Rotkäppchen als untote Werwolf-Killerin in engen Klamotten? Ja, warum auch nicht? Doch wer jetzt Duschszenen, pumpende Action und Gore galore erwartet, guckt nach spätestens 30 Minuten wie bestellt und nicht abgeholt, denn in „Little Dead Rotting Hood“ wird vor allem eins: viel zu viel gelabert.

Bekanntes Thema, neue Variante

Das altbekannte Märchen geht hier so: Großmutter ist eine toughe Alte (Marina Sirtis), die sich jahrelang erfolgreich gegen Werwölfe aus dem finsteren Zauberwald zur Wehr gesetzt hat. Doch die Bedrohung wird immer größer und als ihre Enkelin Samantha (Bianca A. Santos) dran glauben muss, beschließt die mit magischen Kräften Ausgestattete einen Tausch: Sie beißt ins Gras, dafür darf das liebe Kind mit der übertragenen Spezialpower weiterleben. Das Mädel wird auch dringend benötigt, denn die mordlüsternen Bestien fordern immer mehr Todesopfer und Sheriff Adam (Eric Balfour) hat dringend Unterstützung nötig…

Little Dead Rotting Hood - Keine Angst vorm bösen Wolf - Zombiekäppchen und der blöde Wolf

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Rotkäppchen ist erwachsen geworden - Asylum auch, aber ob das gut geht?
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The Asylum: Schrott-Faktor deutlich gesenkt

Die berühmt-berüchtigte Trash-Bude The Asylum penetriert seit 2005 den Markt mit lauter Schrott, der anfänglich, so die lustige Verschwörungstheorie, dank Namens- und Inhaltsähnlichkeit vor allem illegale Downloader ärgern sollte. Nach diversen Klagen von Major-Studios wurde aber schnell klar, dass vor allem Käufer verarscht werden sollten.

Davon kann man halten, was man will, die Rechnung ging auf: Laut Eigenangaben wurde mit bisher keinem der gefühlt 200 jährlichen Titel Verluste gemacht. 2013 erzeugte man mit „Sharknado - Genug gesagt!“ sogar einen Online-Megahype: Asylum wurde - vermutlich auch ein bisschen aus trotziger Gegenreaktion zum immer liebloseren Big-Budget-Müll der Major-Studios - cool.

Dann geschah etwas, was zu erwarten war, aber auch etwas, was nicht unbedingt zu erwarten war. Zum einen machten sich die Jungs, natürlich, dran, den augenblicklichen Hype auszuschlachten, die obligatorischen Fortsetzungen des Fischfilms folgten, gleichzeitig machte sich aber ein leichter Aufwärtstrend beim sonstigen Output bemerkbar: Die Filme wurden sichtbar besser und auch etwas aufwändiger produziert. Natürlich befindet sich Asylum immer noch in der B bis C-Klasse, größere Sprünge werden bei den Sparfüchsen wohl nicht zu erwarten sein, aber, sagen wir es mal so, zwischen „AVH: Alien Vs. Hunter“ (2007) und „Android Cop“ (2014) liegt ein Planet, wenn auch nur ein kleiner. Der sich im Asylum-Universum aber groß anfühlt.

Laber-Marathon mit ein wenig nackter Haut und ein wenig Gore. Definitiv zu wenig.Fazit lesen

In diesem Aufwärtstrend liegt auch „Little Dead Rotting Hood“ von Haus- und Hofregisseur Jared Cohn („Jailbait“), der hier einen formal relativ ansehnlichen Film vorlegt: Es gibt aufwändige Helikopter-Aufnahmen, die Montage ist dynamisch und drei, vier Bilder sehen sogar unvermutet richtig gut aus, toll auch: Die Mantschszenen sind überwiegend handgemacht, der Computer kommt - zumindestens in der ersten Stunde - nur zum Einsatz, wenn’s gar nicht mehr anders geht. Sogar die Wolf-Attacken können sich halbwegs sehen lassen, anscheinend wurden zum Teil echte Tiere verwendet.

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Nicht so unbedingt als Haustiere geignet, die süßen Viecher.
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Allerdings geht Cohn inszenatorisch an diesen Stellen dann doch in die Knie und zieht das leider immer noch nicht aus der Mode gekommene Kameragewackel aus dem Hut. Schade ist auch, dass man im letzten Drittel einen medioker animierten, ziemlich blöd aussehenden Riesenwerwolf vom Stapel lässt, hier kippt der Film dann endgültig in Richtung Gaga-Trash. Dennoch, man merkt deutlich, dass hier jemand versucht aus wenig viel zu machen, an dieser Front gibt’s nicht wirklich was zu meckern.

Dass das Zombiekäppchen dann doch nicht richtig durchstartet, liegt am Script von Gabriel Campisi (den schon damals Todesmutige vielleicht als Co-Regisseur und Autor der super- schrottigen X-Files-Kopie „Alien Agenda: Endangered Species“ von 1998 kennen), das die herrlich absurde Idee viel zu ernst nimmt und anstatt sich auf die am Anfang dieser Kritik genannten Vorzüge zu konzentrieren, tatsächlich einen Horrorthriller auftischen will. Dieser Anspruch wird allerdings spätestens dann untergraben, wenn nach kurzer Zeit die erste Darstellerin ihre Möpse auspackt.

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Little Dead Rotting Hood erscheint am 18. März 2016 auf DVD.
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Doch leider kommen Schauwerte dieser oder auch der blutigen Art nur sehr selten zum Einsatz, für den dramatischen Part ist das Skript aber wiederum einfach zu ungelenk, es werden Nebenbaustellen eröffnet, die ins Nichts führen und auch viel zu viele Erklärungen eingereicht. Da hilft es leider ebenso wenig, dass die theoretisch gute Besetzung, immerhin der „Six Feet Under - Gestorben wird immer“-geschulte Eric Balfour, „Starship Trooper“ Patrick Muldoon und Star-Trek-Schiffspsychologin Marina Sirtis, spielt wie sediert, offenbar wurde das Drehbuch erst nach Vertragsabschluss gesichtet.

Es gibt nur eins, was schlimmer ist, als ein schlechter Film und das ist ein Film, der die Anlagen dazu gehabt hätte, gut zu sein. „Little Dead Rotting Hood“ ist so einer. Wirklich schade.