Der eine oder andere mag sich an „Die unglaubliche Entführung der verrückten Mrs. Stone“ erinnern. Die Komödie aus dem Jahr 1986 mit Bette Midler und Danny DeVito erzählt praktisch dieselbe Geschichte. Aber „Life of Crime“ ist kein Remake. Vielmehr handelt es sich um die Verfilmung des Romans „Wer hat nun wen aufs Kreuz gelegt?“ von Elmore Leonard. Der publizierte diesen bereits 1978, also lange vor dem Film. Aber auch er war nicht der erste, der auf diese Idee kam.

Life of Crime - Official Trailer

Verfilmen wollte man den Stoff schon zur Mitte der 1980er Jahre, damals noch mit Diane Keaton in der Hauptrolle, doch dann kam die verrückte Mrs. Stone und das Studio ließ die Option fallen. Knapp 30 Jahre später kann man sich aber ruhig an eine Verfilmung machen, und das umso mehr, da hier Figuren auftauchen, die später auch in „Rum Punch“ eingesetzt wurden, der wiederum die Vorlage für Quentin Tarantinos „Jackie Brown“ bildete.

Life of Crime - Das Prequel zu Quentin Tarantinos „Jackie Brown“

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Der Film erscheint bei uns am 27.11.2014 auf Blu-ray und DVD.
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Mickey Dawson (Jennifer Aniston) ist die Frau des reichen Frank (Tim Robbins), der sich von ihr scheiden lassen will. Das weiß sie aber noch nicht, als sie von Louis (John Hawkes) und Ordell (Mos Def) entführt wird. Zusammen mit einem dritten Kumpan wollen sie Frank erpressen. Eine Million Dollar soll er zahlen, wenn er seine Frau wiedersehen will.

Aber eigentlich will Frank sie ja gar nicht wiedersehen, verbringt er doch gerade schöne Schäferstündchen mit seiner neuen Liebe Melanie (Isla Fisher), die ihm rät, einfach nicht zu bezahlen. Dann kommt die Scheidung auch günstiger…

Weniger Komödie als Krimi-Drama

Wo „Die unglaubliche Entführung der verrückten Mrs. Stone“ ganz und gar auf den Humor ausgelegt war, ist er bei „Life of Crime“ allenfalls zufällig. Weil es die Situation hergibt, weil eine Figur so abstrus ist oder weil eine Dialogzeile Dampf hat. Aber im Kern ist es ein doch eher ernsthafterer Stoff, der seine Vergnüglichkeit aus der leicht absurden Situation bezieht.

Life of Crime - Das Prequel zu Quentin Tarantinos „Jackie Brown“

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Verfilmung von Elmore Leonards Roman "The Switch".
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Schon das Trio der Entführer ist so wundervoll zusammengewürfelt. Ordell und Louis kennt man noch von „Jackie Brown“, der zeitlich danach spielt, aber ihr Kumpan Richard ist ein echtes Original. Ein Nazi-Waffen- und Devotionalien-Sammler, der mit einem Schwarzen zusammenarbeitet, aber in der Küche ein Schild hängen hat, das besagt: „Es gibt nichts Niedereres als Nigger und Juden, außer die Polizei, die sie schützt.“.

Mark Boone Junior spielt diesen verkappten Nazi mit Panasch. Von ihm geht eine gewisse Gefährlichkeit aus, weswegen sich durchaus auch spannende Momente in „Life of Crime“ ergeben.

Der Vergleich

Weniger der Vergleich mit der 1980er-Jahre-Komödie als vielmehr mit Jackie Brown – und den dort weitergeführten Figuren – ist es, die zum Teil den Reiz dieses Films ausmachen. Das Amüsante daran ist, dass Ordell und Louis ebenso wie Melanie auch Jahre später noch umeinander kreisen. Auf den ersten Blick mögen die Figuren in Tarantinos Film hochkarätiger besetzt sein, John Hawkes liefert aber eine Darstellung ab, die sich vor Robert DeNiro nicht zu verstecken braucht. Isla Fisher wiederum legt Melanie etwas anders an, hat aber durchaus Ähnlichkeiten mit Bridget Fonda, inklusive einer geradezu unsterblichen Dialogzeile: „Wanna fuck?

Es ist zudem erfrischend, Jennifer Aniston mal in einem etwas ernsthafteren Film zu sehen. Zumeist wird sie doch „nur“ in Romcoms und Komödien eingesetzt, hat aber durchaus mehr zu bieten, wie sich besonders bei ihren Szenen mit dem etwas unterrepräsentierten Tim Robbins zeigt.