Has Fallen - Blutrünstige Oldschool-Actionbombe zum Verlieben

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Action statt Story, alles wie gehabt.
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Warum? Natürlich, der unverhohlene Patriotismus, der bei Filmen mit solchen Plots reinrasselt, lädt fleißig zum Kopfschütteln und Fremdschämen ein. Allerdings wird das kein Faktor gewesen sein, der zum Erfolg des Films beitrug, demnach hätte Emmerich mit seiner Variante einen Superhit landen müssen. Vielmehr darf mit Fug und Recht die These aufgestellt werden, dass „Olympus Has Fallen“ erfolgreich da weitermachte, wo die letzten „Stirb Langsam“-Filme alle Hoffnungen so bitter enttäuschten und die französische „Taken“-Reihe auch nur kurz Abhilfe schaffen konnte: Endlich wieder phy̱sische Action. Action, die man spürt, Action mit einem dreckigen, blutenden Helden im Mittelpunkt, der einer von uns ist und kein überlebensgroßer Tausendsassa.

Konsequente Marschrichtung

Die geerdete Art wird auch in „London Has Fallen“ konsequent weitergeführt, bei dem erfreulicherweise nicht nur auf die Schauwerte geachtet, sondern auch die Charaktere weiterentwickelt wurden: Benning und seine Frau Leah freuen sich auf ihr erstes Kind, Allan Trumbull (Morgan Freeman), der einstige Sprecher des US-Repräsentantenhauses, ist jetzt der Vizepräsident der USA und Präsident Asher, der sich mittlerweile in seiner zweiten Amtszeit befindet, sowie Benning haben eine deutlich engere Beziehung als einst. Man merkt, dass die beiden in der Zwischenzeit eine Menge miteinander durchgemacht haben, was der Fortsetzung auch einen leichten „Buddy-Movie“-Touch gibt, zumal Butler und Aaron Eckhart absolut prächtig miteinander harmonieren.

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Natürlich, auch diese Details machen den Film nicht sonderlich tiefgründig; es geht in erster Linie immer noch um Action, aber kleine, stimmige Ausschmückungen dieser Art verleihen ein heimeliges Gefühl, zumal auch Banning sich verändert hat. Aus dem einst brummigen, traumatisierten Agenten mit unterschwelligem Hang zum Sadismus ist jetzt ein freundlicher, sympathischer Agent mit deutlichem Hang zum Sadismus geworden (letzteres kommentiert der Film auch in einer sehr schwarzhumorigen Szene).

London Has Fallen - Blutrünstige Oldschool-Actionbombe zum Verlieben

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London macht als Schauplatz einiges her und ist weniger verbraucht als amerikanische Szenarien.
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Kunst oder keine Kunst – das ist hier die Frage!

Das ganz große Plus ist aber der iranisch-schwedische Regisseur Babak Najafi („Easy Money II“), der es zwar auch nicht schafft, die erneut absolut scheußlichen CGI-Effekte vergessen zu machen, seinen Film aber deutlich besser als Fuqua im Griff hat und Action inszeniert, wie Action immer inszeniert werden sollte. Keine schnellen Schnitte, kaum Kameragewackel, so wenig moderner Schnickschnack wie nötig. Stattdessen: totale Übersicht. Klar komponierte Einstellungen, lange Szenen, man ist jederzeit dabei. Najafi hat Kontrolle über sein Material und weiß ganz genau, wie er seine Zuschauer an Bord holt und da auch festhält. Zum Finale gibt’s dann auch noch ein ganz besonders feines inszenatorisches Schmankerl: eine ungefähr zweiminütige, atemberaubende Plansequenz während einer bleihaltigen Auseinandersetzung drückt einen noch mal so richtig in den Sessel.

Leider doch geil!

Ein zweiter Hinweis, um der Sorgfaltspflicht Genüge zu tun: „London Has Fallen“ ist, auch wenn sich im Vergleich zum Vorgänger hauchzarte Ambivalenzen bemerkbar machen (die Gegner haben dieses Mal nicht komplett unberechtigte Gründe für ihr Handeln), inhaltlich alles in allem natürlich schon ziemlich daneben. Erneut rettet ein Ami die Welt vor ausländischen Invasoren und besonders die kaltschnäuzigen letzten zwei Minuten, in denen im Vorbeigehen noch ein Drohnenangriff legitimiert wird, hauen die Gurken aus dem Glas.

Mitreißender und hervorragend gemachter Ballerknaller.Fazit lesen

Diese inhaltlichen Stolpersteine sind natürlich nicht unbedingt schön, tauchen aber nur am Rande auf: „London Has Fallen“ will in erster Linie ein strammes Ballerbrett im Geiste der ebenso moralisch verwerflichen 80er-Jahre-Actionklopper sein und als solches funktioniert er nun mal – auch dank seiner exzellenten Machart – einfach wahnsinnig gut.